23.11.2016, 18:06 · Aktualisiert: 24.11.2016, 14:40

Eine Studie zeigt es

Instagram zeigt meist dasselbe: Partyselfies im Club, Lunch in der Kantine, Outfit-Schaulauf am Strand. Und: Sport, Sport, Sport. Besonders Frauen zeigen auf ihren Profilen immer wieder ihre Ouftits, posen mit verschwitzten Körpern oder präsentieren das Rezept eines selbst kreierten Fitmacher-Drinks.

Manche nehmen ihre Follower mit auf den persönlichen Abnehmweg – manche haben sich mit ihren Profilen sogar ganz und gar auf das Thema Sport spezialisiert, zeigen Hunderte Fotos aus dem Fitnessstudio.

Das Leben sieht wunderbar leicht aus auf diesen Accounts.

Doch wie wirkt sich dieser vermeintlich perfekte Lifestyle auf die Leute aus, die ihn sich jeden Tag ansehen? Was machen Fitness-Accounts mit ihren Followern?

Was mit dem eigenen Körperbild?

Um das herauszufinden befragten die beiden Medienwissenschaftlerinnen Carolin Krämer und Katrin Döveling von der Uni Leipzig online insgesamt 901 zufällig ausgewählte Instagram-Nutzer zwischen 15 bis 35 Jahren. Fast alle, die mitmachten – nämlich 95 Prozent – sind weiblich.

Fitness-Accounts auf Instagram – so sehen sie aus:

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Die Leute, die bei der Studie mitmachten, folgen alle jeweils einem Fitness-Account, deren Besitzerin einen Aufruf zur Teilnahme an der Studie postete – mit dabei waren dinkelflocke, _marielina und christingarcia.

Drei Accounts mit je mehr als 50.000 Followern, drei Frauen um die 20, die auf Instagram von gesundem Essen und ganz viel Sport berichten:

  • Auf Dinkelflockes Account sind grüne Smoothies zu sehen, ihre Muskeln im Fitnessstudio oder auch mal ihre Katze.
  • _marielina ist Vegetarierin, stellt auf ihrem Kanal auch kaufbare Produkte vor oder inszeniert sich selbst in Startposition auf der Rennbahn.
  • christingarcia ist Fitnesstrainerin und zeigt auf ihrem Profil viele Vorher-Nachher-Bilder. Sie nahm innerhalb von zwei Jahren 30 Kilogramm ab.

In der Online-Befragung sollten die Nutzer ihren Instagram-Konsum und ihr Verhältnis zum eigenen Körper einschätzen.

Und das kam dabei heraus:

1. Viele nutzen viel Insta und damit auch viele Fitness-Inhalte.

Zwischen 1- und 150-mal: In der Umfrage sollten die Befragten angeben, wie oft sie durch ihren Newsfeed scrollen. Ergebnis: im Schnitt 13-mal am Tag.

2. Gut Trainierte sind für viele Vorbilder.

Knapp 60 Prozent der Befragten gaben an, ihre eigenen mit den Ernährungsgewohnheiten derjenigen zu vergleichen, denen sie folgen – sofern diese dasselbe Geschlecht haben. 57 Prozent vergleichen ihre sportlichen Gewohnheiten, 48 Prozent vergleichen ihr Aussehen – und 46 Prozent vergleichen ihr Gewicht.

3. Viele spüren Druck.

67 Prozent der Befragten gaben an, sich wegen der Instagram-Sportlerinnen unter Druck gesetzt zu fühlen, besser in Form sein zu müssen. Knapp die Hälfte hat das Gefühl, durch ihre Nutzung der App den eigenen Körperfettanteil reduzieren zu müssen. 43 Prozent glauben, dass sie dünner aussehen müssen.

Ein Drittel der Teilnehmer machte zum Zeitpunkt der Befragung außerdem eine Diät. 72 Prozent von ihnen haben ein Gewicht, das laut Body Mass Index im Normalbereich liegt, 7 Prozent Untergewicht. Von allen Teilnehmenden hatten etwa 20 Prozent Übergewicht.


Und du? Welcher Selfie-Typ bist du?


4. Wer sowieso unzufrieden mit sich ist, dem hilft Instagram eher nicht.

Die befragten Nutzer, die von sich sagen, ein schwaches Selbstwertgefühl zu haben und Instagram gleichzeitig intensiv nutzen, haben das Gefühl, durch ihren Instagram-Konsum ein noch negativeres Körperbild zu haben. Diejenigen, die ohnehin schon ein starkes Selbstwertgefühl haben, glauben nicht, dass Instagram es schaffen könnte, das zu ändern.

Und – Überraschung – Studienteilnehmende, die eine Diät machen, sind außerdem mit ihrem Körper weniger zufrieden als diejenigen, die keine Diät machen.

5. Es kann tatsächlich schaden, Fitness-Accounts auf Instagram zu folgen.

"Wie unsere Ergebnisse zeigen, ist es sehr wichtig, wie man sich selbst schon vor der Instagram-Nutzung fühlt", sagt Forscherin Katrin Döveling. "Wenn man sich dann auf Instagram mit anderen vergleicht, hat das einen negativen Effekt. Das ist bei vielen leider der Fall."

Sie plädiere dafür, die Eigenwahrnehmung Jugendlicher zu stärken. Das heißt: Öfter mal vorm Spiegel stehen, sich selbst betrachten und sich ganz unabhängig von Apps und Profilen schön finden – tut gut!


Die Forschungsarbeit der beiden Wissenschaftlerinnen soll im kommenden Jahr veröffentlicht werden.


Gerechtigkeit

Warum gibt es so wenige Volksentscheide in Deutschland?

23.11.2016, 17:31 · Aktualisiert: 03.01.2017, 15:50

Viele fühlen sich in Deutschland um die Demokratie betrogen. Vor allem die AfD sagt: Der Bürger darf nicht mehr mitentscheiden, gewählte Politiker würden über die Köpfe der Mehrheit hinweg Gesetze bestimmen.

Nicht nur Rechtspopulisten sehen die Lösung in Volksentscheiden – also Wahlen, bei denen die Bürger direkt über wichtige Gesetze abstimmen sollen.

Doch ist es so einfach? Welche Modelle es gibt und wie direkte Demokratie besser umgesetzt werden kann, verraten wir euch hier: