Bild: Avogado

15.02.2018, 12:19 · Aktualisiert: 15.02.2018, 12:20

Es gibt Tage, da fällt die Welt über einem zusammen.

Und man selbst fällt mir ihr – wie eine Marionette, deren Fäden erschlaffen.

Der japanische Manga-Künstler Avogado hat diesen Zustand der Erschöpfung so illustriert:

"Erschöpfung"

"Erschöpfung" (Bild: Avogado)

Mit wenigen Strichen schafft Avogado so Welten, die sich zwischen Fantasie und Wirklichkeit verschieben. Die Bilder wirken so, als seien sie die Ergänzungen jener Traumwelten, die der berühmte Schriftsteller Haruki Murakami in seinen Büchern entwirft. Immer zeichnet Avogado seine Menschen im klassischen Manga-Format – Kulleraugen, schmale Körper, immer bleiben sie mit ihren Gefühlen allein.

Die Illustrationen teilt er allein auf seiner Homepage und auf Twitter. In den vergangenen Jahren hat er sich so eine riesige Fangemeinde aufgebaut.

Verletzlichkeit, Suizid, Einsamkeit – Das sind Avogados Bilder:

Avogado
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655.000 Menschen folgen ihm mittlerweile auf Twitter. Vergangenes Jahr erschienen die ersten Illustrationen in einem Sammelband, bald wird der zweite erscheinen.

Dabei wissen die meisten fast nichts über den Künstler – nur, dass er es schafft, komplexe Emotionen mit nur wenigen Strichen auf den Punkt zu bringen.

Infos über sich hält er hingegen zurück. Gegenüber bento wollte er weder sein Alter noch seinen echten Namen verraten. Stattdessen sagt er:

Die Ideen zu meinen Bildern kommen mir einfach so.

Das Einzige, was etwas noch etwas über ihn verrät: Sein Social-Media-Bild zeigt Amedeo Avogardo, einen italienischen Physiker aus dem 18. Jahrhundert. Wahrscheinlich ist es nur ein Wortspiel auf Avogados eigenen Namen.

Was viele an den Bildern berühren dürfte: Sie erzählen Geschichten von digitaler Einsamkeit.

Es sind Szenen, die viele aus ihrem vollgestopften Alltag kennen – nicht nur in Japan, sondern auch in Europa.

Die Bilder zeigen das Aufwachsen im urbanen Raum, die Probleme, die dieser Raum mit sich bringt: Es ist nicht immer genug Platz für die Selbstverwirklichung – und häufig muss der Freiheitsdrang dem Fulltimejob weichen, damit die Wochen finanzierbar bleiben.

In diesem Raum, mit dem sich Avogado auseinandersetzt, gibt es kein ausgiebiges Spielen im Winterwetter mehr – der Schneemann wird drinnen konserviert, am Ende eines langen Arbeitstages, mit Eis aus dem Gefrierfach. Geht nicht anders. Die Menschen in Avogados Bildern sind eben immer beschäftigt, weswegen ihre Köpfe voll sind und ihre Herzen leer.

Da ist das Mädchen, das grau in grau lebt, aber ein perfektes Leben in der Linse ihres Smartphones inszeniert. Da ist das Paar, das sich im Strom der Pendler kurz wahrnimmt – und seine Chance doch verpasst. Oder der Mann, der verlernt hat, Gefühle zuzulassen und sein Herz wie einen Tresor verschließt.

Die Bilder sind als Manga gezeichnet, die japanische Version von Comics. Viele Charaktere von Avogado haben vergrößerte Augen, manche sind auch als Kemonomimi gezeichnet, als Menschen mit Tierattributen.

Was hingegen allen Bildern zueigen ist: eine berührende Stille, ein Festhalten der Zeit. Es ist das, was uns beim Betrachten über die eigene Vergänglichkeit nachdenken lässt.

Auch der Künstler Shawn Cross nähert sich in seinen Illustrationen Gefühlen an:


Streaming

Rechte wollen "Black Panther" mit lächerlichem Aufruf sabotieren

15.02.2018, 12:09

Jetzt hat Facebook sie gesperrt.

Rechte wollten in den USA den neuen Superheldenfilm "Black Panther" sabotieren. Auf Facebook riefen sie Anhänger dazu auf, dem Film auf der Bewertungsseite Rotten Tomatoes schlechte Kritiken zu geben – um so möglichst viele Menschen von den Kinosälen fernzuhalten.

Die Rechten hatten die Facebookseite "Down With Disney" gegründet, nach eigener Beschreibung sind sie Anhänger der Alt-Right-Bewegung. Das ist eine Gruppe von Rechten und Konservativen in den USA, Trumps ehemaliger Berater Stephen Bannon steht ihr nahe.

Doch der Aufruf ging nach hinten los – die Facebook-Seite ist mittlerweile gesperrt.