Fühlen

Pornos sind entsetzlich langweilig

25.02.2016, 18:25 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:27

Vielen mangelt es an einer Geschichte, die mich wirklich antörnt.

Die Frau bekommt einen Penis in den Mund, er nimmt sie von vorne, er nimmt sie von hinten, Close-Up, Vögelperspektive, er spritzt in ihr Gesicht, Ende.

Der übliche YouPorn-Clip ist so erwartbar, dass sich selbst mein beim Onanieren eingeschränkt funktionales Hirn oft ziemlich langweilt.

Ich habe kein grundsätzliches Problem mit Pornos, ich finde das Genre teilweise sogar ganz liebenswert. Wenn man sich von dem verstörend frauenfeindlichen Dreck fernhält, sind viele Clips mit ihren billigen Bühnenbildern und unbeholfenen Dialogen ziemlich witzig. Völlig zurecht ist "Warum liegt hier überhaupt Stroh rum?" ein popkultureller Zitatklassiker.

Nur: Ich will nicht lachen oder mich fremdschämen, wenn ich masturbiere. Ich erwarte ja keine cleveren Storylines oder hollywoodreife Darsteller in einem zehnminütigen Wichsfilm. Aber muss fast jeder Film aussehen wie Theatergruppenfreizeit mit Anfassen? Ich finde das nicht nur peinlich, sondern auch abtörnend.

Mir ist durchaus bewusst, dass es bessere Pornos auf Bezahlseiten gibt und ich – weil ich nie Geld dafür ausgeben würde – da nicht rankomme. Es ist aber gar kein reines Angebots-, sondern eher ein Suchproblem: Denn unter den Millionen Clips auf Pornhub und Co. gibt es einige sehr wenige Filme, in denen die Frauen Ansätze von Charakter haben, so dass ich es attraktiv finden kann. "You fuck the brain", heißt es doch.

Das Problem: Man findet die Filme nur zufällig, nachdem man sich durch viel miserablen Mist geklickt hat.

Auf YouPorn gibt es 69 Kategorien von Pornofilmen: von Anal über Cosplay und German bis Young/Old. Eine Kategorie für die Pornos mit Ansätzen einer Story gibt es nicht.

Mit ihrer eintönigen Meterware versagen die Pornoproduzenten genau bei dem, was sie eigentlich meistern sollten: Menschen wie mich zu stimulieren. Erotik zu erzeugen. Ich finde Verführung erotisch, nicht Unterwerfung.

Sex wird durch Kreativität reizvoll. Aber die meisten Pornos sind so dröge wie lebenslänglich Missionarstellung im Dunkeln.

Pornos mit Story sind genauso explizit, hart und sogar viel animalischer. Was ist lustvoll daran, immer in identischer Reihenfolge zu vögeln? Ohne oder mit völlig fadenscheinigem Vorgeplänkel. Fast jede Frau ist Schulmädchen, Sekretärin oder Babysitterin oder bedient ein ähnlich unterwürfiges Stereotyp.

Ich möchte gerne glauben, dass die Pornoindustrie uns Männer zu Unrecht für genauso anspruchslos hält, wie es manche, im Bett eher langweilige Frauen tun. Dass beide fälscherlicherweise glauben, dass Sex für uns reine Triebabfuhr ist. Dass für uns eh nur große Brüste und schlanke Oberschenkel zählen und nicht die ungebremste Lust auf Sex, die man ihr anmerkt.

Oder: Sie haben völlig recht und die meisten wollen das identische Gerammel sehen, solange die Vagina mal weiß, mal schwarz, mal haarig ist. Wenn die Pornoplattformen ein bisschen was von ihrem eigenen Geschäft verstehen, bieten sie einfach deshalb keine Storyporn-Kategorie, weil die Zielgruppe für meinen Fetisch spitzer ist als die von Big Butt oder Hentai.

Von mir aus. Dann bin ich eben der Freak.

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