Bild: Weibo; Montage: bento

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Ein Kinderbuch sorgt in China gerade für viel Ärger. Denn es geht um Sex

20.03.2017, 10:20 · Aktualisiert: 20.03.2017, 14:38

Zwei Jungs halten Händchen. Auf einer anderen Seite liegt ein nacktes Pärchen gemeinsam im Bett. Noch ein paar Seiten weiter ist ein Penis zu sehen, der in eine Scheide eindringt. Auf Chinesisch steht daneben: "Vater steckt seinen Penis in Mutters Vagina."

Die Erklärbilder gehören zu einem Kinderbuch, dass die Pekinger Universität herausgebracht hat. Das Buch will nichts anders, als die Sexualaufklärung in China revolutionieren. Und eckt damit gerade an – vor allem bei Eltern (Quartz).

Sex ist in China ein schwieriges Thema.

Zwar gibt es in dem Land kaum religiösen No-Gos – Verhütung, vorehelicher Sex und auch Homosexualität wird heute in der Gesellschaft zumindest offiziell nicht tabuisiert oder abgelehnt. Allerdings gilt das Reden über Sex als verpönt. Wer mit wem und was untenrum so los ist, bleibt im Privaten.

Mitten in diese seltsame Mischung kommt nun also ein Kinderbuch, das Sex relativ plakativ thematisiert. "Die Regierung strengt sich beim Thema Sex-Aufklärung mehr und mehr an", sagt Sexualberater Tong Li der Tagesschau. Es gehe darum, Aufklärung endlich an die Schulen zu bringen.

So wird Sex in dem Kinderbuch dargestellt:

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Genau diese Bilder stoßen nun an Schulen und bei Eltern auf Widerstand. Muss es so aufbereitet sein, fragt eine Mutter auf der chinesischen Plattform "Weibo". "Ich werde ja ganz rot beim Durchblättern." ("South China Morning Post") Andere bezeichneten die Bilder in Kommentaren als "vulgär" oder "geschmacklos".

Sexualberater Tong sagt, dass es vor allem die expliziten Zeichnungen sind, die viele Eltern stören – weniger die Darstellung von gleichgeschlechtlicher Liebe oder Gender-Gerechtigkeit.

Dabei hat China Sexualaufklärung dringend nötig.

Der Soziologieprofessor Jing Jun sagte CNN, dass die meisten seiner Studenten bis zur Uni noch überhaupt nicht aufgeklärt seien. Auch die Zahl derjenigen, die sich mit HIV infizieren, steigt seit Jahren und Mitglieder der LGBT-Szene werden immer noch diskriminiert. Erst seit 2001 wird Homosexualität in China nicht länger als psychische Erkrankung angesehen ("South China Morning Post").

Die Aufregung um das Buch dürfte es allerdings nur bekannter gemacht haben. Denn zunächst wurde es nur an 18 Grundschulen in Peking eingesetzt ("South China Morning Post"). Jetzt hingegen sind die Bilder über das Netzwerk "Weibo" überall zu finden.

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