Fühlen

Hört auf, euch für Guilty Pleasures zu entschuldigen!

10.08.2017, 10:28 · Aktualisiert: 13.08.2017, 17:45

Was ist eure Lieblingsserie? House of Cards? The Wire? Breaking Bad? Was Kluges, Durchdachtes? Verzwickte Handlung, aber realistisch, vom Feuilleton gefeiert? 

Wahrscheinlich. Das mögen viele.

Aber was seht ihr euch wirklich an? Sonntags auf dem Sofa, wenn die Devise Low Life statt High Class ist –  und ihr keinen von eurem angeblich sehr gescheiten Seriengeschmack überzeugen müsst?

Ich gebe hiermit ein für alle mal zu: Ich liebe "Der gefährlichste Job Alaskas", eine Reality-Serie über Krabbenfischer.

Ich liebe auch die Wiederholungen von "Flavor of Love". Oder – ja, wirklich! – ich sehe mir zum gefühlt tausendsten Mal Folgen von "Hör mal, wer da hämmert" an.

 Als ein Exfreund von mir herausfand, dass seine Freundin sonntags auch geistig nicht von der Couch hochkommt, sagte er einmal: "Dein Sonntag ist wohl ganz für Guilty Pleasures reserviert!" 

Er meinte das nett, aber schon damals hatte ich bei dieser Formulierung ein komisches Gefühl im Magen. 

Na, in welcher TV-Serie spielt dein Leben? Mach das Quiz:

Denn seit einiger Zeit höre ich immer mal wieder jemanden etwas als Guilty Pleasure bezeichnen. Leute schießen die beiden Wörter gerne nach, nachdem sie zugegeben haben, dass sie abends nicht nur Arte schauen. 

Aber auch, wenn sie von Büchern, Musik oder sogar Essen erzählen, entschuldigen sie das, was offenbar nicht cool genug ist: "Das ist halt mein Guilty Pleasure!"

Das Vergnügen also, für das es sich schuldig zu fühlen gehört.

Es sind erstaunlich oft Frauen, die sich entschuldigen

Auf Instagram gibt es über 780.000 Fotos unter #guiltypleasure. Die Leute entschuldigen sich für den Eiskaffee in der Mittagspause, das extra Fleisch im Döner, den Manga-Comic

In meinem echten Leben sind es erstaunlich oft Freundinnen, die ihre "Sex and the City"-Abende, den Genuss einer ganzen Packung Eiscreme oder ihre Liebe für "Kuschelrock"-CDs als Guilty Pleasure rechtfertigen

Warum nur ist diese Abgrenzung notwendig, was soll das?

Eingestanden wird die angebliche Schande meist mit einem verschwörerischen Lächeln, immer mit einem Zwinkern, um klarzustellen: Selbstverständlich weiß ich, dass "Grey’s Anatomy", "Twilight", Taylor Swift oder Buttercremetorte nicht gut für mich sind. 

Der Ausdruck Guilty Pleasure baut eine Sarkasmus-Barriere auf, die zeigen soll, dass man sich der mangelnden Qualität einer Sache bewusst ist, sie aber dennoch konsumiert. 

Warum nur ist diese Abgrenzung notwendig, was soll das?

Niemand kann erwarten, dass jede Entscheidung, die wir treffen, gänzlich vernünftig und durchdacht ist. 

Meine Liebe für die oben genannten Serien als Guilty Pleasure zu bezeichnen, würde bedeuten, auf Nummer sicher zu gehen

Wenn ich sie als Guilty Pleasure bezeichne, fragt niemand weiter nach. Aber was passiert, wenn ich vor jemandem mal tatsächlich zu meinen Lieblingsserien stehe

Dann müsste ich vielleicht von mir erzählen oder – ganz uncool - von meinen Gefühlen sprechen.

Etwa davon, dass mir diese Serien ein warmes Gefühl im Bauch geben, weil ich sie mit meinen Teenagerjahren verbinde, einer Zeit, die ich mit meiner Familie verbracht habe. 

Heute wohnt meine Familie viele Kilometer weit weg. An Sonntagen vermisse ich sie besonders. Mir diese vermeintlich schlechten Serien anzusehen, macht die Sehnsucht ein wenig erträglicher

Vielleicht entsteht, würde ich das einfach erzählen, dadurch ja auch ein echtes Gespräch. Eines, in dem jeder zu seinen persönlichen Vorlieben stehen kann.


Today

Kanada errichtet Not-Camp für Flüchtlinge aus den USA

10.08.2017, 10:25 · Aktualisiert: 10.08.2017, 10:46

Vor allem eine Gruppe flieht vor der Trump-Politik

Kanada errichtet direkt hinter der Grenze zu den USA ein provisorisches Flüchtlingscamp. Die vom Militär errichteten Zelte sollen beheizbar sein und bieten Schutz für bis zu 500 Menschen gleichzeitig. 

Die Aktion sei eine "Notmaßnahme", teilte das kanadische Militär mit. Der Grund dafür ist die seit Monaten steigende Zahl von Flüchtlingen aus den USA