Fühlen

Viele Queere grenzen feminine Personen aus. Damit muss Schluss sein!

16.07.2017, 12:30 · Aktualisiert: 04.08.2017, 17:04

"Du weißt aber schon, was für eine Party das hier ist, oder?"

Diesen Satz haben schon viele queere Menschen gehört, die ein queeres Event besuchen wollten. Queere, das sind Menschen, die nicht heterosexuell sind – oder sich keinem Geschlecht zuordnen möchten.

Eigentlich ist es wichtig, schon am Eingang eines Clubs zu checken, ob die Leute wissen, unter welchem Motto eine Veranstaltung stattfindet. So sollen Partys für Queere ein Schutzraum für die sein, die in der Gesellschaft manchmal ausgegrenzt werden.

Doch gerade bei diesen Partys kann es passieren, dass manche Personen, die hier willkommen sein sollten, das Gefühl haben, nicht dazuzugehören. Der Grund: Sie sehen angeblich zu feminin aus.

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Viele davon sind Femmes. Damit sind queere Menschen gemeint, die sich eben sehr feminin präsentieren. Das können zum Beispiel Lesben, aber auch schwule Männer sein.

Einer Freundin von mir wurde einmal an der Tür eines Clubs gesagt, dass sie hier nichts verloren habe. Und wirklich jede Femme, die ich kenne, hat schon Ähnliches erlebt.

In der queeren Szene gibt es starke Vorurteile gegenüber femininen Personen. Sie gelten oft als unpolitisch.

Als Femme habe ich mich oft unwohl gefühlt

Femme-Sein gilt als uncool, Maskulinität als cool, das erlebe ich immer wieder. In Berlin, dort, wo ich lebe, präsentiert sich die Mehrheit der Queeren androgyn oder maskulin.

Ich selbst bin auch Femme und habe mich deswegen oft unwohl gefühlt. Das Nicht-Beachten, die skeptischen Blicke, als wäre ich kein vollwertiger Teil der Community, haben mir anfangs gerade auf Partys sehr zugesetzt.

Es war, als hätte ich erst beweisen müssen, dass die queere Szene auch meine ist.

Ein paar Monate hat es gedauert, bis ich für mich beschlossen habe: Ich werde versuchen, die Ausgrenzung zu ignorieren. Ich lasse mir den Abend nicht verderben, versuche, einfach Spaß zu haben.

Anderen fällt das nicht so leicht. Rosa, auch eine queere Femme aus Berlin, hat schon länger keine Lust mehr, abends auszugehen. Sie hat einen mittellangen Bob, trägt figurbetonte Kleidung und schminkt sich auch manchmal.

Autorin Julia: "Ich fühle mich oft unwohl"

Autorin Julia: "Ich fühle mich oft unwohl"

"Ich werde oft nicht ernstgenommen", sagt sie. "Es verletzt mich, von einer Szene abgewertet zu werden, in die ich per Definition gehöre. Ich fühle mich in dieser Szene nicht mehr wohl. Und es macht mich traurig, dass Männlichkeit auch dort immer noch als stark und überlegen verstanden wird."

Jes, ebenfalls queere Femme aus Berlin, hat ähnliche Erfahrungen gemacht: "Ich werde oft von Leuten verurteilt, die finden, dass ich als Femme unmodern bin, weil ich Schmuck trage oder mich schminke. Das verbinden die Leute mit Patriarchat und Konsumzwang", sagt sie.

Ich werde verurteilt, weil ich Schmuck trage
Jes

"Ich muss mich total selbstbewusst fühlen, wenn ich mich feminin stylen und ausgehen will."

Femmes wird hinter dem Rücken oft vorgeworfen, rückständige Rollenbilder und Klischees zu leben, da sie sich angeblich an Schönheitsnormen orientieren, die auch unter Heterosexuellen als weiblich und attraktiv betrachtet werden.

Femmephobie

  • Der Begriff stammt aus den USA
  • Im deutschsprachigen Raum wird er auch als Feminitätsfeindlichkeit verstanden.
  • Im Gegensatz zu Misogynie, also Frauenfeindlichkeit, bezieht sich Femmephobie nicht auf eine angeborene Weiblichkeit, sondern auf die Darstellung von Feminität. 

Feminines wie Make-up, High Heels und alles, was gemeinhin als weiblich verstanden wird – von der Gestik bis zum Hobby – gelten als "verdächtig".

Während maskuline Darstellungen als rebellischer Akt verstanden werden, wird Femmes vorgeworfen, sie seien angepasst.

Warum versteifen sich so viele auf einen ganz bestimmten Style?

Dennoch gibt es kaum jemanden, der sich offen gegen Feminität unter Queers ausspricht. Es sind die Blicke, die eine Femme diskriminieren, es sind die Diskussionen, die sie führen muss.

Es ist das Gefühl, nicht willkommen zu sein.

Sich als Teil einer Community zu fühlen, das soll eigentlich stärken und Sicherheit vermitteln. Ich finde es traurig und widersprüchlich, dass gerade Menschen, die selbst erfahren haben, was Ausgrenzung bedeutet, andere diskriminieren.

Autorin Julia: "Femmephobie nervt!"

Autorin Julia: "Femmephobie nervt!"

Man kann Menschen nicht ansehen, ob sie queer sind oder nicht.

Warum versteifen sich so viele auf einen ganz bestimmten Style?

In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr aktivistische Gruppen gegründet, die sich bewusst gegen Femmephobie einsetzen.

Besonders in Berlin und in amerikanischen Großstädten finden Treffen für Femmes statt, bei denen sich die Mitglieder austauschen und vernetzen können, zum Beispiel der "Femme-Tisch" in Berlin.

Auch online gibt es Gruppen für Femmes, wie die "Queer Femme Makeup Enthusiasts" auf Facebook, die Fotoserie "The Femme Project"oder das Blog "Femme Space", auf dem Femmes gefeiert werden.

Es ist gut, dass es diese Räume für Femmes gibt.

Doch noch besser wäre es, wenn Femmes sich gar nicht erst in eigene Gruppen zurückziehen müssten. Feminität muss zur queeren Kultur gehören. Und ich freue mich auf den Moment, in dem wir alle gemeinsam feiern können.


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