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​Wie es sich anfühlt, mit Anfang zwanzig immer noch Jungfrau zu sein

14.03.2016, 11:43 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:28

Mit 14, 15, 16 hat man noch darüber gesprochen und neugierig gefragt: "Und, hattest du schon dein erstes Mal?" Irgendwann fragt keiner mehr danach, ob man schon hatte, irgendwann gehen alle davon aus.

Bei bento erzählen drei junge Erwachsene, warum sie noch Jungfrau sind – und wie es ihnen damit geht.

Daniel, 22: "Es ist lächerlich, dass ich immer ein Kondom dabei habe"

Ich bin ein Nerd und erfülle alle Klischees. Meine liebsten Hobbys sind seit der Jugend Videospiele und Serien gucken, mit meinen Freunden verbrachte ich viel Zeit bei Lan-Partys, nicht in der Disco. Wir sind alle unattraktiv und trauen uns nicht, Frauen anzusprechen, wir alle hatten noch nie Sex. Wir verheimlichen das nicht voreinander, sprechen aber auch nicht darüber. Es gibt ja auch nicht viel zu reden.

Ich war noch nie verliebt, nicht mal verknallt. Natürlich gab es ein paar Mädchen und Frauen, die ich attraktiv fand und gerne ansah, aber das eher unbewusst. Deswegen habe ich mit Frauen wirklich gar keine Erfahrung, nicht mal ein Kuss oder Date. Lange Zeit war ein Mädchen aus der Musikschule mein einziger Kontakt. Sie hat viel geredet und auch immer probiert, ein paar Sätze aus mir herauszukitzeln. Darauf habe ich mich immer sehr gefreut.

Nach meinem freiwilligen sozialen Jahr im Krankenhaus habe ich angefangen, Biomedizin zu studieren. Seitdem habe ich mehr Kontakt zu Frauen und gehe mit meinen neuen Freunden auch regelmäßig in Discos und Kneipen. Aber noch immer fehlt mir das Selbstvertrauen, um Frauen anzusprechen. Das finde ich so frustrierend, schließlich gehe ich eigentlich nur aus, um eine Frau kennenzulernen. Es ist schon lächerlich, dass ich immer ein Kondom für den Fall der Fälle dabei habe.

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Die meisten Menschen hatten in meinem Alter schon Sex. Das macht mich manchmal sehr unzufrieden, denn natürlich will ich auch mal Sex haben. Lange Zeit habe ich versucht, mich damit abzufinden, unattraktiv und schüchtern zu sein und deswegen keine Chance zu haben. Aber inzwischen weiß ich, dass ich umdenken muss: Ich muss nicht immer schüchtern sein, und ich kann beispielsweise Sport machen, um so attraktiver zu werden.

Deswegen bin ich gelassener. Irgendwann wird es schon passieren. Bis dahin tue ich mir selbst etwas Gutes, lerne eine neue Fremdsprache, verbessere meine Kochkünste und probiere geselliger zu werden. Ich habe auch keine Angst, dass mich die Frau auslacht, mit der es dann irgendwann passiert. Ich habe inzwischen viel über Sex gelesen.

Trotzdem frage ich mich immer mal wieder, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich in gewissen Situationen anders gehandelt hätte. Während meiner Zeit im Krankenhaus war ich einmal alleine mit einer Schwesternschülerin im Fahrstuhl. Sie hat mich sehr nett angelächelt. Was wohl passiert wäre, wenn ich sie angesprochen hätte?

Sophia, 19: "Ich bin ein bisschen stolz darauf, Jungfrau zu sein"

Ich weiß, dass ich gut aussehe, dass ich mich hübsch anziehe. Ich weiß, dass viele Männer und Frauen mich bewundern. Aber ich würde dieses Wissen nie arrogant vor mir her tragen. Ich bin immer sehr freundlich, offen und kommunikativ. Ob in der Disco, in einer Bar oder beim Billard spielen, ich bin gerne dabei. Ich flirte auch sehr gerne und bin dabei keineswegs prüde. Trotzdem bin ich mit 19 Jahren noch Jungfrau. Schlimm finde ich das nicht.
Es gab auch schon einen Jungen, den ich sehr gemocht habe. Wir lernten uns in der fünften Klasse auf dem Gymnasium kennen. Schnell wurden wir gute, dann beste Freunde. Später haben wir uns geküsst, dann hatte er auf einmal eine Freundin.

