10.06.2018, 16:46 · Aktualisiert: 10.06.2018, 19:17

Darf jetzt jeder seinen Körper so finden, wie er mag, oder nicht?

Um auf Instagram erfolgreich zu sein, gibt es verschiedene Strategien. Eine davon: sehr gut aussehen. Die beherrscht Gabrielle Epstein, 24-jährige Influencerin von der Gold Coast in Australien. Sie ist durchtrainiert, stets gebräunt und hat langes blondes Haar.

Eine andere Strategie ist Natürlichkeit – Makel haben, zu ihnen stehen, und damit ein positives Körperbild vermitteln. Body Positivity nennt man das. Mit dieser Strategie hat es Gabrielle Epstein nun auch versucht – und hatte dabei weniger Glück.

Vor kurzem postete sie ein Foto, auf dem sie im Bikini am Fenster steht, ohne traumhafte Kulisse, den Blick auf den Boden gerichtet. Das Bild sollte Epstein von ihrer verletzlichen Seite zeigen. Unterschrieben war es mit "Wenn du genau hinsiehst, kannst du eine Narbe oben an meinem Bein sehen."

Die Botschaft: Auch ich bin nicht perfekt, auch ich habe Makel.

Eigentlich wollte sie damit sympathisch wirken, tatsächlich bewirkte sie aber das Gegenteil: Unter ihrem Post sammelten sich wütende Kommentare. Die Kritik der Nutzerinnen und Nutzer: Die Narbe an Epsteins Bein sei winzig, eigentlich kaum zu erkennen. Ihr vermeintlicher Makel also ein Witz, und damit ein Hohn für Menschen, die tatsächlich mit ihrem Körper hadern – zum Beispiel wegen richtiger Narben, die von einem Unfall oder einer Operation stammen.

Auch mehrere Medien sprangen auf den Zug auf, beschwerten sich über diese Frau, die als Influencerin ein Luxusleben lebt und sich dann für noch mehr Likes über eine winzige Narbe am Bein beschwert. (LADBible, Daily Mail)

Deine Narbe ist schöner als mein Gesicht!
Kommentar unter dem Post

Epstein änderte daraufhin den Text unter ihrem Post, inzwischen steht dort schlicht "Morning". Man kann davon ausgehen, dass ihre Followerinnen in Zukunft wieder vor allem die strahlende Gabrielle Epstein sehen werden – ihr Ausflug in die Welt der Body Positivity ist gründlich schiefgegangen.

So berechtigt diese Kritik auf den ersten Blick scheint, wirklich fair ist sie dann doch nicht.

Sie zeigt, dass einige in der Body-Positivity-Bewegung eben bisweilen auch mit zweierlei Maß messen.

Klar: Man kann davon ausgehen, dass eine Frau, die eine kleine Narbe auf dem Bein hat, ansonsten aber allen geltenden Schönheitsidealen der westlichen Welt entspricht, es im Zweifel oft leichter gehabt hat als jemand, der äußerlich entstellt ist.

Doch, und gerade das ist ja eigentlich auch eine Aussage der Body Positivity-Bewegung: Entscheidend ist nicht, wie man aussieht, sondern wie man sich damit fühlt. Schönheit liegt schließlich ohnehin im Auge des Betrachters, ist überdies vergänglich. Was zählt, ist die Beziehung zu sich selbst.

Und diese Beziehung kann schwierig sein, egal wie man aussieht. Ob man unsicher ist oder nicht, hat nichts mit dem tatsächlichen Aussehen zu tun. Auch konventionell gutaussehende Menschen können mit sich hadern. Auch konventionell gutaussehende Menschen sind Tag für Tag mit unrealistischen Schönheitsidealen konfrontiert – denn egal, wie gut man aussieht, man kommt niemals an die Perfektion der mit Photoshop und Filtern optimierten Instagram- und Werberealität ran.

Und wer entscheidet, wann ein "Makel" groß genug ist, um sich darüber Gedanken zu machen?

Menschen nicht zuzugestehen, dass sie mit ihrem Körper hadern, ist deshalb fast ebenso übergriffig, wie ihnen nicht zuzugestehen, mit sich zufrieden zu sein.

Natürlich können wir nicht wissen, ob Gabrielle Epstein tatsächlich mit sich unzufrieden ist. Oder ob sie, so wie es ihr viele Kommentatorinnen und Kommentatoren vorwarfen, nicht doch versucht, für ein paar Likes auf einen Trend aufzuspringen.

Aber das ist eben der Punkt: Wir wissen es nicht. Und so lange sollte man sich mit solcher Kritik eben zurückhalten.


Haha

Dieser Hund sieht aus, als ob er gerade sein Frauchen ertränkt

10.06.2018, 16:17 · Aktualisiert: 10.06.2018, 16:17

Natürlich wird er damit direkt zum Meme.

Stell dir vor, du schwimmst im See und hast wirklich genug von dem ganzen Gestrampel. Wenn du mal ganz ehrlich bist, kannst du dich eigentlich kaum mehr über Wasser halten. Zum Ufer ist es aber doch noch ein Stück.