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Fühlen

"Wenn eine Frau dabei ist, könnte ich nie so sein wie mit meinen Jungs"

01.12.2015, 09:56 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:23

Der Schauspieler Frederick Lau spricht mit uns über Freundschaft.

Ein Hotelzimmer am Kurfürstendamm in Berlin. Frederick Lau lümmelt in einem Sessel aus brombeerfarbenem Leder. Er trägt ein kariertes Hemd und Chucks, die wohl irgendwann mal weiß waren. Irgendwie passt er nicht richtig zu dem Luxus, der ihn umgibt.

Frederick trinkt Sekt, lacht viel, berlinert manchmal, fragt zwischendurch nach einer Zigarette: "Ich würde so gerne eine rauchen."

Wir sprechen mit ihm über ein Thema: Freundschaft.

Wie viele richtige Freunde hast du?

Ich habe viele Freunde; wir sind wie eine Gemeinschaft, sitzen oft im Café "Übersee" am Paul-Lincke-Ufer in Berlin. Ich freue mich, wenn es meinen Freunden gut geht. Deswegen mögen die mich vielleicht auch (lacht).

Mit dem Film "Die Welle" hast du eine ganze Generation von Schülern geprägt. Damals warst du 18 Jahre alt, hast den Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller bekommen. Inwiefern beeinflusste dieses frühe Bekanntsein deine Freundschaften?

Überhaupt nicht. Aber natürlich musste ich mir von meinen Freunden Sprüche anhören, "Die Welle lebt" und so was. Wenn sie mich ärgern wollen, machen sie das heute noch: Ich glaube, das wird mich mein Leben lang begleiten.

"Die Welle" ist mein bekanntester Film, das merke ich jedes Jahr aufs Neue: Wenn die Neuntklässler "Die Welle" durchnehmen, erkennen mich auf der Straße plötzlich mehr Menschen. Trotzdem: Ich glaube nicht, dass ich bekannt bin, und ich will es auch gar nicht sein.

"Ich glaube nicht, dass ich bekannt bin" – Für den Film "Die Welle" erhielt Frederick Lau 2008 den Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller.

"Ich glaube nicht, dass ich bekannt bin" – Für den Film "Die Welle" erhielt Frederick Lau 2008 den Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller. (Bild: Reuters/Fabrizio Bensch)

Tim ist eher ein Einzelgänger. Gab es diese Phase auch mal in deinem Leben?

Nein. Ich kann gar nicht allein sein, da langweile ich mich viel zu schnell; ich muss mich immer mitteilen.

Wie verändern sich Freundschaften mit dem Alter?

Viele meiner Freunde kenne ich noch aus der Schulzeit. Klar, aus den Jungs werden Männer; der eine ist jetzt Immobilienmakler, der andere holt sein Abitur nach. Aber wenn wir zusammen sind, stelle ich immer wieder fest, dass sich eigentlich nichts verändert hat. In der Schule verarschten wir uns gegenseitig, das machen wir immer noch.


Mordkommission Berlin 1

Am 1. Dezember ist Frederick Lau in dem historischen Krimi "Mordkommission Berlin 1" zu sehen. Als Assistent Conrad Ruppert ermittelt er zusammen mit Kommissar Paul Lang (gespielt von Friedrich Mücke) im Berlin der zwanziger Jahre. "Mordkommission Berlin 1" läuft am 1. Dezember um 20.15 Uhr auf Sat 1. (Bild: Sat 1/Jan Hromadko)


In "Victoria" überfällt Sonne, den du spielst, zusammen mit seinen Kumpels Boxer und Blinker eine Bank, weil Boxer Geld braucht. Wie weit würdest du im echten Leben für deine Freunde gehen?

Ich bin da ziemlich schmerzlos. Bei einem Banküberfall musste ich zwar noch nicht mitmachen, aber über meine Freunde geht nichts. Ich stehe für sie ein.

Wann zum Beispiel?

Einmal drehte ich mit zwei Produzenten, beides gute Freunde von mir. Am Ende feierten wir ein Abschlussfest. Die beiden waren schon weg, ich saß noch da; einer aus der Gruppe fing an, schlecht über die beiden Produzenten zu reden. Da wies ich ihn schon zurecht. Ich kann es nicht mit ansehen, wenn jemand meinen Freunden Schlechtes will.

Frederick Laus bester Freund: der Schauspieler Kida Ramadan.

Frederick Laus bester Freund: der Schauspieler Kida Ramadan. (Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka)

Dein bester Freund, der Schauspieler Kida Ramadan, ist dreizehn Jahre älter als du. Spielt Altersunterschied für eine Freundschaft keine Rolle?

Ich habe auch Freunde, die 60 Jahre alt sind, das ist ganz normal für mich. Und das war immer so: Meine ersten Filme drehte ich, als ich noch zur Schule ging; am Set war ich natürlich mit älteren Menschen zusammen.

