Bild: Shutterstock / ECOSY

05.07.2018, 09:15 · Aktualisiert: 05.07.2018, 12:23

Man sollte wissen, mit wem man es zu tun hat

Hast du dich schon einmal gefragt, ob dein Freund heimlich zu Pornos masturbiert, wenn du nicht da bist? Oder der Typ, mit dem du gerade auf dem Date bist?

Du glaubst, er tut es nicht?

Die Antwort lautet: doch, natürlich.

Nahezu jeder Mann guckt Pornos. Von acht zufällig ausgewählten Männern in meinem Bekanntenkreis geben es sieben zu. Belastbare Studien sind schwer zu finden, aber vielleicht hilft diese Geschichte zur Verdeutlichung: 2009 wollte die Uni Montreal eine Untersuchung mit Männern durchführen, die noch nie Pornos gesehen hatten – und fand keine. (Telegraph)

Natürlich ist das eine starke Vereinfachung, aber wenn dein Freund, dein Mann, deine Affäre kein Amish ist, wird er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Sexfilme gucken. Sorry, dass du es so erfahren musstest.

Warum ich dir das sage: Die Art, wie du damit umgehst, beeinflusst extrem dein Sexleben und deine Beziehung.

Ein paar Zahlen:

  • Bis zum 16. Lebensjahr hatten bereits 89 Prozent der Jungs Kontakt mit Pornografie. Vor dem ersten "echten" Sex mit einer Partnerin oder einem Partner haben viele schon tausende Pornobilder oder Videos gesehen. (Statista)
  • Nur 4 Prozent reden mit Eltern oder Lehrkräften über das Gesehene. Durch die fehlende Einordnung prägt Pornografie das Bild von "normalem" sexuellen Verhalten. (Uni Hohenheim)

Klar, auch viele Frauen schauen heute Pornos. Und es werden mehr. Eine Umfrage der Zeitschrift Marie Claire von 2016 ergab: Jede dritte Frau tut es mindestens einmal die Woche.

Aber: Auf drei männliche "Sex-Klicks" im Internet kommt momentan nur ein weiblicher. Obwohl Studien herausfanden, dass Frauen genauso sehr von Pornos erregt werden wie Männer. Nur scheint ihnen diese Tatsache peinlicher zu sein. (bento)

Warum gucken Frauen überhaupt weniger Pornos?

  • Ein Grund könnte natürlich sein, dass ein Großteil der Filme für männliche Zuschauer gemacht werden. Dass Frauen darin oft nur als Objekt oder Erfüllungsgehilfin für den männlichen Orgasmus dargestellt werden. Und dass Frauen sich verständlicherweise nicht mit diesen Rollen identifizieren wollen.
  • Eine andere Studie sagt: Es fehlen die Männer. In den meisten Filmen werden nur körperlose Penisse gezeigt, die in Nahaufnahmen in unterschiedlichste Körperöffnungen eindringen – und damit nicht die Perspektive der Frau zeigen, die ja beim eigenen Sex meist eher den Körper und das Gesicht eines Mannes im Blick hat. (Girls Who Like Boys Who Like Boys)
  • Der Sexualforscher Ulrich Clement beschreibt, dass Frauen Hetero-Pornos im "identifikatorischen Modus" schauen. Das heißt, sie denken sich in die Frau hinein. Und schauen daher viel auf die Darstellerinnen. Wenn Frauen doch auf den Mann gucken, schauen sie in sein Gesicht, um zu beurteilen, wie er sie ansieht: "Ist er bei mir? Begehrt er mich? Frauen achten nicht so primär aufs Genital wie Männer das tun." (Zeit)
  • Ein wichtiger Grund für die Ablehnung von Pornos könnten die teilweise miserablen Bedingungen hinter der Kamera sein. Dokus wie "Hot Girls Wanted" zeigen die brutale und entwürdigende Masche, mit der junge Frauen von der Branche ausgenutzt und anschließend "entsorgt" werden:

Es sind ethisch, moralisch, ja meist sogar handwerklich schlechte Pornos. Dass Jugendliche, egal ob männlich oder weiblich, heute so früh Kontakt damit haben, ist ein Problem. Ein 15-jähriger Mensch kann noch nicht einordnen, wie sehr sich Porno und Realität unterscheiden. Dazu bräuchte es pädagogische Beratung, aufmerksame Eltern und Aufklärungsangebote.

Fehlen diese, können Pornos bei Jugendlichen das altmodische Rollenbild der unterwürfigen Frau verstärken, fand die Niedersächsische Landesmedienanstalt heraus. Oder noch schlimmer: Sie können ganz real zu Gewalt gegen Frauen führen, wie Forschende der Uni in Lincoln in den USA herausfanden. Die Soziologin Gail Dines bezeichnet Pornos daher auch als "gefährlichste Bildungsindustrie der Welt" (FAZ).

Jetzt denkst du wahrscheinlich: "Hey, das hört sich alles schrecklich an, warum will der Autor, dass Frauen dann MEHR Pornos gucken?"

Weil die alte Faustregel "Porno ist antifeministisch und schlecht für ALLE Frauen" Bullshit ist.

Es gibt tolle Filme für Frauen, von Frauen, mit Frauen, die alle Spaß an der Produktion haben. Filme, die Frauen zeigen, die ihre eigene Lust auskosten und sich für ihre Sexualität nicht schämen. Filme, in denen Frauen nicht nur ein atmendes Sexspielzeug sind. Filme, in denen alle auf ihre Kosten kommen und Sex nicht einseitig funktioniert. Und es gibt Schwulenpornos, die viele Hetero-Frauen extrem gerne gucken. (Puls)

Welche Pornos Frauen 2017 am meisten geguckt haben.

