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19.03.2018, 18:34 · Aktualisiert: 29.05.2018, 18:20

Wir haben mit der Künstlerin gesprochen, die das Bild koloriert hat.

Als Czesława Kwoka 14 Jahre alt ist, wird sie in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Es ist der 13. Dezember 1942, die Nazis geben ihr die Nummer 26947.

Das Mädchen war eines von etwa 230.000 Kindern und Jugendlichen, die zwischen 1940 und 1945 nach Auschwitz gebracht wurden. Sie kamen mit ihren Familien im Rahmen sogenannter Säuberungsaktionen gegen soziale oder ethnische Gruppen. Nur 650 der 230.000 Kinder haben bis zur Befreiung des Lagers im Jahr 1945 überlebt.

Czesława gehörte nicht dazu. Sie starb drei Monate nach ihrer Ankunft, am 12. März 1943.

So sah sie aus, als sie in Auschwitz ankam:

(Bild: Wilhelm Brasse/Marina Amaral/Auschwitz Memorial)

Die Haare kurzgeschoren, der Blick verängstigt, der kleine Körper steckt in einer zu großen Häftlingsuniform.

Die Aufnahmen, wie die von vielen anderen KZ-Insassen, hat Wilhelm Brasse gemacht. Er war ebenfalls Insasse und überlebte, weil die Nazis ihn als Lagerfotografen brauchten. Seine Aufgabe war es, die Neuankömmlinge zu fotografieren. Viele von ihnen kurz bevor sie in die Gaskammer gingen. Er war es, der die Bilder nach der Befreiung des Lagers für die Nachwelt bewahrte, obwohl die Nazis Anweisungen gaben, sie zu verbrennen. (Mehr dazu auf SPIEGEL ONLINE)

75 Jahre nach dem Tod des kleinen Mädchens hat die 23 Jahre alte Künstlerin Marina Amaral ihre Schwarz-Weiß-Fotos koloriert. Das Bild wird seit einigen Tagen tausendfach im Internet geteilt:

(Bild: Wilhelm Brasse/Marina Amaral/Auschwitz Memorial)

Wie Marina Amaral das Bild bearbeitet hat

Mit Photoshop hat Amaral der Haut der 14-Jährigen Farbe gegeben, zum Beispiel die Streifen ihrer Häftlingskleidung in blau und grau getaucht. Details hat sie aus der Überlieferung vom Fotografen Wilhelm Brasse übernommen. Laut seiner Aussage hatte eine KZ-Wärterin Czeslawa Kwoka kurz zuvor mit einem Stock ins Gesicht geschlagen, deshalb färbte Amaral das Blut an ihrer aufgeplatzten Lippe rot. 

Marina Amaral hat sich schon immer für historische Bilder begeistert. Als Kind stellte die Brasilianerin sich vor, wie sie selbst Teil der Welt und der Menschen sei, die sie im Geschichtsunterricht in der Schule behandelten. Heute, 11 Jahre später, koloriert sie genau aus diesem Grund hauptberuflich Bilder – um sie für den Betrachter zugänglicher zu machen.

Bis in die Fünfzigerjahre waren die meisten Fotos noch Schwarz-Weiß-Fotografien. Amaral hat nicht nur Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg bearbeitet, sondern unter anderem auch Bilder von John F. Kennedy koloriert, Elvis Presley und Albert Einstein.

Wir haben mit ihr über Czesława Kwoka gesprochen und über die Wirkung kolorierter historischer Bilder.

Marina, warum hast du das Bild von Czesława Kwoka für deine Kunst ausgesucht?

Ich habe nach einem Bild gesucht, das es mir erlauben würde, den Holocaust zu thematisieren. Ich wollte das auf eine sehr respektvolle Art tun. Dann fand ich Czesławas Fotos und begann, über sie und ihre Geschichte zu lesen. Seit ich den Ausdruck auf ihrem Gesicht das erste Mal gesehen habe, hat sie mich nicht mehr losgelassen. Sie war erst 14 Jahre alt. Ich weiß, dass tausende von Kindern in Auschwitz ermordet wurden, aber die Angst in ihren Augen zu sehen, hat es viel realer gemacht.

Seit ich den Ausdruck auf ihrem Gesicht das erste Mal gesehen habe, hat sie mich nicht mehr losgelassen.
Marina Amaral, Künstlerin

Welchen Effekt haben farbige Bilder, die wir sonst nur in Schwarz-weiß kennen?

Farben funktionieren ähnlich wie Brücken: Sie ermöglichen uns, in die Vergangenheit zurückzugehen und sie und die Menschen darin so zu sehen, wie sie wirklich aussahen – also in Farbe. Das hilft uns dabei, eine intimere Verbindung zu ihnen aufzubauen.

So sehen andere historische, kolorierte Bilder von Marina Amaral aus:

Marina Amaral
Marina Amaral
Marina Amaral
Marina Amaral
Marina Amaral
Marina Amaral
Marina Amaral
Marina Amaral
Marina Amaral
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Wie wählst du deine Bilder aus?

Ich liebe historische Bilder, darum haben alle Bilder, die ich koloriere, etwas mit Geschichte zu tun. Ich nehme meine Bilder von öffentlichen Archiven, von Regierungsorganisationen oder öffentlichen Bibliotheken, was meine Möglichkeiten sehr einschränkt. Ich würde sehr gerne Bilder der alten Ägypter beispielsweise bearbeiten, aber das ist schwierig, denn auf die gibt es meistens ein Copyright.

Wie lange dauert es, bis eines deiner Bilder fertig ist?

Das kommt sehr auf die Komplexität des Bildes an. Das kann von 40 Minuten bis 40 Tage dauern.

Was braucht es, um ein historisches Bild zu kolorieren, damit es authentisch aussieht?

In erster Linie: Respekt. Denn es handelt sich bei den Bildern, die ich bearbeite, um historische Dokumente. Dann natürlich viel Recherche, Praxis und sehr viel Geduld. Ich widme mich meiner Arbeit jeden Tag, und versuche jeden Tag, etwas zu lernen, bessere Ergebnisse zu erzielen und eine bessere Künstlerin zu sein.

Auf Marina Amarals Website kannst du dir mehr von ihrer Arbeit ansehen und auch auf ihrem Instagram-Account.


Gerechtigkeit

Thüringen verbietet Neonazi-Konzert, allerdings nicht wegen der Nazis

19.03.2018, 16:19 · Aktualisiert: 19.03.2018, 16:22

Ein Hoch auf den Turmfalken!

Im Juli 2017 haben sich 6000 Neonazis in einem kleinen 3000-Einwohner-Dorf in Thüringen versammelt – und ein ausgelassenes Rechtsrock-Konzert gefeiert. Hinter (fast) blickdichten Zäunen zeigten die Konzertbesucher in Themar den Hitlergruß, die Polizei ermittelte. (bento)

Für die Organisatoren war das Neonazi-Konzert ein voller Erfolg. Schon bald wurde eine Neuauflage angekündigt: Am 8. und 9. Juni diesen Jahres sollte das nächste Festival steigen, wieder in Themar.

Nun haben Thüringer Behörden das Rechtsrock-Konzert verboten – allerdings nicht, weil sich dort Neonazis treffen.