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Drogenkonsum im Job: schneller, länger, kreativer

29.12.2015, 10:02 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:24

Drei junge Menschen erzählen, warum sie bei der Arbeit Drogen genommen haben.

Wer an Drogen denkt, denkt oft zuerst an Partys, an Rausch, vielleicht auch an Spaß – daran, den Alltag zu vergessen. Drogen im Beruf, das klingt dagegen irgendwie unpassend. Dabei konsumieren manche Menschen während der Arbeitszeit Crystal Meth oder Kokain – weil sie mit den Aufputschmitteln im Blut schneller arbeiten, länger durchhalten oder kreativer sind oder sich das zumindest einbilden.

Bei bento erzählen drei junge Menschen, warum sie während der Arbeitszeit Drogen nehmen – und wie schwer es ist, wieder davon wegzukommen.

Alle Illustrationen von Fides Velten.


Das sagt der Experte

Was die drei jungen Erwachsenen beschreiben, ist typisch: Viele Betroffene beginnen in ihrer Freizeit mit dem Drogenkonsum und machen irgendwann während der Arbeit einfach weiter. "Sie haben erlebt, dass sie mit der Droge lange wach und gesprächig sein können", sagt Sascha Milin, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Universitätsklinikum. "Da liegt natürlich die Idee nahe, das auch im Beruf auszuprobieren."

Wie viele Menschen betroffen sind, ist schwer zu sagen. Einen Anhaltspunkt gibt eine nicht-repräsentative Studie (PDF), die Milin 2014 zusammen mit anderen Wissenschaftlern des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) veröffentlicht hat. Sie untersuchten den Konsum von Amphetamin (Speed) und Methamphetamin (besser bekannt als Crystal Meth) und fragten unter anderem, wann und warum Menschen diese Drogen konsumieren.

Das Ergebnis: Partys, Ausgehen und Freizeit stehen zwar ganz oben. Fast die Hälfte der befragten Methamphetamin-Konsumenten gab aber an, die Droge auch während der Arbeitszeit zu nehmen. Bei den Amphetamin-Konsumenten waren es immerhin 13,7 Prozent. Im Kontext von Schule und Ausbildung konsumieren 26,2 beziehungsweise 9,8 Prozent der Befragten.

Dass die Drogen wirklich leistungsfähiger machen, bezweifelt Milin: "Es handelt sich nicht – wie sich die Konsumierenden das gerne einbilden – um eine echte Leistungssteigerung. Vielmehr geht es um Teilaspekte von Leistung: Man hält länger durch, bekommt eine Anschubmotivation."

Und: Wer im Job Drogen nimmt, setzt sich einer besonderen Gefahr aus, denn in der Regel ist dieser Konsum regelmäßiger als der im Freizeitbereich. "Ab dem Moment, in dem man die Droge im Berufsleben einsetzt, wird man kaum noch darauf verzichten wollen", sagt Milin. "Dann ist man schnell abhängig, auch wenn man sich das selbst nicht eingesteht.“

Sascha Milin entwickelt gerade ein virtuelles Selbsthilfe-Angebot für Betroffene, das "Breaking Meth"-Portal.