22.05.2018, 12:32 · Aktualisiert: 22.05.2018, 12:38

Es war eines der Ziele des Elterngeldes: Dass Väter eine Auszeit vom Job nehmen, um ihre Kinder zu betreuen, damit Mütter besser und schneller zurück in ihre Jobs finden.

Das hat einerseits funktioniert. Nahmen 2005 nur knapp drei Prozent der Väter in Deutschland Erziehungsgeld in Anspruch, beantragte 2015 schon jeder dritte Vater Elterngeld (Zeit Online).

Das können zwischen 300 und 1800 Euro sein, je nach Nettoeinkommen vor der Geburt. Jedes Paar mit Neugeborenem hat zwölf Monate Anspruch darauf – oder 14, wenn auch der andere Elternteil mindestens zwei Monate zuhause bleibt.

Häufig aber bleibt es beim Minimum. Im Schnitt nehmen Väter drei bis vier Monate Elternzeit. Und: Zwei Drittel nehmen gar keine Auszeit, höchstens Urlaub.

Was macht das mit einem Vater, was mit einer Mutter, wenn nicht nur sie zuhause bleibt? Wie wirkt sich das auf die Beziehung aus? Hier antworten zwei Mütter – und zwei Väter.

Julius, 29, nimmt sechs Monate Elternzeit – und ist gerade mittendrin


(Bild: privat)

Als ich gearbeitet habe und meine Freundin in Elternzeit war, dachte ich manchmal beim Nachhause-Kommen: "Ihr habt bestimmt den ganzen Tag gechillt." Ich hielt die Elternzeit für eine Art Urlaub: Du schnallst dir das Kind um – und kannst in Ruhe ein Regal bauen oder die Festplatte formatieren.

Seit März bin ich nun selbst in Elternzeit und habe schnell begriffen: Das Kind betreut sich nicht von allein. Wenn ich einmal kurz Zeit habe, weil mein neun Monate alter Sohn schläft, muss ich aufräumen oder ihm etwas zu Essen machen.

Meine Freundin steigt gerade wieder in den Beruf ein, sie arbeitet im Kulturmanagement und ist von 9 bis 15 Uhr im Büro. Zweimal am Tag besuche ich sie mit dem Kleinen, damit sie ihn stillen kann.

Todmüde bin ich selten – auch, weil wir uns aufgeteilt haben: Meine Freundin stillt ihn nachts, dafür wasche und wickle ich ihn morgens, ziehe ihn an, spiele und singe mit ihm, passe auf, dass er nicht die Regale ausräumt oder sich in Schubladen die Finger einklemmt. Laufen kann er zwar noch nicht, aber krabbeln. An mein neues Leben musste ich mich erst gewöhnen.

Als ich beim Babyschwimmen zum ersten Mal gesungen habe, war mir das vor all den Muttis peinlich
Julius

Ich bin in dem Kurs der einzige Vater. Inzwischen ist mir aber egal, wie ich auf die anderen wirke. Auch wenn Leute mir ungebetene Ratschläge wie "Zieht dem Kind doch lieber Stoffwindeln an" geben, verunsichert mich das nicht mehr.

Meine Freundin und ich sind ein gutes Team. Aber es kommt schon häufiger als früher vor, dass wir uns über Kleinigkeiten streiten. Zum Beispiel darüber, dass einer von uns gesagt hat, er brauche nur eine Stunde für die Steuererklärung – und nach zwei Stunden noch immer nicht wieder da ist, um den anderen abzulösen oder zu unterstützen.

Für Sex bleibt auch weniger Zeit: Wir müssen uns beeilen und werden öfter unterbrochen – aber das gilt gerade für alles, was wir tun. Wir können zwar momentan nicht zusammen ins Theater oder auf Partys gehen und lange feiern ist auch nicht drin. Das alles nehme ich aber gern in Kauf. Bei den ersten Krabbelversuchen meines Sohnes dabei zu sein, gibt mir mehr als ein Abend in der Kneipe.

Sandra, 31, nahm ein Jahr Elternzeit

Mein Freund und ich haben uns die Elternzeit aufgeteilt: Den ersten Monat waren wir gemeinsam zuhause, er nahm dann die letzten vier Monate alleine.

