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Fühlen

"Und endlich gehe ich jetzt." Ein Abschiedsbrief an den Herzens-Menschen

13.01.2018, 14:18 · Aktualisiert: 15.01.2018, 07:24

Wir müssen reden

Wir müssen reden. Über Abschiede vom Herzensmenschen. Diese Menschen, die man wie verrückt liebt, die einem aber gar nicht gut tun. Und mit "nicht gut" meine ich: Liebeskummer aus der Hölle. Immer wieder.

Irgendwann kommt dieser Moment, in dem man sich entscheiden muss, ob die Selbstliebe, dieses scheue Ding, größer ist als die Hoffnung, dass das noch mal was wird. Und mein Moment ist jetzt. Ich ziehe nämlich weg, nach elf Jahren in der gleichen Stadt haue ich ab. Ein guter Augenblick, um loszulassen.

Und deshalb ist meine Kolumne diese Woche nicht einfach ein Text, sondern ein Brief – ein Abschiedsbrief:

Weißt du, was das Schlimmste ist? Dass es so banal ist. Jeder, wirklich jeder kennt das. Man verliebt sich in jemanden, man liebt sich irgendwann fest – und irgendwas funktioniert nicht, irgendwas stimmt nicht, etwas geht kaputt. Am Ende, wenn es vorbei ist, erzählt man sich Geschichten darüber: Weißt du noch, damals, das war so, hör zu, jetzt hör doch mal zu.

Manchmal bleibt es einfach hängen, das kindische Herz

Diese Geschichten, sie werden viele, bis wir ein ganzes Leben lang erzählen könnten, darüber, wie das wilde Herz so funktioniert und was es will, was es verschreckt, wo es bleibt und wann es geht.

Manchmal bleibt es einfach hängen, das kindische Herz, es bewegt sich keinen Zentimeter, weil es das jetzt nun mal so entschieden hat. Da stehen wir dann, ich und du und schauen uns an.

"Wir müssen reden"

"Wir müssen reden" – ist eine wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Wir haben es gemacht wie in den Filmen: Das Lieben und das Hassen, das Vermissen und das Scheitern, das Noch-mal-von-vorne und das Zurück, das Ficken, das Sehnen, all das Sprechen, all das Vergessen.

Dir wollte ich zeigen, wie ich lache und wie ich einkaufe (Erbsen, Kartoffelpüree, Eier, Apfelsaft); wie ich scheitere (mit Anlauf, sonst macht es ja keinen Spaß); wie ich schwimme (im Atlantik und in der Nordsee). Ich wollte mit dir Gewitter hören und Vivaldi, mit dir in den Urlaub fahren und an den Strand, ich wollte mit dir Kinder kriegen und den Verstand verlieren, ich wollte mit dir alles, was nur zwei machen können und alles andere auch, das erst recht.

Das waren so gute wie schlimme Momente, denn ich wusste natürlich schon: Das bleibt nicht, das geht sowieso sofort wieder verloren.

Ich hab mir oft vorgestellt, wie wir glücklich sind, wie wir lachen und wie wir schreien, wie wir ruhig sind, endlich ruhig, endlich zusammen.

Und manchmal waren wir genau das: alles ganz selbstverständlich, ganz klar, ganz ohne Angst und ohne Druck, ganz beieinander, ganz verliebt, ohne Scheiß und ohne Gepäck, ohne alles, ohne all diesen Dreck. Das waren so gute wie schlimme Momente, denn ich wusste natürlich schon: Das bleibt nicht, das geht sowieso sofort wieder verloren. Jahre haben wir so miteinander gerungen, nachts, in Hauseingängen und morgens in meinem Bett, in all diesen Bars, in all diesen Nächten.

Das gehörte so selbstverständlich dazu wie der Kater danach, wie die Art, mich zuzudecken, bevor du gehst. An so einen Schmerz kann man sich gewöhnen, das geht, das schafft man schon. Aber als ich vor ein paar Tagen vor dir stand und dich ansah, wusste ich: Man kann das können, aber wollen, wollen kann ich das so nicht.

Nach all den Jahren wusste ich: Das wird nichts mehr, das ist das Ende hier, das kriegen wir nicht mehr hin. So schön es war, so schlimm war es auch. Zwei, die nicht zusammenfinden sind nur eine hübsche Idee für jene, die nie ankommen wollen und das Suchen mehr schätzen als das Finden. Aber Liebe funktioniert so am Ende nicht: dass immer einer will und immer einer nicht.

Ich möchte dich lieben, lauthals. Ich möchte sagen, dass du der eine bist, the one und dass du für immer bleibst.

Ich möchte dich noch immer – bei mir haben und mit dir sein. Ich möchte noch immer, dass du hier bist und mit mir, dass es ein Wir gibt, ein "uns", einen Plural, einen Sturm. Ich möchte dich lieben, lauthals. Ich möchte sagen, dass du der eine bist, the one und dass du für immer bleibst.

Aber wer so etwas schreibt, der erzählt es in der Vergangenheit, im Plusquamperfekt vom "wir": "Bevor wir uns getroffen haben, liebten wir uns schon."

Aber aus Gegenwart wird Vergangenheit und aus Plural Singular und eines Tages werde ich wissen, was ich tat, bevor ich dich vergessen konnte.

Denn alle Momente mit dir, alle Zeilen, alle Rätsel, alle Nachrichten, alle Liebe: Das alles lief am Ende auf das hier hinaus. Auf das Ende zwischen uns, damit das Ich wieder anfangen kann. Ein Ich, das frei ist von dir.

Das Wir ist tot, hoch lebe ich.

Und endlich gehe ich jetzt, endlich bin ich weg. Du Herzens-Mensch, du Liebe meines Lebens, du alles, du nichts. Ich zähle einfach bis 3 und dann gehe ich. Ich zähle bis 3 und dann enden wir, dann endet dieses ich, das dir letzte Briefe schreibt, ich zähle einfach und dann ist es vorbei: Eins. Zwei.


Gerechtigkeit

Die GroKo will eine Obergrenze – doch die EU hat andere Pläne

13.01.2018, 13:15 · Aktualisiert: 13.01.2018, 15:53

Eine Regierung zu bilden ist nicht leicht. Das ist zumindest die Erkenntnis der vergangenen Monate. Die Jamaika-Verhandlungen scheiterten, weil es zu viele unterschiedliche Meinungen zu den großen Themen gab. (bento

Jetzt soll es schon wieder eine Große Koalition richten. 

CDU, CSU und SPD haben es nach quälend langen Sondierungsgesprächen geschafft, sich auf ein paar gemeinsame Standpunkte zu einigen. Einer davon ist eine Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen. (bento)

Gerade beschlossen, könnte das allerdings schon gleich wieder hinfällig werden. Denn die EU hat andere Pläne.