Fühlen

Wie ich mit zwei Männern einen Schritt zu weit ging

02.06.2017, 16:45 · Aktualisiert: 05.06.2017, 13:29

Nachdem Technik mein Love-Game auf ein völlig neues Level gehoben hat und ich Punkte in der Welt der Online-Pornos, der digitalen Sextoys und der Handyliebe gesammelt habe, war mein Highscore erreicht.

Ich war bis obenhin abgefüllt mit aufregenden Erfahrungen in Plattenbauten und Schwimmbädern, hatte zwei wundervolle Liebhaber, einen Haussklaven – und derart überreizte Nerven, dass ich total unruhig wurde. Ich bekam Ameisen unter der Haut, also eine unangenehm kribbelige Erregung von Körper und Geist.

Kurz: Mir ging es gleichzeitig fantastisch und zum Kotzen, denn die monogame Romantikerin in mir rang heftig mit der unverbindlichen Internet-Geliebten.

Da war zum Beispiel die Eifersucht auf die anderen Dates meiner Lover. Anton, den ich bei Tinder kennengelernt und mit dem ich ein paar wunderbare Tage in Dresden verbracht hatte, erzählte mir am Telefon unangenehm detailreich von den Frauen, die er neben mir hatte.

Obwohl ich ebenfalls andere Männer traf, machten mich seine Geschichten traurig. Als wir unter dem roten Mond im Garten lagen, als wir uns das erste Mal getroffen hatten, fühlte sich das an wie etwas Besonderes. Dann drangen die anderen Frauen wie Gespenster in unsere Beziehung ein.

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Lana Petersen
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Auch mit meinem Diener Severin lief nicht alles so toll wie am Anfang. Obwohl es seine Idee war, mein Sklave zu sein, war ich ständig damit beschäftigt, ihn zu unterhalten – ihm zu sagen, was er machen und lassen soll. Das war anstrengend und machte mir keinen Spaß mehr. Er selbst wurde immer nachlässiger und begann, die Regeln, die er selbst aufgestellt hatte, zu brechen. 

Wenn er Lust hatte, ließ er sich dominieren, wenn nicht, dann nicht. Das hatte mit der Idee der absoluten Hingabe, wie wir sie in Sacher Masochs "Venus im Pelz" immer und immer wieder zusammen gelesen hatten, nichts mehr zu tun.

Das Buch endet damit, dass der Sklave als größtes Zeichen der Unterwerfung dabei zusieht, wie seine Herrin mit einem anderen Mann Sex hat. Das Erlebnis verletzt ihn so sehr, dass er davonläuft. Vielleicht waren auch wir beim Ende unserer Geschichte angekommen.

Mehr über ​Mira Orlova

Sie ist 26 und kommt aus St. Petersburg. Und sie hat Fragen: Wie beeinflusst das Internet unsere Dates? Sind wir durch Apps wirklich freier geworden – oder nur freizügiger? Haben wir alle bald Roboter-Sex? In ihrer Sexkolumne will sie die Einflüsse des Internets auf unser Liebesleben diskutieren. Weil es in ihren Geschichten um echte Erlebnisse mit anderen Menschen geht, heißt Mira eigentlich anders. Safety first!

An einem Wochenende besuchte mich Anton dann mal wieder. Wir verbrachten wieder einen wunderbaren Tag, streiften durch Berlin, besuchten Partys und tranken Sprite mit Codein, ein Opiat, das ein bisschen müde, aber auch ziemlich high und leichtsinnig macht. 

Noch nie zuvor hatte ich jemandem von Severin erzählt und plötzlich schossen alle Geschichten aus mir heraus. Es tat so gut, mich jemandem anzuvertrauen. Und dann schlug dieser Sex-Maniac ein Treffen zu dritt vor. Ich schrieb meinem nicht mehr allzu treuen Diener und tatsächlich willigte er in dieses letzte Spiel ein.

Anton und ich warteten aufgeregt zu Hause, als Severin klingelte und schließlich oben an der Tür klopfte. Ich trug Leder-Overknees und einen schlichten Body, Severin eine Augenbinde. Er ging automatisch auf die Knie und wartete auf Anweisungen.

Anton konnte nicht fassen, was geschah. 

Er sah mich mit einer Mischung aus Lachen und Empörung an, rang nach Fassung, fand sie wieder und rückte sich gerade.

Als er vor einer Stunde  in der Bar sagte, er hätte Lust auf das Spiel, hatte er sicher nicht damit gerechnet, dass es so schnell real werden würde. Während ich Severin zum Bett führte, zog Anton sich aus. Severin zitterte vor Aufregung, als Anton ihm die Augenbinde abnahm. 


Anton und ich küssten uns vor seinen Augen und ich sah, wie er sich dabei wand. Dann kam Anton auf eine neue Idee und begann, Severin zu berühren. Er band ihn mit den Händen am Bettpfosten fest und nahm ihn von hinten. Ich hätte damit selbst nicht gerechnet und saß mit einer Mischung aus Verzückung und Irritation auf meinem Sessel neben dem Bett.  

Danach aßen wir zusammen in der Küche, während Severin auf dem Boden saß.

Alle gingen leicht verletzt aus der Nacht hervor. 

Irgendwie waren wir einen Schritt zu weit gegangen. Anton war trotz seiner angeblich so freien Geisteshaltung gekränkt, mich mit einem anderen gesehen zu haben. Severin hatte seine persönliche Grenze der Unterwerfung erreicht. Und ich fühlte mich eifersüchtig, traurig und hungrig nach ein bisschen richtiger Liebe.

Anton und Severin – ich sah sie nie wieder. 

Trotzdem werde ich sie niemals vergessen. Denn allein die letzte Nacht war mit Sicherheit eine der schönsten und seltsamsten, den ich jemals hatte. Ohne Tinder hätte ich sie niemals so erlebt.

Ich hätte weder den einen noch den anderen Mann getroffen und hätte wohl nie meine verborgene Vorliebe für verrückte Spiele entdeckt.

Die krassen Erlebnisse der letzten Monate hatten mich völlig durchgerüttelt. Ich konnte dieses Leben nicht mehr aufrechterhalten. Ich war unkonzentriert bei der Arbeit, vernachlässigte meine Freunde und fühlte mich schlicht nicht mehr gut.

Ohne Tinder hätte ich das niemals erlebt

Als ich endlich die ganzen Experimente hinter mir gelassen hatte, konnte ich endlich wieder klar sehen: Wer die ganze Zeit im Hintergrund da war, war Jan, mein erstes Tinder-Date.

Mit ihm hatte ich die ganze Zeit losen Kontakt und einige Treffen. Er hat mir nie ein unangenehmes Gefühl gegeben, nie etwas gefordert oder mich gar emotional erdrückt. Er war der, mit dem ich Zeit verbringen wollte. Ohne andere Online-Dates, ohne verrückte elektronische Sextoys und sogar ohne ständig auf mein Handy schauen zu wollen. 

So habe ich am Ende zwischen all den Himmeln und Höllen der digitalen Liebe doch eine große Liebe gefunden. Wir trafen uns wieder. Und kamen zusammen.

Tinder haben wir beide gelöscht. Denn wenn es ums Herz geht, sind auch wir Tech-Kinder anscheinend ganz schön oldschool.


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