Ich war nicht das ganze Jahr über glücklich damit, einfach zu Hause zu sein – damit Mutter zu sein, hingegen schon. Ganz ehrlich: Ich habe mich oft schrecklich gelangweilt und war zur gleichen Zeit so ausgelaugt wie nie. Babys sind fordernde kleine Wesen!

Du musst sie stillen, wickeln, trösten, aufpassen. In der Elternzeit hatte ich dabei oft Angst, mich darüber selbst zu verlieren.

Auf Instagram sieht das immer leicht aus: Schöne Mütter kümmern sich nicht nur liebevoll um ihr Kind, sondern treiben nebenher noch Sport oder gründen Unternehmen.

Ich war schon vom Muttersein angestrengt. Ich war verzaubert von diesem Wesen, das auf unserem Sofa lag. Gleichzeitig heulte ich in den ersten Wochen nach der Geburt viel – darüber, dass ich nur noch Mutter bin und sonst nichts.

Vor der Schwangerschaft sind mein Freund und ich gerne von Bar zu Bar getingelt, sprachen über Bücher, kannten das Kino-Programm, hatten Sex. Unsere Elternzeit-Themen: Stillen, Windelinhalte und die Temperatur des Säuglings – langweilig fanden wir das aber ehrlich gesagt nie.

Unsere Beziehung fühlte sich sogar intensiver an als vorher.

Wir hatten auch Glück am Anfang. Die Kleine schlief sowieso, egal, wo wir waren. Deshalb trauten wir uns auch ziemlich früh, abends essen zu gehen oder zu verreisen.

Nach etwa zwei Monaten hatten mein Freund und ich wieder Sex. Es fühlte sich an wie das erste Mal überhaupt. Behutsam küssten wir uns, zogen uns aus. Eroberten uns langsam, vorsichtig, herantastend. Es fühlte sich komisch an, tat etwas weh.

Ich fragte mich: Wo ist die Frau, die gerne oben saß und wild küsste?
Sandra

In diesem Bett lag nun eine Frau, aus deren Brüsten Milch auf den Oberkörper ihres Freundes tropfte, mit einem Bauch voller lilafarbener Schwangerschaftsstreifen. Wie kann man Begehrte bleiben, wenn man plötzlich Behüterin ist?

Als mein Freund wieder arbeiten ging, begann ein Ungleichgewicht.

Mein Gefühl: Er konnte sein Leben weiterleben, kam im Job voran, konnte Wein trinken und ging zum Sport
Sandra

Und ich? Ich hatte Angst, dass ich nach einem Jahr Elternzeit ausgetauscht werde, für den Arbeitsmarkt nicht mehr interessant wäre. Denn mein Vertrag war befristet. Ich machte meinem Freund Vorwürfe, war neidisch.

Gleichzeitig wollte ich es nicht anders, war nicht bereit, mein Kind loszulassen.

Auch wenn das bedeutete, in einer Baby-Blase zu leben. Mit anderen Müttern im Takt zu klatschen und sich dabei lächerlich zu fühlen. Nach einiger Zeit konnte ich mich (manchmal) darauf einlassen und lernte Freundinnen kennen, die auch Mütter sind. Die Tage plätscherten dahin, mit Café- und Spazier-Marathons. Aber nach etwa acht Monaten hatte ich darauf einfach keine Lust mehr.

Theresa, 31, und Christoph, 33, nahmen beide je sieben Monate Elternzeit

(Bild: privat)

Christoph:

Ein weit verbreitetes Modell ist ja: Die Frau nimmt zwölf Monate Elternzeit, der Mann zwei und in denen fahren sie in den Urlaub. Das wollten wir nicht. Wir wollten, dass jeder auch Zeit mit Johann alleine erlebt, den Alltag mit ihm kennenlernt und nicht nur Ferien.

Ich merkte schnell, dass dieser Alltag anders funktioniert als der auf der Arbeit. Du kannst nichts planen. Wenn Johann nicht schläft oder quengelt, bleibt alles andere liegen.