Welche Pornos Frauen 2017 am meisten geguckt haben. (Bild: Pornhub)

Als Erwachsene kann man sich deshalb ungeniert an den Laptop setzen und schauen: Passt das zu mir? Will ich das ausprobieren? Macht mich das an? Oder ist das Gezeigte abzulehnen?

Es muss ja auch nicht die immer wieder angeführte Erika Lust sein, auch viele amerikanische Darstellerinnen wie Asa Akira oder Riley Reid haben ihre Karriere in die eigene Hand die genommen. Sie vermarkten ihre Filme über die eigene Website, machen nur, was sie selbst geil finden und streichen die Gewinne selbst ein.

Wer diese Filme konsumiert, verändert den Markt gleich mit. Denn der produziert ja nur, wenn das Gefilmte auch geguckt wird.

Frauen und Pornos

Eine Umfrage unter 24.000 Nutzerinnen des Portals "PornHub"zeigte: 

  • 63 Prozent der befragten Frauen schauen mehrmals die Woche Pornos
  • 18 Prozent sogar täglich 
  • 9 Prozent mehrmals am Tag
  • 54 Prozent der Befragten reden nicht mit ihren Freundinnen und Freunden über ihren Pornokonsum 
  • 51 Prozent wäre es sogar peinlich, wenn andere davon wüssten

(Wichtig: Diese Zahlen sind nicht auf alle Frauen übertragbar, da die Umfrage ja nur bei denen durchgeführt wurde, die eh Pornos konsumieren. 76 Prozent der befragten Frauen waren unter 34 Jahren alt.) 

Und das sich am Markt etwas ändert, wird Zeit.

In Pornos passieren teilweise sehr verrückte Dinge. Man muss andere nicht für ihre Vorlieben verurteilen. Der regelmäßige Konsum von extremen Filmen programmiert allerdings das Gehirn um. Vor allem die Wünsche und Erwartungen, die Männer an ihre Partnerinnen stellen, verändern sich seit einigen Jahren rasant. Denn Pornos werden oft immer extremer, während unser Sex einfach Sex bleibt.

Frauen berichten immer öfter von Männern, die schlicht nicht mehr in der Lage sind, gemeinsam und aufeinander einlassend Sex zu haben, sondern stattdessen einen Film "nachspielen" wollen. Die die Frau als Masturbationswerkzeug nutzen. Männer und Frauen bumsen 2018 aneinander vorbei. (Thought Catalog)

Die Anti-Porno-Kampagne "Fight the new Drug" wirbt unter anderem mit dem Slogan:

Lass dir keine Sextipps von einer Industrie geben, die an vorgetäuschten Orgasmen verdient.

Das passt, denn ironischerweise bewirken die Hardcore-Pornos nicht, dass die Männer heute "härter" Sex haben oder sich im Bett wie Tiere aufführen, sondern das Gegenteil: Immer mehr Männer können gar keinen Sex mehr haben, weil die Realität und die Partnerin nicht wie die Filme funktionieren. (Your Brain on Porn)

Aus der Hilflosigkeit wird oft Wut, Frauen werden als "prüde" oder "hässlich" abgestempelt, wenn sie nicht dem Porno-Ideal entsprechen.

Let's talk about Sex

Der wichtigste Faktor für ein befriedigendes und faires Sexualleben ist auch heute noch die Kommunikation. Eine aufgeklärte und ehrliche Beziehung, egal welcher Art, ist eine großartige Sache. Dafür müssen alle Beteiligten sich trauen, Fantasien auszusprechen oder Tabus zu thematisieren. Wer selbst mal auf PornHub, Xhamster und Co. war und sich die extremen Sexpraktiken in vom US-Markt dominierten Pornos angeschaut hat, versteht, auf was für Ideen die dreimal häufiger Porno-guckenden Männer überhaupt kommen.

Im Idealfall können gute Pornos oder der zweitweise Verzicht auf die schlechten Filme das Hirn sogar wieder zurück programmieren, vermuten Forscher. Wenn du das ausprobieren willst, mach doch beim nächsten Sex mit einem Hardcore-Süchtigen einfach einen guten Porno an.

Wenn du nach gründlicher Recherche endlich einen gefunden hast. Viel Spaß dabei!

Zusammengefasst – gute Gründe zum Porno-Gucken:

  1. Sprache: Um dem Partner erklären zu können, warum "ATM" für dich keine schöne Idee ist, musst du erst einmal wissen, was das ist.
  2. Mehr gute Filme: Wer auf eben jenen Portalen die "guten" Pornos schaut, verändert langfristig das Angebot.
  3. Fun: Und ganz abgesehen von allen politischen und gesellschaftlichen Punkten macht es auch einfach verdammt viel Spaß.

Pornos verändern unser Zusammenleben.

Wenn Männer allein durch ihre Gewohnheiten den Pornomarkt dominieren, werden immer mehr frauenverachtende Filme gedreht. Das sorgt für einen Wandel bei den Ansprüchen im Bett. Frauen können durch eigenen Konsum gegensteuern und so den Porno-Markt und ihr Liebesleben verbessern.


Today

Frau klettert auf Freiheitsstatue, demonstriert gegen Trumps Asylpolitik

05.07.2018, 08:25 · Aktualisiert: 05.07.2018, 11:16

2 Fragen, 2 Antworten

In New York ist eine Frau auf die Freiheitsstatue geklettert, um gegen die Einwanderungspolitik von Donald Trump zu protestieren. Erst nach zwei Stunden gab sie auf. Wegen des Anti-Trump-Protestes musste Liberty Island evakuiert werden, auf dem die Freiheitsstatue steht.