13.06.2018, 09:55 · Aktualisiert: 13.06.2018, 09:55

"Ich schob ihm einen Schein rüber, damit er nicht ständig nach Geld fragen musste."

Ein großer Balkon mitten in einer deutschen Großstadt. Sara und Felix* lehnen sich entspannt in ihren Sesseln zurück. In ihrer 100-Quadratmeter-Wohnung ist fast jede Ecke Instagram-tauglich: die Lampe im Industrie-Look über dem Esstisch, die alten Obstkisten als Ablage. Im Flur steht schon der Kinderwagen fürs Baby, das im Winter kommt. Das teure Modell, das gerade alle haben.

Ich treffe mich mit den beiden 32-Jährigen, um über Geld zu reden. Ich weiß bereits: Sara verdient gut, Felix nicht. Und frage mich: Wer bezahlt diese riesige Wohnung und die schicken Möbel? Streiten die zwei deshalb viel? Ich bin gespannt.

Wie ist die finanzielle Lage bei euch?

Felix: Lass mich kurz rechnen. Sara hat ungefähr 2000 Euro netto mehr im Monat als ich. Oder?

Sara: Sogar etwas mehr. Sagen wir so: Es ist fast das dreifache von dem, was Felix bekommt. Ich würde auch nicht sagen, dass ich unfassbar viel verdiene, aber als Juristin fängt man schon mit einem sehr guten Einstiegsgehalt an.

Krass, das muss ich kurz wirken lassen. Natürlich überschlage ich kurz – und frage mich, warum ich eigentlich nie über ein Jura-Studium nachgedacht habe…

Was machst du beruflich, Felix?

Felix: Ich fing erst ein Medizinstudium an, aber das war nicht mein Ding. Dann sattelte ich auf Mediendesign um und entdeckte im Studium meine Liebe fürs Produktdesign. Jetzt arbeite ich bei einem kleinen Start-up. Es gefällt mir.

Da es ein kleiner Laden ist und ich Einsteiger bin, ist die Bezahlung natürlich nicht berauschend. Ich hatte auch Angebote mit höherem Gehalt, aber ich entschied mich dagegen, weil ich diesen Job spannender fand. Ich kann dort relativ schnell eine Führungsposition übernehmen und dann mehr verdienen.

Die Beziehungsweisen

In dieser Reihe reden wir mit Menschen, deren Beziehungen nicht "klassisch" sind: über Eifersucht und Sexpartys, über Geld und Liebe, über Konflikte und Geheimnisse.

Felix, du hast bis vor Kurzem noch studiert und hattest in der Zeit noch weniger Geld zu Verfügung als jetzt – wie habt ihr das da gemacht?

Felix: In unserer alten Wohnung teilten wir die Miete. Einkäufe, Urlaub und alles, was Luxus war, zahlte damals Sara. Ich studierte noch und lebte von der Unterstützung meiner Eltern, mein Budget war knapp.

Letzten Sommer zogen wir in diese Wohnung, und jetzt läuft die Miete komplett über sie – weil sie fast doppelt so hoch ist wie vorher. Ich zahle die Nebenkosten und überweise Geld, wenn ich noch etwas übrig habe.

Belastete das eure Beziehung?

Felix: Ein wirkliches Problem war es nie. Aber natürlich fand ich es nicht geil, dass Sara überwiegend zahlte. Ich fühlte mich dadurch zwar nie in meiner männlichen Ehre verletzt, aber es nervt einfach irgendwann, wenn man immer so aufs Geld achten muss.

Sara: Manchmal war es schon so, dass Felix abends nicht mit weggehen wollte, weil er keine Kohle hatte. Dann sagte ich: Es ist gar kein Problem, wenn ich zahle – Hauptsache, du kommst mit. Es gab dann Situationen, in denen ich ihm einen Schein hinüberschob, damit er nicht ständig nach Geld fragen musste. Mir ist wichtig, dass wir zusammen unterwegs sind und Spaß haben.

Großartige Einstellung – würde ich genauso machen. Aber ich sehe Felix an, dass es für ihn nicht die beste Zeit war.

Mit euren Freunden habt ihr also nicht offen darüber gesprochen?

Felix: Doch, die wussten das alle. Wenn ich mal zu Hause bleiben wollte, weil ich kein Geld hatte, boten sie auch immer an, mich einzuladen. Aber das will man ja auch nicht. Ich finde es auch nicht schlimm, mal einen Abend auf der Couch zu verbringen. Wenn es sich häufte und ich nicht wollte, dass Sara schon wieder für mich zahlte, ging ich dann auch einfach mal nicht mit.

Aber auf die Stimmung zwischen euch drückte das nie?

Felix: Mich frustrierte es, dass ich keinen Spielraum hatte. Aber zwischen uns beiden gab es nie Stress deshalb.

Sara: Wenn ich mir selbst dadurch nichts mehr hätte leisten können, hätte es mich vielleicht genervt. Aber bei mir lief es normal weiter – ich shoppte aber auch nicht bei irgendwelchen Luxusmarken. Ich konnte mir kaufen, was ich wollte, und trotzdem für Felix mitbezahlen. Und er hat ja einen großen Anteil daran, dass ich jetzt ganz gut verdiene.

