Fühlen

Leute, die bei eBay-Kleinanzeigen einkaufen: Was erlaubt ihr euch?

22.05.2017, 15:36 · Aktualisiert: 08.06.2017, 11:57

Die Idee ist so gut: Dinge, die nicht mehr gebraucht werden, nicht einfach wegwerfen – sondern weiter verkaufen oder sogar verschenken. Seit ich 16 bin, also seit zehn Jahren, verkaufe ich auf eBay-Kleinanzeigen.

Früher lief das so: Interessenten schrieben mich an, höflicher Chat, faire Verhandlungen, dann kam einer vorbei, nettes Gespräch, Geld. 

Kann mal jemand antworten?

Kann mal jemand antworten? (Bild: Imago)

Heute ist es immer mehr Leuten offensichtlich völlig egal, wie eine Transaktion abläuft. Die meisten geben keine Telefonnummer an, sondern nur einen Benutzernamen. Und unter diesem Namen handeln viele wie eine Person, der sie wahrscheinlich selbst nicht begegnen möchten.

1. Viele melden sich einfach nicht mehr.

Dabei geht es oft vielversprechend los. Viele Interessenten schreiben: "Hallo, kann ich heute Abend vorbeikommen?"

Ich spüre dann Vorfreude in mir aufkommen: "Ui, das geht schnell. Ich verkaufe!"

Neulich war das so, bei einem Sessel. Als die Anfrage kam, ob er in wenigen Stunden abgeholt werden könne, sprang ich auf, reinigte die Polster noch einmal gründlich und wischte über die alten Holzlehnen.

Er sollte perfekt sein für den neuen Besitzer.


Wie schaff ich Ordnung? Fünf Tipps von Aufräum-Expertin Denise Coulcouhn:

1/12

Doch der kam nie. Meine Antwort ("Klar, wie wäre es um 20 Uhr?") blieb ohne jede weitere Reaktion stehen, und die Interessierte verschwand, als habe sie nie existiert.

Gleich darauf meldete sich ein Neuer: "Hallo, ist der schöne Sessel noch da?" 

"Ja", schrieb ich. "Wundervoll", schrieb er. "Und, willst du ihn dir mal ansehen?", fragte ich.

Von "FreudigerBerliner28" las ich nie wieder.

Dir geht es wie Nike?

Du hast ähnliche Geschichten erlebt? Erzähl uns von deinen grausamsten Geschichten bei eBay-Kleinanzeigen!

Schick uns einfach eine Mail an fuehlen@bento.de.

2. Sie handeln nicht – sie drücken den Preis bis aufs Niedrigste.

Der Badezimmerspiegel war gerade gekauft, da stellte ich zu Hause fest, dass er viel zu groß war. Ich hatte falsch ausgemessen – und den Kassenbon längst vernichtet. Umtausch nicht möglich.

Das originalverpackte Teil bot ich an, für 10 Euro weniger als noch vor 20 Minuten im Baumarkt. 15 Euro sollte der Spiegel kosten. 

Ich nehme es, aber nur für geschenkt!
Interessent auf eBay

Drei Menschen schrieben mich an.

  • Interessent 1 fragte: "Sorry, aber würdest du den Spiegel auch für 4 Euro verkaufen?"
  • Interessent 2 schrieb kurz darauf: "Wären 2,50 Euro okay?" 
  • Der dritte Interessent wollte wissen, ob ich mich noch einmal melden könne, falls sich kein Käufer finde – er würde den Spiegel nehmen, "aber nur für geschenkt".

Ich schluckte. Ihnen allen schrieb ich dasselbe: "Überleg doch mal, was du jetzt antworten würdest, wenn das dein Spiegel wäre."

3. Sie rufen nach Mitternacht an.

Eine Telefonnummer ins Inserat zu schreiben, unter der sich Interessenten melden können, bedeutet: Es klingelt, jederzeit.

Ich dachte, eigentlich wissen Leute, wann sie anrufen können (tagsüber) – und wann nicht (nachts). Doch: Kaum jemand nutzte meine Nummer, um sich zu humanen Zeiten bei mir zu melden.

Zwei Leute riefen nach 24 Uhr an.

Ist was passiert?! Nein, da will nur einer den Wandschrank.

Als das Handy klingelte, saß ich mit pochendem Herzen aufrecht im Bett: Ist was passiert?! 

Nein, da interessierte sich nur jemand für den Wandschrank. 

Das Gespräch begann dann so: "Es tut mir Leid, dass ich jetzt noch anrufe, aber ich war den ganzen Tag arbeiten..." 

"ICH WAR AUCH DEN GANZEN TAG ARBEITEN", brüllte es in mir, "ABER JETZT GERADE SCHLAFE ICH!"

Klar, ein Handy kann man nachts auch lautlos ausstellen. Aber vielleicht würde ich wirklich wichtige Anrufe dann nicht mehr mitbekommen. 

Nie wieder gebe ich meine Nummer preis. Das ist schade um das schnelle, persönliche Gespräch, in dem sich viele Rückfragen direkt klären lassen und den Verkauf reibungsloser machen würde. Aber es ist auch schade um meine Nacht!

4. Sie erscheinen einfach nicht.

Ich hatte mir extra den Abend freigehalten und das Wohnzimmer noch ein wenig aufgeräumt, um einen Flaschenhalter aus Birkenholz zu übergeben. 
Doch der Mensch, der ihn abholen wollte, muss das Interesse verloren haben. Das interpretierte ich zumindest, denn niemand kam.

Dabei war der vorherige Chat komplikationsfrei: Wir schrieben zehn Minuten, die Frau war sympathisch und erzählte, sie habe eine Vorliebe für Weißwein, die Flaschen würde sie dann hübsch einsortieren in den Halter. 

War sie auf dem Weg zu mir verunglückt? War sie gestorben? Hatte sie kein Internet mehr, weil ein Mörder ihr Routerkabel gekappt hatte? Mein Abend war dahin.

5. Sie erscheinen, wollen aber nicht bezahlen.

Ständig haken Leute in meinem Wohnungsflur noch einmal nach: "Es bleibt aber bei den 15 Euro?"

Die Gründe fürs Nachverhandeln: "Die Anreise war aufwändig", "Ich habe niemanden, der mir zu Hause beim Ausladen hilft, das wird stressig", "Oh, der Rahmen ist ja viel kleiner als ich dachte.".

Nein: Ein per Chat verhandelter Preis bleibt, wie er ist. Es sei denn, der Artikel hat in der Zwischenzeit Kratzer bekommen. 

Es könnte alles so einfach sein: Wenn wir bei eBay reden und handeln, wie wir es auch in einem Geschäft oder auf dem Flohmarkt tun würden. Dort würde ja auch niemand nach Geschenken fragen – oder ein Gespräch wortlos abbrechen. 


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