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Fühlen

Dein Leben hat deine Hobbys zerstört. Doch du kannst sie retten!

05.10.2017, 14:22 · Aktualisiert: 09.10.2017, 10:59

Erstaunlich viele Menschen beschweren sich darüber, keine Hobbys zu haben. "Ich will sonntags nicht immer auf der Couch sitzen, oder in Cafés. Ich will irgendwas MACHEN. Etwas, das mir Spaß macht… Aber was?“ Heutzutage leiden geschätzte 93 Prozent junger Großstadtmenschen unter Hobbylosigkeit. (Und auf dem Land sieht es wohl nur unwesentlich besser aus.)

Gründe dafür gibt es viele. Früher hat man als Kind zum Beispiel mit einer Sportart angefangen, hat sich von der F-Jugend in die A-Jugend vorgearbeitet und ist dann auch als Erwachsener dabei geblieben – obwohl da schon längst klar war, dass man es trotz aller lustigen Tricks, die man beim Auf-der-Bank-Sitzen gelernt hat...

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...in tausend Jahren nicht zum Profi bringen würde. Heute ziehen junge Menschen vom Land in die Stadt in eine andere Stadt in ein anderes Land zurück in die erste Stadt und dann nach Berlin. Und dort mit Mitte zwanzig wieder mit Hockey anzufangen, ist zwar möglich aber alles andere als selbstverständlich. 

Vor allem, wenn man so viel arbeitet, wie es heute viele von uns tun. Wenn man dienstags nicht sicher sagen kann, ob man es Mittwochabends in den Kneipenchor schafft; und wenn "ich kann nicht, ich hab' aber Bastelkurs" von wahrscheinlich keinem Chef der Welt mehr als Ausrede akzeptiert wird; dann ist dein Hobby bald Geschichte.

Trotzdem gibt es immer wieder Stunden und ganze Tage, da haben selbst wir Vielarbeiter frei, da könnten wir "was machen" – und haben aber nichts, was wir machen könnten. 

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Wir wissen mit unserer Freizeit nicht Sinnvolles anzufangen... Beziehungsweise: Wir wissen mit unserer Freizeit nichts Sinnloses anzufangen. Denn selbst, wenn uns mal was einfällt, was uns Spaß machen könnte...

...dann passiert immer Folgendes: 

  1. Man denkt: "Hey, ich habe doch eine Nähmaschine im Keller! Ich könnte mal wieder nähen! Das wäre doch ein schönes Hobby! Nähen! Mensch!"
  2. Und dann denkt man: "Nur für mich selber nähen wird aber schnell langweilig. Aber ich könnte ja für meine Freunde nähen!"
  3. Und dann denkt man aber: "Vielleicht kann ich ja die Sachen, die keiner meiner Freunde will, einfach bei Flohmärkten verkaufen. Oder online. Dann müsste ich nur schnell eine Website machen…"

Und schon ist aus deinem Hobby ein Projekt geworden, und aus deinem Projekt wird – wenn du tatsächlich nähen kannst – ganz schnell ein Job. 

Warum ist das so?

Na, weil wir gelernt haben, dass alles, was wir tun, irgendeinen Sinn haben muss. Wir verreisen, lernen Sprachen und treten Clubs bei, um den Lebenslauf zu verschönern. Und was für die Karriere nichts taugt, das muss Geld einbringen oder wenigstens auf Instagram gut aussehen. Die philosophische Frage der Stunde lautet: "Wenn du Spaß hast und es keiner sieht, hast du dann überhaupt Spaß?" 

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So wird aus jedem Sport, den du gern machst, früher oder später eine Gesundheitsmaßnahme und/oder eine Gelegenheit für einen Fotoshoot. Aus geistesabwesendem Gärtnern wird ein Lifestyle-Statement in Sachen Bio-Öko-Veggie-Selfmade-Kultur. Lesen bildet, beim Malen "kann man seinen Akku aufladen", um im Büro leistungsfähiger zu werden, ja, selbst sinnlose Computer Games zu zocken hat einen Networking-Aspekt, wenn du deine Arbeitskollegen dabei online triffst. 

Dass die Generation Y immerzu nach einem Sinn in ihrem Leben sucht, ist ja weithin bekannt. Woran sie aber – weniger bekanntermaßen – verzweifelt, ist die Suche nach etwas wirklich Sinnlosem. Denn nur bei etwas, dass nicht auf irgendeine Weise "gut für einen" ist – nicht für den Körper, nicht für die Karriere, nicht für das gesellschaftliche Ansehen – kann man wirklich loslassen; muss man weder gut aussehen noch übermäßig performen; nur da kann man ganz man selbst sein. 

Was also tun?

Wer trotz allem ein echtes Hobby haben will, dem bleiben zwei Möglichkeiten. 

1

Du hältst es geheim. Dann fällt zumindest der Druck weg, die Sache gut auf Instagram verwerten zu können. Auch einen professionellen Nutzen wirst du aus einer geheimen Leidenschaft eher nicht ziehen können. Und wenn du jetzt noch darauf achtest, dass die Sache weder gut für deinen Körper ist, noch den Geist trainiert, bist du dem schönen Reich der Sinnlosigkeit schon so nah, wie geht. 

2

Es gibt nur einen Trick, der noch besser funktioniert, als Geheimhaltung. Und zwar, dass du dir einfach ein so richtig hässliches, angestaubtes Hobby suchst. Etwas, bei dem man mit der Zeit bucklig und eigenbrötlerisch wird. Was keiner sehen will und worüber niemand reden möchte. Etwas, wo du froh sein kannst, wenn du deswegen nicht von deinen Freunden verstoßen wirst. Löten zum Beispiel. CB-Funk. Bierdeckel sammeln und sortieren. Oder natürlich der Klassiker: die Modelleisenbahn. 

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Diese viel-verlachten Dinge sind nämlich keineswegs aus Versehen hässlich und unproduktiv. Der unersetzliche Vorteil daran, 25 Jahre an einer Eisenbahn-Landschaft zu basteln, ist nämlich gerade die Nutz- und Hoffnungslosigkeit dieser Tätigkeit. Niemand ist je berühmt geworden durchs Modellbauen. Niemand ist je reich geworden durchs Modellbauen. Niemand ist je schöner, klüger, erfolgreicher geworden durchs Modellbauen. 

Aber glücklicher kann man dadurch durchaus werden. Und sei es nur, weil man endlich etwas gefunden hat, das man an Sonntagnachmittagen machen kann. 

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