Seit fünf Jahren ist er mittlerweile mit ihr zusammen, drei Jahre war ich in ihn verliebt. Wir haben uns heimlich getroffen und geküsst, irgendwann passierte auch mehr. Geschlafen habe ich trotzdem nicht mit ihm. Ich wusste, dass ich nur die zweite Wahl war. Heute habe ich all das zum Glück hinter mir gelassen.

Es gab viele, die mich mochten, mit denen ich mich traf oder hätte treffen können. Aber leider habe ich oft genug die Erfahrung gemacht, dass Typen sich unreif verhalten und keine ernsten Absichten haben. So wie mein Nachbar, in den ich zuletzt verliebt war: Nach einem schönen Abend inklusive ein paar toller Küsse meldete er sich nie wieder. Solange das so ist, gebe ich mich nicht her.

Ich warte auf einen Mann, der mich wegen meiner Persönlichkeit schätzt, mit dem es funkt und bei dem ich nicht an zweiter Stelle stehe. Deswegen gilt für mich: Das erste Mal soll aus Liebe geschehen. Angst davor habe ich nicht, ich bin auch nur selten unzufrieden, dass es noch nicht so weit ist. Im Gegenteil: Ich bin sogar ein bisschen stolz darauf.

Jana, 21: "Wahrscheinlich liegt es auch an meiner Unsicherheit"

Mit 17 Jahren hatte ich meinen ersten und einzigen Freund. Ein halbes Jahr waren wir zusammen, viel mehr als küssen ist allerdings nie passiert, meine Gefühle waren nicht groß genug. Heute probiere ich mich gerne ein bisschen aus und knutsche auf der einen oder anderen Party. Mehr will ich von einer Partybekanntschaft aber nicht. Ich warte auf jemanden, dem ich vertrauen kann und mit dem es aus ernsthaften Gefühlen heraus geschieht.

Dreimal war ich bisher verliebt, zuletzt in einen Mann, der sechs Stunden von mir entfernt wohnt. Mit ihm hätte ich gerne Sex gehabt, aber wir hatten keine Zukunft. Deswegen habe ich das beendet. Manchmal träume ich noch davon, wie es war, in seinen Armen zu schlafen.

Manchmal bin ich zu unsicher, das mag ich gar nicht. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass ich noch Jungfrau bin. Ich versuche, mir mein inneres Wanken nicht anmerken zu lassen, ich bin viel mit Freunden unterwegs, egal ob auf Reisen oder beim Feiern, ich mag Sport, das brauche ich zum Ausgleich. Im Sommersemester fängt mein Pharmazie-Studium an. Ich hoffe, dass ich im Studium den richtigen Mann finde.

Ich finde es zwar nicht schön, spät dran zu sein, aber es gibt Schlimmeres. Meine Freunde wissen es und finden es völlig okay. Nur bei Bekannten tue ich manchmal so, als ob ich weiß, worum es geht. Die Gesellschaft setzt schließlich voraus, dass man ab einem gewissen Alter schon Sex hatte. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass mir das keiner vorschreiben kann.

Wann haben junge Menschen das erste mal Sex?

Für die Studie "Jugendsexualität 2015" hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) insgesamt rund 5700 junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren zu ihrem Sexverhalten befragt. Demnach hatten mit 14 Jahren bereits 6 Prozent der Befragten Sex, mit 16 Jahren sind es 39 Prozent, mit 18 Jahren 69 Prozent und mit 21 Jahren 89 Prozent der Befragten. Dabei haben Mädchen tendenziell früher Sex als die Jungs.

Wenn jemand noch Jungfrau war, dann gaben sowohl Jungen als auch Mädchen die gleichen Gründe an: Fehlen des richtigen Partners, Schüchternheit oder Angst vor Ungeschicktheit.

Die BZgA fragte auch danach, viele Geschlechtspartner die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hatten: 54 Prozent der befragten 14- bis 17-jährigen Mädchen hatten nur einen Geschlechtspartner oder eine Partnerin. Bei den 18- bis 25-Jährigen hatten nur noch 23 Prozent einen und 39 Prozent schon mehr als drei Partner. Bei den 14- bis 17-jährigen befragten Jungen hatten 43 Prozent eine Partnerin oder einen Partner. Mit 18 bis 25 Jahren hatten 50 Prozent bereits mehr als drei Geschlechtspartnerinnen oder Partner.

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