Inwiefern?

Sara: Auch ich hatte im Studium schlechte Phasen, in denen ich Unterstützung brauchte – die gab Felix mir immer. Und die Entscheidung für meinen aktuellen Job trug er auch mit. Wir hatten überlegt, nach dem Studium ins Ausland zu gehen, aber in meinem aktuellen Beruf ist das nicht so einfach möglich. Dann sagte Felix: Wenn das dein Traumjob ist, bleiben wir hier.

Felix, wenn es dich im Studium nervte, immer so aufs Geld achten zu müssen: Wäre es nicht verlockend gewesen, dir nach dem Abschluss einen Job zu suchen, in dem du mehr verdienst?

Felix: Schon. Aber mir war wichtiger, dass ich mich in dem Job wohlfühle. Und ich brauche eigentlich gar nicht viel. Ich gehe gerne mal am Mittag mit Kollegen essen und abends ein Bier trinken, ansonsten bin ich ziemlich sparsam. Große Anschaffungen hebe ich mir für Weihnachten oder Geburtstage auf oder ich zahle sie mit Kreditkarte – und gleiche das in den kommenden Monaten aus.

Sara: Felix konnte schon immer deutlich besser mit Geld umgehen als ich.

Was heißt denn das für euch – gut mit Geld umgehen?

Felix: Das fängt damit an, dass ich meinen Kontostand regelmäßig checke – Sara macht das nie. Ich weiß, wie viel ich habe und was ich ausgeben kann. Ich spielte schon als Kind immer die Bank, hortete Geld und lieh meiner Schwester etwas. Auch jetzt lege ich mir regelmäßig Geld zurück und habe eine private Altersvorsorge – im Gegensatz zu Sara.

Sara: Bei mir ist es eher so: Wenn ich merke, es wird mal knapper, dann ziehe ich den Kopf ein und gucke gar nicht erst aufs Konto. Aber wenn Geld da ist, dann gebe ich es aus – gerne für uns beide.

Ich konnte mir kaufen, was ich wollte und trotzdem für Felix mitbezahlen.
Sara

Auf wessen Rechnung ging denn die Einrichtung für die neue Wohnung?

Sara: Ich könnte jetzt nicht sagen, wer welches Möbelstück bezahlt hat.

Felix: Ich schon.

Sara: Wirklich?

Felix: Klar.

Felix guckt Sara grinsend (und ein bisschen fassungslos) an – und ich muss lachen. Offenbar ist es gut, dass Sara jemanden wie Felix an der Seite hat.

Sara: Vermutlich gingen viele Möbel auf mich. Anders war es beim Kinderwagen: Plötzlich schickte Felix mir ganz viele Online-Kleinanzeigen, und am gleichen Abend kauften wir für 600 Euro einen gebrauchten Kinderwagen – und den bezahlte Felix. So etwas macht er gern, wenn er gerade Kohle hat.

Felix: Ich hatte das erste Gehalt bekommen und es gab ein gutes Angebot. Warum sollten wir länger warten, um später vielleicht mehr auszugeben?

Ich checke meinen Kontostand regelmäßig – Sara macht das nie.
Felix

Wie wird es denn, wenn das Baby kommt?

Sara: Eigentlich will ich höchstens ein Jahr in Elternzeit gehen – abhängig davon, wann wir einen Kitaplatz bekommen. Felix hat den Job gerade erst angefangen, da kommt es vielleicht nicht so gut, wenn er direkt ein halbes Jahr Elternzeit einlegt.

Felix: Ich habe bis dahin noch eine Gehaltsverhandlung ausstehen und hoffe, dass ich dann mehr verdiene. Wenn ich merke, dass es finanziell gar nicht passt, würde ich mich vermutlich woanders doch woanders bewerben.

Mit deinem aktuellen Gehalt und Saras Elterngeld ginge es nicht?

Felix: Ich denke eigentlich schon, weil ich der Meinung bin, dass wir nicht ganz so viel brauchen. Das müssen wir durchrechnen, aber mir ist klar: Wenn es hart auf hart kommt, sorge ich für uns.

Sara: Ich glaube, dass es sehr eng werden könnte – und würde dann lieber relativ früh zurück in den Job gehen. Für mich wäre das okay, aber Felix sieht das anders. Und ich weiß: Wenn er mich davon abbringen will, dann wird er sich etwas einfallen lassen.

*Sara und Felix heißen eigentlich anders, wollten in diesem Text aber lieber anonym bleiben.


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Der Erfinder von "Game of Thrones" hat erste Details zur neuen Vor-Serie verraten

13.06.2018, 08:45 · Aktualisiert: 13.06.2018, 12:39

Unter anderem eine Namensidee.

Am Wochenende kam bereits heraus, dass der Sender HBO ein Spinoff von "Game of Thrones" bestellt hat (bento). Jetzt hat Erfinder George R. R. Martin weitere Details bekannt gegeben. 

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