Bild: Aurore Marechal/dpa

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Warum der Revenge Body ein beschissenes Konzept ist

02.06.2017, 11:28 · Aktualisiert: 02.06.2017, 17:02

Trennungen sind immer scheiße. Je nach Schweregrad erfordern sie Wochenenden mit Schokoladen-Walnuss-Eis und Netflix im Bett, durchzechte Nächte mit Freunden oder einen Yoga- und Surftrip nach Australien. 

Sehr zu empfehlen in dieser Zeit: Den oder die Ex auf Facebook, Instagram und WhatsApp blocken. Am besten gleich auch die Nummer löschen - das bewahrt einen zusätzlich vor der Todsünde: Besoffen irgendwelche hoffnungslos, wütend-verzweifelte Nachrichten abzusetzen.

Seit einiger Zeit gibt es angeblich eine weitere Möglichkeit, eine Trennung zu bewältigen: den sogenannten Revenge Body. 

Gemeint ist: Der Körper, den man sich nach Ende einer Beziehung durch Sport “erarbeitet”. Ein Körper, mit dem sich Frauen an ihren Ex-Partnern “rächen”. Nach dem Motto: Pass mal auf, was dir hier entgeht. 

Angefangen hat dieses, nennen wir es mal Konzept, als Prominente wie Khloe Kardashian oder Bella Hadid nach einer Trennung mit viel Aufmerksamkeit und Lob bedacht wurden, weil sie ihre Körper mal so richtig in Form gebracht hatten. Beide tragen übrigens Größe 32 und 36.

Khloe hat das Kardashian-treu in ein Reality-Format gegossen, aber auch Medien griffen den Begriff dankbar auf. Nach dem Bikini Body jetzt also der Revenge Body.

Auf Instagram, Pinterest und Facebook gibt es mittlerweile Tausende Einträge zum Revenge Body. Post-gym Selfies von verschwitzten Körpern auf dem Rachefeldzug mischen sich mit einer Vielzahl von Motivationssprüchen.

Ein paar Beispiele:

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Zwei Dinge sind besonders bizarr daran:

  1. Die Idee folgt der Annahme, dass Frauen ihren Expartner zurückhaben oder eifersüchtig machen wollen.
  2. Der #revengebody ist nur für Frauen erstrebenswert. Männer werden nicht angehalten, ihren "Dadbod", den sie sich in jahrelangen Beziehungen angefuttert haben, zu stählen. Und sie dokumentieren auf Social Media auch nicht ihren Weg zum Rachekörper.

Das ist dumme, ärgerliche, sexistische Kackscheiße und führt im schlimmsten Fall dazu, dass man sich in einer ohnehin schon bescheidenen Situation noch unglücklicher fühlt. 

Man kann beim Revenge Body nur verlieren.

Wann bitte verabschieden wir uns von der Idee, dass Frauen alles, was sie machen, nur für die Aufmerksamkeit von Männern tun?

Der #revengebody zeigt einmal mehr, wie dominant traditionelle Vorstellungen von Schönheit sind: So sehr, dass bei einer Promi-Trennung die Schuld im Aussehen der Frau gesucht wird. Wer schlank, straff und bis zur Perfektion modelliert ist, kann dagegen nicht unglücklich sein. Oder verlassen werden. 

So ein Quatsch.

Als ob ein Ab Crack die Beziehung zwischen zwei Menschen kitten könnte. Als ob ein Ab Crack einen vor schlimmen Liebeskummer bewahren oder über einen Vertrauensbruch hinwegtrösten könnte.

Das Chaos, das ein gebrochenes Herz hinterlässt, fühlt sich scheiße an. Ja.

Warum machen Frauen da trotzdem mit? 

Das Chaos, das ein gebrochenes Herz hinterlässt, fühlt sich scheiße an. Ja. Und vielleicht ist der Revenge Body ein Versuch, die Kontrolle zurückzuerlangen. Denn, wenn man das eigene Herz schon nicht wieder zusammenfügen kann, dann muss man sich eben allen anderen Muskeln zuwenden.

Aber das ist ein Trugschluss. Wer wirklich nicht weiß, warum eine Beziehung zu Ende gegangen ist, der sollte vielleicht noch einmal das Gespräch suchen. 

Und nicht wieder das Problem auf den weiblichen Körper projizieren.


Der spanische Künstler und Illustrator Antonio Páramo malt Bilder von Frauen mit Cellulite an Beinen und Hintern, mit Dehnungsstreifen, mit großen Brüsten und Hintern. 

"Meine Bilder helfen, sich wohler im eigenen Körper zu fühlen":


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Bekommen beste Freundinnen gleichzeitig ihre Tage?

02.06.2017, 10:52 · Aktualisiert: 02.06.2017, 12:08

Beste Freundinnen verstehen sich ohne Worte, lachen über dieselben Witze und kaufen schon mal unabhängig voneinander das gleiche Oberteil. Aber da geht noch mehr: 1971 rechnete Martha McClintock erstmals vor, dass Frauen, die zusammen wohnen oder eng befreundet sind, mit der Zeit auch in immer kürzeren Abständen voneinander ihre Regel bekommen. Damals studierte die Forscherin noch Psychologie in Harvard.

Das Wissen hat sich zum Klassiker in der Stammtischkategorie "kuriose Natur der Frau" gemausert: Beste Freundinnen müssen nicht nur gleichzeitig Pipi, sie menstruieren auch im gleichen Takt! Das passt ins Bild. Jenseits der Klischees vermuten Psychologen, dass sich Frauen durch das gemeinsame Erlebnis weniger allein mit dem immer noch tabuisierten Thema fühlen.