Fühlen

​Wie ich mein erstes Mal mit einer Frau erlebte – und was es mir bedeutete

30.11.2016, 15:57 · Aktualisiert: 30.11.2016, 23:30

Mit 14 Jahren küsste ich zum ersten Mal einen Jungen, drei Jahre später ein Mädchen. Seitdem tastete ich mich immer weiter an Frauen heran, genauso wie an Männer, nur zeitversetzt.

Als ich einen Dreier mit einem Mann und einer Frau hatte, genoss ich das sehr; anschließend wollte ich unbedingt auch mal eine Nacht allein mit einer Frau verbringen. Und trotzdem zweifelte ich:

  • Was, wenn ich eine Frau anmachte, die sich als absolut hetero entpuppte? Wäre das nicht für beide Seiten unangenehm?
  • Oder war ich doch nur eine hypersexuelle Hete, die auf Abenteuer machte?

Während ich grübelte, nahm Roberta die Sache in die Hand. Roberta, eine Italienerin, die Freundin einer Freundin, war mir schon länger aufgefallen. Ihre einnehmende Ausstrahlung, ohne sich in den Mittelpunkt zu drängen, ihre wilden Locken, ihr schöner Körper.

Wer ist Livia?

Livia Augustin, Mitte 20. Kaffee, Wein und Worte sind ihr Elixier. In der bento-Sexkolumne resümiert sie Schlüsselmomente, durch die sie lernte, was sie (nicht) will – im Bett und im Leben.

Eines Abends traf ich sie zufällig in einem Club. Wir unterhielten uns ein bisschen, doch schon bald bedeutete sie mir: "Komm mit". Ich folgte ihr in den dunklen Flur. Als sie mich an sich zog, war ich irgendwie verwirrt. "Ist es dir unangenehm?", fragte sie. "Nein, überhaupt nicht", sagte ich. Wir küssten uns. Unbeobachtet zwar, trotzdem wollte ich ganz mit ihr allein sein. Deshalb zögerte ich nicht, als sie mich zu sich nach Hause einlud.

Dort war plötzlich alles ganz einfach.

Wir küssten uns, zogen uns langsam aus, hatten Sex. Und schliefen befriedigt und umarmt ein. Am nächsten Morgen frühstückten wir selbst gebackenen Aniskuchen und tranken Espresso. Dann verabschiedeten wir uns.

Lana Petersen
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Es blieb bei einem One-Night-Stand. Trotzdem bedeutete mir die Nacht mit Roberta viel: Ich fühlte ich mich bei mir selbst angekommen. Und stolz, dass ich mich getraut hatte, meine Bisexualität auszuleben.

Erst jetzt merkte ich, wie sehr ich mich zuvor unter Druck gesetzt hatte auf der Suche nach meiner sexuellen Orientierung. Warum eigentlich? Heterosexuelle Menschen müssen nicht erst mit dem anderen Geschlecht Sex haben, um auch wirklich als hetero zu gelten. Und homosexuelle Menschen? Woher sollte ich wissen, ob ich lesbisch bin? Oder bi? Ist bisexuell überhaupt der richtig Ausdruck? Manche Menschen, lernte ich später, empfinden ihn als diskriminierend. Der Begriff gehe davon aus, dass es nur zwei Geschlechter gibt: Mann und Frau.

Wenn du glücklich bist, und niemanden verletzt, ist das doch nichts Schlechtes. Ich liebe dich, so wie du bist.
Livias Mutter

Auch wenn ich wusste, dass es Quatsch ist, fragte ich mich lange, ob ich irgendwelche Kriterien erfüllen muss, um mir wirklich sicher in meiner sexuellen Orientierung zu sein. Ich fühlte mich unsicher, weil ich nicht wusste, ob ich eine Frau gern lecken würde – und übersah dabei, dass es auch Heteromänner gibt, die das nicht gern tun. (Mir machte es dann allerdings doch großen Spaß).

Es dauerte eine Weile bis ich wusste, was ich will – und noch ein paar Monate länger, bis ich mich auch meiner Familie gegenüber outete. Eine andere, wunderbare Frau half mir dabei: Im Gegensatz zu Roberta blieb es nicht bei einer Nacht; wir begannen, uns zu treffen, entwickelten Gefühle.

Das half mir, meiner konservativen Mutter davon zu erzählen. Zu meiner Überraschung sagte sie: "Wenn du glücklich bist, und niemanden verletzt, ist das doch nichts Schlechtes. Ich liebe dich, so wie du bist."

In den vergangenen Jahren habe ich noch mehrere tolle Frauen kennengelernt. Durch die Erlebnisse mit ihnen lernte ich viel über meinen Körper und meine Weiblichkeit. Sex mit Frauen bewegt sich für mich auf einer anderen Ebene als Sex mit Männern – nicht besser oder schlechter, sondern anders: vertrauter, verständnisvoller. Es ist schwer, in Worte zu fassen.

Meine Liebhaberinnen waren im wahrsten Sinne des Wortes selbstbewusst und wussten viel über ihren Körper. Einer von ihnen habe ich die Menstruationstasse zu verdanken. Auch mit Freundinnen rede ich sehr offen, zum Beispiel über den weiblichen Zyklus und wie man ihn beobachtet. Diese Gespräche haben meine Sexualität sehr verändert. Nächste Woche mehr dazu.

Wir haben den ersten Club nur für Bi-Frauen besucht:

Skirt Club
Skirt Club
Skirt Club
Skirt Club
Skirt Club
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Wovor Wähler rechter Parteien Angst haben

30.11.2016, 14:01

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