Fühlen

Die "Inside" verdient Geld mit frauenverachtenden Beiträgen

09.06.2017, 10:42 · Aktualisiert: 09.06.2017, 16:00

Ich bin fassungslos.

In den 26 Jahren meines Lebens wurde ich mit sehr, sehr vielen Werbekampagnen konfrontiert, die mich anbrüllten: "Du bist zu fett, mach dir einen Bikini-Body!"

Oder mit Magazinen in Zeitschriftenläden, die plärrten: "Diesen Sommer muss sich alles ändern, friss nur noch Salat!"

Oder mit irgendwelchen Diät-Instagram-Accounts, auf denen stark geschminkte Frauen die Behauptung aufstellen, dass Männer Frauen zuerst auf den Arsch gucken und dass der bitte knackig sein soll.

Vieles zieht vorbei, kurzes Anbrüllen, weiter gehts, ich halte mir die Ohren zu, das ist leider Teil meiner Lebensrealität.

Aber dieses Mal hat das so nicht funktioniert. Jetzt kann ich nicht vorbeigehen, kann nicht weghören, jetzt zieht sich alles in mir zusammen.

Die "Inside" titelt aktuell: "Die Dellen-Queens! Stars im Cellulite-Stress".

Wider Erwarten ist das Blatt auch mit Inhalt gefüllt, es steht drin: "Schrumpel-Schreck: Fast alle Frauen haben Cellulite, aber Tara hat sie eben leider fast überall." Weiter: "Lästige Löcher! 'Booty Shorts' heißen, wie sie heißen, weil sie den Blick auf das Heck freigeben – auch auf die Beulen im Lack."

Titel der aktuellen "Inside"

Titel der aktuellen "Inside" (Bild: bento / Nike Laurenz)

Weiter: "Krater-Kummer! Die 'Gossip'-Sängerin hat sich von ihrer Band getrennt. Die Krater an Armen und Beinen sind ihr geblieben." Weiter, falls noch jemand diese abscheulichen Alliterationen erträgt: "Hügel-Horror! Schenkel-Schande! Furchen-Fiasko! Wabbel-Wellen!"

In der Redaktion, die diese Zeilen in Druck gegeben hat, arbeiten wahrscheinlich Menschen. Menschen, darunter Frauen, die sich für dieses Heft offenbar entschieden haben, andere Frauen zu erniedrigen.

Mit eingängigen Wortneuschöpfungen wird hier auf hässliche Weise definiert, wann Frauen hässlich sind: wenn sie "böse Beulen" haben oder "zerbeulte Beine" oder "hinten Verdruss". 

Unter dem Facebook-Post, mit dem das Magazin Werbung für die neue Ausgabe macht, sammelt sich Wut: Mehrere Frauen kommentieren, der Artikel sei "ekelhaft" und "traurig". Nils Pickert, Chef von "Pinkstinks", schreibt in diesem Artikel, er hasse die Zeitschrift und ihre problematische Aufbereitung. 

Nicht nur die "Inside", auch andere Magazine beschäftigen sich mit dem weiblichen Körper und wie man ihn verbessern könnte.

Die aktuelle "Closer" empfiehlt dieser Tage, wie sich mit High-Waist-Pantys ein flacher Bauch schummeln lässt. Die "Grazia" verspricht auf dem Titel Tipps, "wie wir Cellulite endlich wirksam bekämpfen" – beruhigt dann auf Seite 64 wenigstens: Egal, wie Sie aussehen, Sie können sich sehen lassen. 

Die "Inside" aber macht Geld mit dem Bloßstellen angeblich unperfekter Frauenkörper. Hoffentlich frage nicht nur ich mich:

  • Wen und was wollt ihr erreichen mit diesen Körperkommentaren? 
  • Wie können Frauen, oder überhaupt Wesen mit einem Gewissen, diese Demütigungen auf das Äußere anderer Frauen zulassen?
  • Sollte das ein Kind sehen: Wie erkläre ich ihm anschließend, dass es genau richtig ist, so wie es ist? Dass verdammt noch einmal jedes Mitglied dieser Gesellschaft selbst entscheiden darf, wie es aussieht? 

Anruf bei der "Inside" in Baden-Baden.

Die Ansprechpartnerin in dieser Angelegenheit sei die Chefredakteurin, die allerdings gerade in einem Termin sei, sagt mir eine Frau am Telefon. Es rufe zeitnah jemand zurück.

Danach meldet sich keiner mehr. Auf weitere Anrufe reagiert niemand, auch auf die E-Mail nicht, in der ich gleich nach dem ersten Anruf um eine Stellungnahme gebeten hatte.

Auf der Website von Vision Media, die die "Inside" herausgibt, heißt es: "Ganz gleich ob Mitarbeiter, Leser oder Kunde: Wer einen hohen Anspruch hat, dem haben wir auch Bestes zu bieten." 

Das unternehmerische Handeln sei "stets geprägt durch den Anspruch journalistischer Qualität. Und wir vergessen bei allem Schaffen nie, dass es die Menschen sind, die das Unternehmen machen."

Sollte die Redaktion wirklich nach diesem Leitbild handeln: Mission verfehlt. 

Wer zusichert, nicht zu vergessen, dass es Menschen sind, die in den Unternehmen arbeiten, der darf auch die Abgebildeten und die Konsumenten nicht vergessen. Auch die sind Menschen.


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Taylor Swift ist zurück auf Spotify

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Gute Nachrichten für alle Fans: "Um die über 10 Millionen Verkäufe des Albums "1989" zu feiern und sich bei ihren Fans zu bedanken, hat Taylor beschlossen, ihre Alben auf Streamingplattformen zu veröffentlichen", twitterte ihr Management am Donnerstag.