Fühlen

Was Männer wirklich über Schamhaare denken

02.03.2016, 17:28 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:28

Es gibt wichtigere Themen

Unbestätigten Gerüchten zufolge reichen die aus deutschen Frauenzeitschriften rausgerissenen und gestapelten Artikel über Intimrasur einmal bis zum Mond und beinahe wieder zurück. Mit denen über männliche Brusthaare könnte man zumindest das Saarland vollständig zudecken. Und Teile von Rheinland-Pfalz.

Warum sind Körperhaare so ein großes Thema? Ob "Men's Health", "Bravo" und Konsorten es nur aufgegriffen oder erst erschaffen haben, werden wir wohl nie erfahren. Sicher wissen wir zumindest: Der gemeine Neandertaler war nicht damit beschäftigt, sich einen scharfen Faustkeil über seinen Schambereich zu scheuern.


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Hilft natürlich nichts, wenn wir lange Haare an Frauenbeinen und unter Männerachseln einfach nicht gerne sehen. Auch sozial konstruierter Ekel ist Ekel. Aber wenn mein One-Night-Stand glaubt, sich für kaum spürbare Stoppeln entschuldigen zu müssen, läuft etwas falsch.

Ich muss dazusagen: Die Entschuldigung der Dame war in meiner nackten Gegenwart unfreiwillig komisch. Mein Oberkörper ist dicht bewachsen, mein Schambereich auch. Früher habe ich beides hin und wieder rasiert. Aber das Zeug wächst so schnell nach, dass ich meistens mit einer Brust voller schwarzer Angelhaken rumlief.

Also Pelz. Schwarzpelz.

Aus einer Bravo-Umfrage weiß ich nun, dass das 10 Prozent von irgendwelchen Frauen schön finden, 24 Prozent nicht schön (und 30 Prozent nur mal gucken wollten).

Aus einer ähnlichen Sternstunden der empirischen Sozialforschung wissen wir auch, dass eine Mehrheit von Männern wie Frauen Schambehaarung unschön finden, Beinhaare bei Frauen gar nicht gehen und gestutzte Bärte kratzen.

Tun wir einfach mal so, als wären diese Umfragen repräsentativ und aussagekräftig: Sollten Männer wie ich dann jeden Morgen zehn Minuten an sich rumrasieren? Sollten sich Single-Frauen täglich enthaaren, damit im Fall einer Spontan-Begegnung mit Mr. Right dessen Libido nicht im Stoppelfeld verendet?

Ich sehe das entspannt. Sogar dann wenn die Mehrheit der Frauen, die mich nackt sehen, wirklich nicht auf Haare steht. Die entscheidende Frage ist nämlich nicht, ob eine Frau Brusthaare (oder ein Mann Schamhaare) attraktiv findet. Sondern, ob ihr (ihm) das überhaupt besonders wichtig ist. Auf eine Ja/Nein-Frage werden die meisten mit "Ja" oder "Nein" antworten. Die wenigsten mit "Who cares"?

Wenn ich mit dem Rasierer vor dem Spiegel stehe, frage ich mich also: Kann ich mir vorstellen, dass sich eine Frau, die mich eben noch heiß fand, angewidert abwendet, wenn ich mein T-Shirt ausziehe?

Passiert ist es jedenfalls noch nie. Mit Kurzzeitbekanntschaften kam das Thema gar nicht auf. Wer will sich eine schöne Erinnerung schon mit so einer Diskussion versauen?

Von meinen Freundinnen fanden manche Brusthaare ganz geil, eine fands nicht so schön. Ihr zuliebe hab ich mich dann wieder rasiert, bis sie genervt war von den Angelhaken. Ich habs dann wieder gelassen.

Umgekehrt ist es dasselbe: Was für eine absurde Vorstellung, ich könnte voll fickriger Geilheit einer Frau den Slip ausziehen und mich dann von ein paar Haaren abstoßen lassen. Die Frau oder der Mann, die so eine Situation erleben, sollten nicht traurig über den entgangenen Sex sein. Sie sollten ihre Haare als Arschloch-Detektor sehen. Wer dich wegen so einer Lappalie nicht mehr attraktiv findet, wollte es wohl nie so richtig.

Wir können mit unseren Körperhaaren viel entspannter umgehen. Wir können sie rasieren, wie wir uns wohl damit fühlen. Vorgaben lassen wir uns höchstens von unseren Langzeitpartnern machen, die uns regelmäßig nackt sehen. Und die Zeitschriften, die jeden Monat einen neuen Intimrasur-Trend ausrufen, können wir getrost auf den Mond schießen.

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