In den ersten sieben Monaten, nachdem ich abends nach Hause kam, wunderte ich mich oft: Warum ist zuhause alles durcheinander, warum hat Theresa nichts gemacht? Sie war doch den ganzen Tag zuhause. Als ich dann selbst aufräumen, Wäsche waschen, mich um Johann kümmern und Essen vorbereiten musste, merkte ich, wie anstrengend das ist – und wie sehr es vom Kind abhängt, ob man alles hinbekommt.

Dafür habe ich kleine Entwicklungsschritte intensiver erlebt: als Johann zum ersten Mal Suppe aß, sich auf dem Boden nach vorn robbte oder in der Spielgruppe an etwas hochkletterte. Das fand ich toll und spannend. Hätte ich gearbeitet, hätte ich das verpasst.

Ich kann verstehen, wenn man sich Gedanken um den Job macht. Aber wir arbeiten noch lang genug, es geht nur um ein paar Monate. In 30 Jahren würde ich mich ärgern, wenn ich mir und Johann diese Zeit nicht gegeben hätte.

Und ich glaube, dass auch Theresas und meine Beziehung dadurch noch gleichberechtigter geworden ist. Als Mutter fällt es am Anfang schwerer, Kontrolle abzugeben. Durch die Elternzeit haben wir beide die gleiche Verantwortung für Johann getragen, sodass sie mir auch mehr zutraut.

Theresa:

Meine Elternzeit fand ich nicht so unheimlich schön. Auf der Straße haben Leute oft gesagt: "Genießen Sie das, so eine schöne Zeit!" Und ich dachte: Was soll daran schön sein? Johann hat grundsätzlich nicht geschlafen und wenn, dann nur in meinem Arm. Es gab Tage, da musste ich ihn permanent herumtragen, damit er nicht durchdrehte. Mein Rhythmus kam völlig durcheinander.

Wenn er dann doch mal geschlafen hat, konnte ich mich oft trotzdem nicht überwinden, in den Keller zu gehen und Wäsche zu waschen – aus Sorge oder Angst, ihn selbst für den kurzen Moment allein zu lassen

Nach drei Monaten wurde die Situation entspannter. Aber da war die Hälfte der Elternzeit schon rum. Müsste ich heute noch mal entscheiden, würde ich mir wünschen, dass jeder von uns ein ganzes Jahr mit dem Kind zuhause bleiben kann.

Andererseits: Je länger ich zuhause geblieben wäre, desto schwerer wäre es mir gefallen, die Kontrolle abzugeben
Theresa

Als Christoph dann übernahm, habe ich mich ziemlich gewundert, wie gut er das meistert. Vorher habe ich noch gesagt: "Warte mal ab, bis du zuhause bleibst." Ich habe dann vermutet, dass er sich nicht so viel mit Johann beschäftigt, was unfair war. Vielleicht wollte ich einfach nicht wahrhaben, dass er alles besser organisiert.

Ich habe durch die Zeit gelernt, wie froh ich bin, dass Christoph da ist, wir die Verantwortung gleichmäßig aufteilen können. Mit seiner Unterstützung ist einfach alles leichter. Und ich wurde durch ihn mutiger, dachte öfter: Das Kind wird nicht sterben, wenn es zwei Minuten weint.

Ich habe auch gelernt, dass sich die Beziehung dadurch zwar verändert – wir sind jetzt nicht mehr nur Paar, sondern vor allem Familie. Sicher leidet die Zweisamkeit unter dem Kind, aber das ist nicht schlimm. Wir sind uns jetzt auch auf eine andere Art und Weise nah.


Haha

Vergiss die königliche Hochzeit: Diese Tweets küren Prinz George zum niedlichsten Meme von allen

22.05.2018, 12:14 · Aktualisiert: 22.05.2018, 12:25

"Mein Vater wird davon hören, Potter!"

Klar, an diesem Wochenende schauten alle auf das royale Brautpaar Prinz Harry und Meghan Markle. (bento) Aber nicht nur auf die beiden. Einer der niedlichsten Gäste: Harrys vierjähriger Neffe Prinz George, der Sohn von Prinz William und Herzogin Kate. 

Ein bestimmtes Foto finden Twitter-Nutzerinnen und Nutzer besonders witzig: Es zeigt Prinz George, wie er in seinem schwarzen Anzug die Treppen von St. George's Chapel an Schloss Windsor hinuntergeht. So weit, so unspektakulär.