Bild: Love Actually / Universal Studios

03.01.2018, 11:28 · Aktualisiert: 03.01.2018, 13:21

Wir müssen mal reden. Über Kommentare zum eigenen Körper. Vorab: Das Folgende fällt mir sehr schwer aufzuschreiben, aber ich glaube, dass es dennoch richtig und wichtig ist, es mal laut zu sagen.

Ich habe in den letzten 3 Monaten etwa 10 Kilo zugenommen.

Weil ich Medikamente nehme, die das begünstigen, aber vor allem und natürlich weil Winter ist, weil ich Pommes mag, weil ich zu faul bin und so weiter. Eigentlich ist der Grund auch egal. Seitdem ich mehr wiege, sagen Menschen ungefragt gemeine Dinge zu mir. Mein gestiegenes Körpergewicht scheint eine Art stumme Einladung zu sein, mein Aussehen zu kommentieren.

"Wir müssen reden"

Die wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Die Top 3 der letzten 4 Wochen:

  • Platz 3: "Du siehst ganz schön aufgedunsen aus."
  • Platz 2: "Deine Beine sind ja fett geworden."
  • Platz 1 (und damit mein Favorit): Ein Typ zu seinem Kumpel, dem er mich vorstellen wollte und als er dachte, ich höre es nicht: "Jetzt sei mal nicht so oberflächlich, wenigstens hat sie was im Kopf."

Ich war immer "normalgewichtig", falls es sowas überhaupt gibt, und bin es immer noch, ich bin nur eben nicht mehr dünn. Seit ich mehr wiege, muss ich mir diese Scheiße anhören. Als ich eine Zeit lang sehr, sehr dünn war, eben das Gegenteil. Da wurde ich dann gelobt dafür, dass ich so toll aussehen würde (als sei ich vorher hässlich gewesen). Oder jeder kommentiert das eigene Gewicht und sagt, man solle mal mehr essen.

Ich aber kann mir nun besser vorstellen, wie es ist, wenn man sich jeden Tag diesen Dreck reinziehen muss. Wenn man anders ist und das andere Menschen dazu animiert den eigenen Körper zu bewerten. Leider muss man dann mit dieser Verletzung leben - während der andere nicht mal checkt, wie weh das tat.

Ich liebe meinen Körper nämlich. Er trägt mich, er passt auf mich auf, er sorgt dafür, dass ich mir alles ansehen kann, alles machen kann. Er nervt manchmal, aber er ist so gesund wie nie. Er hilft mir und ich ihm.

Auch Komplimente können vergiftet sein

Aber Bodyshaming macht es unheimlich schwer, genau dieses Gefühl zu fühlen – dass man mit seinem Körper im Reinen ist. Deshalb ist es keine lapidare Aussage, kein Scherz, kein Witz, kein "hab dich nicht so".

Und auch Komplimente können vergiftet sein. Natürlich sind sie auch schön, aber sie können auch verletzen. Wenn jemand einem sowas rückmeldet, dann entschuldigt man sich, Punkt.

Als ich genau darüber bei Instagram sprach, bekam ich etwa 50 Nachrichten in einer einzigen Nacht: von Frauen und Männern, denen das gleiche passiert ist. Sie alle können noch im Wortlaut zitieren, was zu ihnen oder über sie gesagt wurde. Allein das zeigt, wie tief diese Wunden sind.

Mir wurde erzählt, wie Leute mit anhören mussten, dass sie ja viel fetter sind als gedacht in der Nacht zuvor im Dunkeln und betrunken - weil der Typ vergessen hatte, am Telefon richtig aufzulegen und sich dann am anderen Ende mit seinem Kumpel über das Mädchen austauschte. Mir wurde von Kollegen erzählt, die das Gewicht anderer Kollegen vor versammelter Mannschaft kommentierten - und alle lachten. Eine Frau schrieb mir, wie ein Mann nach dem Sex zu ihr sagte, dass er Dicke ja eigentlich eklig fände, aber mit ihr sei es ja ok gewesen. Ein Mädchen, das mit ihrem Untergewicht zu kämpfen hat, erzählte, dass es normal sei, dass Männer und Frauen Kommentare machen wie "Mit Knochen spielen ja nur Hunde, ha ha".

Nachdem ich diesen Text leicht abgewandelt bei Facebook postete, schrieben mir Hunderte, dass ihnen das Gleiche passiert, jeden Tag. Männern und Frauen. Mir wurden wahnsinnig viele Verletzungen erzählt, mit denen all diese wunderbaren Menschen jetzt leben müssen – und woran sie vielleicht jedes Mal denken müssen, wenn sie sich im Spiegel anschauen.

Das ist nicht lapidar und das ist nicht egal. Das ist zutiefst erschreckend und es tut mir für jeden einzelnen wahnsinnig leid. Und es macht Menschen krank, es führt dazu, dass sie beginnen, sich zu hassen, statt die, die dumm genug sind, solche Dinge zu sagen.

Um es also noch mal klar zu stellen:

Wenn man ungefragt das Äußere eines anderen Menschen abwertet, dann ist das eine Aussage über einen selber und keine über den anderen. Es macht mich wütend und traurig, dass so etwas so normal ist. Dass Menschen dein Gewicht kommentieren, dass sie auch noch glauben, dass das irgendwie hilfreich sei und keine absolute Grenzüberschreitung.

Es ist NICHT ok und es IST eine Grenzüberschreitung.

Wer das nicht kapiert, der sollte sich wohl zu allererst mal selber fragen, was eigentlich nicht mit ihm stimmt. Vielleicht findet er eine Antwort. Vielleicht auch nicht. Aber mit meinem Körper, ich schwöre es, mit dem stimmt alles. Nur mit diesen Leuten wahrlich nicht.


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