Bild: Halal Verlag

Fühlen

So sieht Liebe aus

19.10.2015, 12:45 · Aktualisiert: 02.01.2017, 13:57

Dieses Gefühl, ein ganzes Wochenende mit jemandem zu verbringen, nur um ihn gleich Montag wieder zu vermissen. Dieses Gefühl, sich eine Zahnbürste zu teilen, das letzte Zitronenkaugummi, den ekelig-unromantischen Küchenabwasch. Sich in jemandes Augen zu verlieren. Und ihn ständig ganz schlimm verknallt anzustieren.

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Dieses Gefühl lässt sich seit Oktober in einem Buch betrachten: Young Love, entwickelt von der dänischen Fotografin Karen Rosetzsky. Drei Jahre lang hat sie Menschen fotografiert, die sich mögen, verknallt sind - oder sich lieben. Dafür fuhr sie nach Amsterdam, Berlin, Kopenhagen, New Orleans und Paris.

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Das Ergebnis: ist schön. Ist hochaufgelöst. Ist unverkrampft, authentisch, offen. Und manchmal tut es weh: sich beim Blättern an Momente aus dem eigenen Leben zu erinnern – oder zu hoffen, dass alles, was jetzt gerade passiert, nicht vergehen soll.

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Wir haben Karen Rosetzsky gefragt, wie es war, für das Fotobuch auf Reisen zu gehen.

Karen, was hast du unterwegs über die Liebe gelernt?

Liebe ist immer gleich. Ganz egal, wo man sie trifft. Liebe ist immer ein total tiefes, reines Gefühl. Auf meinen Reisen erlebte ich, dass Liebe keine geografischen Grenzen kennt. Von manchen Paaren weiß ich zwar, dass sie inzwischen schon nicht mehr zusammen sind. Aber in dem Moment, in dem ich sie fotografierte, fing ich bei allen einen absoluten Moment des Glücks ein.

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Wird Liebe langweiliger, je älter man wird?

Naja, das Gefühl der Liebe verändert sich sicherlich. Es ist irgendwann nicht mehr der krasse Knall, sondern ein Band, dass sich immer enger um zwei Menschen legt. Je jünger du bist, desto verrückter ist die Liebe aber. Weil sie viel öfter vom Herzen gesteuert wird, als vom Verstand. Ab 25 wägt man lange Pro und Contra ab, bevor man wichtige Liebesentscheidungen trifft.

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Warst du im Schlafzimmer von Paaren, die gerade Sex hatten - oder sieht das nur so aus?

Nein, das sieht nicht nur so aus. Die Paare hatten tatsächlich keine Probleme, vor der Kamera zu zeigen, was ihre Liebe bedeutet. Das hat mich total überrascht. Die luden mich manchmal ein in ihre absolute Privatsphäre, das war schon ein wenig sonderbar!

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Die tollste Zweisamkeit. Während du die fotografiert hast, standest du allein hinter der Kamera. Fühlte sich das nicht einsam an?

Ich habe einen Mann und zwei Kinder. Die begleiten mich auf meinen Reisen. Beim Fotografieren habe ich oft daran gedacht, wie sehr ich meine Familie liebe. Und ich habe mich daran erinnert, wie das bei uns war: die ersten Tage, die ersten Treffen.

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Das Fotobuch ist im Halal Verlag erschienen, es kostet 35 Euro. Karen Rosetzsky fotografiert auch andere Dinge, zum Beispiel diese.

Noch mehr Fotos: Menschen ohne Handys (seltsam), Naturdenkmäler für die Wikipedia (schön), Globalisierung dokumentiert (verstörend).