Fühlen

Heute bin ich glücklich, morgen hasse ich alles. Was ist mit mir los?

15.09.2017, 17:57 · Aktualisiert: 16.09.2017, 12:26

Stefan, 28, fragt:

Obwohl ich mit meinem Leben objektiv zufrieden sein müsste, fühle ich mich oft niedergeschlagen, antriebslos und unglücklich.

Ich habe schon sehr viel erreicht: Ich habe meinen Bachelor sehr gut abgeschlossen, war im Ausland, habe immer meine Traumpraktika bekommen und bin in einem tollen Master, der mir große Chancen für die Zukunft ermöglicht.

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Ich habe Phasen, in denen ich sehr mit mir im Reinen bin. Ich habe seit einem Jahr meine Bisexualität akzeptiert/kommuniziert, finde mein Leben oft überdurchschnittlich toll, immer dann, wenn ich für meine Freunde eine Quelle für Rat und positive Energie bin.

Ich mag es, Initiativen zu starten, zu motivieren, in einer leitenden Rolle zu sein. Und ich mag es in diesen Phasen sehr gern, mir Pläne für die Zukunft auszudenken.

Mehr Notfälle – und Kathrin Hoffmanns Antworten:

Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
1/12

Andererseits gibt es diese Phasen, wochen- bis monatelange lange Episoden, in denen ich keine Lust auf Menschen habe, mich nicht aufraffen kann, für die Uni zu arbeiten und keine Motivation habe, was anderes zu machen, als mich in meiner Wohnung einzuschließen und Netflix zu schauen.

Dabei bin ich in einer Spirale aus Selbstmitleid, Traurigkeit und Selbsthass gefangen. Und ich rauche dann wieder, obwohl ich das sonst nie mache. In den schlechten Phasen kann ich meinen Freunden und niemandem sonst Erfolge gönnen.

Warum das so ist und ich dann traurig bin, kann ich nicht nachvollziehen. Die Tatsache, dass ich keinen festen Partner habe, empfinde ich im einen Fall als tolle Freiheit, im anderen als extremes Defizit.

Die Phasen sind mit der Intensivierung meines Lebens, mehr Verantwortung und konkreten Berufsplänen, stärker geworden. Und das macht mir Angst.

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Lieber Stefan,

deiner Schilderung zufolge erlebst du starke Stimmungsschwankungen, die von Phasen sehr guter Stimmung bis Phasen depressiver Stimmung reichen.

In den guten Phasen fühlst du dich richtig super, bist motiviert, hast Ideen und liebst dein Leben. In den schlechten Phasen bist du traurig und zweifelst an dir und deinem Leben. Stimmungsschwankungen sind zwar grundsätzlich etwas völlig Normales, doch bei dir scheinen besonders die schlechten Phasen ausgeprägt zu sein und länger anzuhalten als eben mal ein mieser Tag. Ich kann daher deine Besorgnis gut nachvollziehen.

Ist deine größte Angst, etwas falsch zu machen oder abgelehnt zu werden?
Kathrin Hoffmann

Möglicherweise bist du von einer sogenannten Zyklothymie betroffen – eine länger anhaltende Erkrankung (seit mindestens zwei Jahren), die die Gefühle betrifft.

Bei der Zyklothymie ist die Stimmung und der Antrieb instabil, typischerweise wechseln sich hypomane Phasen (leicht gehobene Stimmung) mit depressiven Phasen ab. Natürlich kann hier in diesem Rahmen keine Diagnose gestellt werden, daher empfehle ich dir in jedem Fall ein Gespräch mit einem Psychologen, um festzustellen, ob du tatsächlich betroffen bist.

Traurig und antriebslos – was kann das sein?

Traurig und antriebslos – was kann das sein? (Bild: Unsplash)

Sollte dies der Fall sein, wäre es wichtig, so schnell wie möglich eine Psychotherapie und ggf. medikamentöse Therapie zu beginnen, damit du lernen kannst mit den Stimmungsschwankungen umzugehen bzw. ihnen vorzubeugen.

Als Ursache für die Erkrankung werden sowohl genetische als auch psychosoziale Faktoren angenommen. Häufig lassen sich keine konkreten Auslöser für die verschiedenen Phasen erkennen. Trotzdem kann es sich lohnen, genau zu beobachten, was im Vorfeld eines Stimmungswechsels passiert.

Ein Stimmungstagebuch kann helfen
Kathrin Hoffmann

Ein Stimmungstagebuch kann dabei helfen, diese Faktoren (z.B. Gedanken, Vorstellungen, Lebensereignisse, Konflikte etc.) zu erkennen. Wenn du merkst, dass du wieder in eine depressive Phase kommst, ist es wichtig, frühzeitig gegenzuwirken, zum Beispiel mit Hilfe von Sport, hilfreichen Gedanken, positiven Erlebnissen und sozialen Kontakten.

Bei Betroffenen ist häufig das Selbstwertgefühl stark von äußeren Einflussfaktoren abhängig. Überlege einmal, ob es auch bei dir einen Zusammenhang gibt:

  • Hast du dir in deinen guten Phasen Dinge vorgenommen oder Pläne geschmiedet, die unrealistisch oder sehr hoch gegriffen waren?
  • Hast du Misserfolge erlebt oder bist ausgebremst worden?
  • Bist du kritisiert worden oder gab es Meinungsverschiedenheiten?
  • Merkst du vielleicht, dass du in deinen guten Phasen alles dafür tust, um dich zu beweisen und Anerkennung und Wertschätzung zu bekommen?
  • Ist deine größte Angst, etwas falsch zu machen oder abgelehnt zu werden?
  • Und wird sie umso stärker, je mehr Verantwortung du übernimmst?

Bitte vereinbare in jedem Fall ein psychologisches Gespräch zur Abklärung. Adressen bekommst du über die Webseite der krankenkassenärztlichen Vereinigung deines Bundeslandes.

Alles Gute für dich!

Deine Kathrin


Food

Ist Süßstoff gesünder als Zucker?

15.09.2017, 17:55

Coca-Cola verspricht 1 Million Dollar für einen neuen Süßstoff

Coca-Cola hat ein Problem. 35 Zuckerwürfel stecken in einem Liter Cola. Das wollen viele nicht mehr. Außerdem ist die Konkurrenz im Limosektor noch stärker geworden. Getränke Start-ups schwemmen den Markt.  Und die versprechen im Zweifel auch noch gesünder, regionaler und zuckerärmer zu sein. Und das scheint sich im Umsatz von Cola niederzuschlagen: Im zweiten Quartal 2017 schrumpfte der Umsatz um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Handelsblatt).

Das Unternehmen ist also auf der Suche nach positiven Schlagzeilen. Und probiert es nun mit einer neuen Zuckerformel: 

Der Konzern bietet umgerechnet 830.000 Euro für einen möglichst kalorienarmen Ersatz zum Zucker.