Kida und ich merken den Altersunterschied überhaupt nicht. Vielleicht ändert sich das noch; wenn Kida irgendwann alt und krank ist, wenn er nicht mehr rauskommen kann, wenn ich bei ihm klingele. Noch kann ich mir das nicht richtig vorstellen.

Was macht Freundschaft aus?

Man muss sich wohlfühlen miteinander. Wenn ich Kida angucke, muss ich immer lachen. Sich übereinander freuen, das ist wichtig. Ich glaube nicht, dass Männer detailliert über alles reden. Es geht eher um das Gemeinschaftsgefühl: Wir sitzen zusammen, und es fühlt sich gut an.

Für den Film "Victoria" bekam Frederick Lau (hier mit Schauspielerin Laia Costa und Regisseur Sebastian Schipper) ein zweites Mal den Deutschen Filmpreis, diesmal als bester Hauptdarsteller.

Für den Film "Victoria" bekam Frederick Lau (hier mit Schauspielerin Laia Costa und Regisseur Sebastian Schipper) ein zweites Mal den Deutschen Filmpreis, diesmal als bester Hauptdarsteller. (Bild: dpa/Jens Kalaene)

In dem Film "Ummah – Unter Freunden" spielt ihr beide mit, Kida und du. Mit Freunden zusammenarbeiten, kann das gut gehen?


Bei Schauspielern geht das total gut. Kida und ich versuchen oft, zusammen zu drehen. Immer, wenn ich eine Rolle bekomme, fragt Kida: Kann ich nicht deinen großen Bruder spielen? Das Gute: Wir sind gnadenlos ehrlich zueinander; wir sagen uns ins Gesicht, wenn wir eine Szene scheiße fanden. Wir können miteinander, aber auch übereinander lachen.

Schwerer tue ich mich, wenn ich mit einem befreundeten Regisseur zusammenarbeite. Dann ist der andere auf einmal der Chef und sagt vielleicht Dinge, die mir nicht gefallen. Da kommt es schon vor, dass ich mich angegriffen fühle. Wir Schauspieler sind schließlich sensibel (lacht).

Manchmal bist du zwei oder drei Monate am Stück unterwegs. Wie schaffst du es, mit deinen Freunden in Kontakt zu bleiben?

Mit Kida zum Beispiel telefoniere ich jeden Tag, weil er mich zu den unmöglichsten Zeiten anruft. Ich finde aber, es ist nicht wichtig, ständig Kontakt zu halten. Wenn meine Freunde und ich mal zwei Monate nichts voneinander hören, heißt das nicht, dass wir uns nicht genauso lieben. Wir sind nicht sauer aufeinander, sondern freuen uns, wenn wir uns wiedersehen.

Frederick Lau (rechts) und Friedrich Mücke bei der Premiere des Sat 1-Films "Mordkommission Berlin 1" in Berlin.

Frederick Lau (rechts) und Friedrich Mücke bei der Premiere des Sat 1-Films "Mordkommission Berlin 1" in Berlin. (Bild: dpa/Gregor Fischer)

Wie wichtig ist Streit für eine Freundschaft?

Mit Kida streite ich mich nie. Auch dann nicht, wenn wir mal anderer Meinung sind. Bei anderen Freunden ist das anders: Wir schreien uns schon mal an – aber immer mit einem Schmunzeln. Ich glaube, da könnte nie etwas Ernsthaftes passieren.

Einzige Ausnahme: Wenn jemand schlecht über meine Familie redet – aber das machen wir einfach nicht. Eigentlich reden wir kaum über unsere Familie oder unsere Frauen.

Wir schreien uns schon mal an – aber immer mit einem Schmunzeln.
Frederick Lau

Warum nicht?

Wenn ich mit meinen Freunden zusammen bin, ist das unser Ding; das ist fast wie eine Flucht. Es geht nicht darum, etwas zu überspielen. Wenn irgendwas nicht in Ordnung ist, merken wir das, aber wir reden nicht darüber. Wir möchten den anderen nicht verletzen, wir möchten den Freund nicht traurig sehen. Wir probieren, uns etwas Schönes zu schenken und uns zusammen zu freuen.

Freundschaft zwischen Männern und Frauen, kann das funktionieren?

Es ist anders, wenn eine Frau dabei ist. Da könnte ich nie so sein wie mit meinen Jungs. Männer sind meinesgleichen, Frauen stehen da irgendwie drüber. Sie sind etwas Besonderes, ich verhalte mich ihnen gegenüber anders: Ich versuche, anständig zu sein.

Gibt es etwas, das du deinen Freunden gerne mal sagen möchtest?

Das darfst du alles nicht schreiben (lacht). Du kannst schreiben, dass sie stolz auf sich sein können (Pause). Ja, das ist eine gute Aussage.


Nach dem Gespräch bitte ich Frederick Lau um ein Selfie. Er schlägt stattdessen vor, ein Foto im Hotelbett zu machen, neben dem wir die ganze Zeit saßen. Na gut.

(Bild: bento)