Fühlen

Habe ich eine Depression? Unsere Psychologin sagt, wann du Hilfe brauchst

24.01.2017, 14:55

In unserer Serie "Über-Ich" beantwortet die Psychologin Kathrin Hoffmann eure Fragen.

Annika fragt:

Ich bin 17 Jahre alt. Seit zwei Jahren habe ich das Gefühl: Egal, was ich mache und tue, ich fühle mich leer und einsam. Mit meinen Eltern kann ich darüber nicht reden, die würden mich für verrückt halten und würden dies nicht verstehen. Außerdem würden sie mir irgendwelche Sachen kaufen, um es wieder gut zu machen. Doch das hilft nicht. Ich habe niemanden, mit dem ich darüber reden kann. Außerdem fühlt es sich so an, als ob ich in jemanden gefangen bin und nur alles tue, weil ich es muss.

Sollte ich damit zu einem Psychologen oder ist das vollkommen normal?

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Zunächst einmal möchte ich dir sagen, wie mutig ich es finde, dass du dich mit deinem Problem mitteilst. Du beschreibst, dass du dich seit zwei Jahren unglücklich, einsam und leer fühlst. An sich sind diese Gefühle natürlich "normal", das heißt, es sind Gefühle, die fast jeder von Zeit zu Zeit einmal erlebt.

Die lange Zeitspanne und die Unabhängigkeit von den Umständen ("egal was ich mache") sind jedoch ein Hinweis darauf, dass du möglicherweise unter einer Depression leidest. Betroffene erleben ihre Stimmung niedergedrückt und es fehlt ihnen an Antrieb und Energie. Selbst Dinge, die früher Spaß gemacht haben, genießen sie nicht mehr. Oft schlafen sie schlecht, können sich nicht mehr gut konzentrieren, haben keinen Appetit und ihr Selbstvertrauen leidet. Manche fühlen sich wertlos, schauen pessimistisch in die Zukunft oder haben Schuldgefühle.

Je nach Anzahl und Schwere der Symptome spricht man von einer leichten, mittelgradigen oder schweren depressiven Episode. Eine genaue Diagnostik muss in jeden Fall ein Psychotherapeut oder psychosomatischer Arzt vornehmen. Er stellt dir dabei genaue Fragen zu der Art der Beschwerden, der Dauer und dem Verlauf. Er erkundigt sich auch nach möglichen anderen Beschwerdebereichen, ob du Ängste hast zum Beispiel.

Zum Klicken: Diese Fragen hat unsere Psychologin schon beantwortet

Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
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Während der Pubertät finden sowohl im Körper als auch im sozialen Umfeld viele Veränderungen statt. Es kann in dieser Zeit zu intensiven Gefühlen und Gefühlsschwankungen kommen. Auch Phasen, in denen du dich sehr traurig fühlst, gehören dazu. Doch genauso sollte es Erlebnisse geben, die dich begeistern und dir Freude machen.

In diese Zeit fallen viele schwierige Entwicklungsaufgaben: Sich von den Eltern abgrenzen, Freundschaften knüpfen, erste intime Beziehungen eingehen und die eigene Identität entwickeln. Du beschreibst, dass du dich gefangen fühlst und alles nur tust, weil du es musst. Das spricht dafür, dass du noch mitten in der Phase der Abgrenzung und Identitätssuche bist.

Frage dich selbst:

  • Was ist mir wichtig im Leben?
  • Welche Aspekte dessen, was mir meine Eltern vorleben, finde ich gut?
  • Was möchte ich anders machen?
  • Was interessiert mich besonders?
  • Welche Eigenschaften sind mir bei anderen wichtig? Was schätze ich an mir?

Ebenso wichtig ist es, vertrauten Personen mitzuteilen, was du denkst und empfindest. Das Verhältnis zu deinen Eltern scheint nicht das Beste zu sein. Du vermutest, sie würden dich nicht verstehen. Um das herauszufinden, solltest du ihnen aber zumindest eine Chance geben. Sag ihnen, wie du dich fühlst und dass du dir keine Sachen, sondern Aufmerksamkeit und Verständnis wünscht.

Zur Autorin

Kathrin Hoffmann, Jahrgang 1984, ist Diplom-Psychologin, Trainerin für Stressbewältigung und Autogenes Training. Sie macht derzeit eine Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin. Wenn sie nicht bei bento Fragen beantwortet, arbeitet sie in einer psychosomatischen Klinik.

Deine Überlegung, dich einem Psychologen anzuvertrauen, halte ich für sehr sinnvoll. Auf der Webseite der kassenärztlichen Bundesvereinigung kannst du die Online-Suche oder die telefonische Auskunft für dein Bundesland nutzen, um einen Psychotherapeuten in deiner Nähe zu finden.

Alles Gute für dich!

Zum Klicken: Diese Zeichnungen helfen Menschen, mit ihrer Depression klarzukommen (Hier haben wir den Künstler Shawn Coss interviewt.)

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Tag 4: Trump streicht Geld für Abtreibungen

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