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07.03.2018, 11:42 · Aktualisiert: 07.03.2018, 14:56

Wir müssen reden

Man kann vom "Bachelor“ ja halten, was man will (im besten Fall nix), aber entgegen all der Stimmen, die lamentieren, wie unnötig und irrelevant dieses Format ist, kann man von der Show doch eine Menge lernen. Zum Beispiel, dass Liebe auch 2018 nichts ist, was sich verhält wie eine Festanstellung.

Es wäre naiv, zu glauben, dass das Leben nicht auch Konkurrenz, Ungerechtigkeit und Enttäuschung ist. Das ist so bei der Arbeit, im Supermarkt, im Fitnessstudio.

Es gibt halt immer einen, der besser, schlauer, dünner, cooler, netter, fieser, ehrgeiziger, rücksichtsloser ist. Am Ende gewinnen manchmal die Guten und manchmal die mit den besten Tricks und dazwischen halt man selber. Life is life, na na na na na.

Die Liebe soll die letzte Bastion sein, bei der das nicht so ist. Sie sollte sogar das genaue Gegenteil sein: Kein Wettbewerb, keine feste Stelle, um die sich zwei Praktikanten prügeln. Die Liebe, sie sollte ein Ritterschlag sein, eine Auszeichnung. Die Liebe sollte sagen: Du bist das Beste, was mir je passiert ist und es gibt niemanden, der toller ist als du.

Der "Bachelor" jedoch versucht, uns das Gegenteil beizubringen. Die Sendung hat viele schlimme, wirklich schlimme, offensichtliche bis subtile Botschaften. Sie lauten: Sei dünn! Sei immer gut drauf! Erwarte nichts, aber gib alles! Und natürlich: Du bist nicht einfach so wunderbar, wie du bist, sondern du musst dafür kämpfen, geliebt zu werden.

"Wir müssen reden"

Die wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Wer am Ende gewinnt, ist ein Verlierer. Selbstachtung, Würde, emotionale Unversehrtheit? Nicht beim "Bachelor". Das wissen wir seit der ersten Staffel und der Bumsbirne Paul, der erstmal alle Damen "ausprobiert“ hat, bis er sich "entscheiden“ konnte. Bis dahin haben sich die Kandidatinnen durchgestritten, gelitten und geheult. Sie haben sich gegenseitig und vor allem sich selbst gedemütigt, während sie nimmermüde in die Kamera schworen, dass es hier echt um die ganz, ganz große Liebe ginge.

Guess what: DAS alles ist KEINE Liebe. Es ist: emotionaler Missbrauch, Demütigung und sexistisches Rollenklischee. Es ist nicht: liebevoll, empowernd, modern.

dpa
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Es suggeriert Menschen, dass sie immer lachen sollen, immer abnicken, immer alles abfeiern. Sie müssen immer perfekt sein und immer sexuell verfügbar. Und es soll ihnen scheißegal sein, dass sie Deko sind, in einem Süßigkeitenladen, in dem sie verkauft werden.

Das bisschen Geld kann nicht ausgleichen, was das anrichtet, aber hey: Wenigstens durften sie wochenlang in einer Villa eingesperrt darauf hoffen, mal raus zu dürfen.

Was richtet das mit jungen Zuschauerinnen an? Welches Bild von Liebe und Zuneigung wird da generiert? Falls jemand einwenden möchte, dass die Show doch eh niemanden interessiert: sie gehört zu den erfolgreichsten RTL Formaten. Über 3 Millionen Zuschauer sehen wöchentlich zu. Und eventuell sind das nicht 3 Millionen Menschen, die das Ganze ironisch sehen.

Falls einige unter ihnen diesen Artikel lesen: Bitte glaubt diesen Müll nicht. Denkt nicht, dass es so sein sollte. Liebe bedeutet nämlich, dass ihr für jemanden das allerallerallerbeste seid. Keine Option, sondern 1. Wahl. Kein "Hmja, vielleicht, erstmal noch die anderen fünf checken“. Ein Muss, kein Vielleicht. Eine Entscheidung, keine Rose. Ihr habt das verdient. Ihr habt verdient, dass euch jemand absolut und total liebt und dass ihr euch dafür nicht mal anstrengen müsst.

Nicht abnehmen, nicht die Zähne, Brüste, Nasen machen lassen. Nicht schminken, nicht trainieren, nicht lächeln und bücken. Wenn es Liebe ist, ist es einfach. Es ist nicht kompliziert und verunsichernd, es ist nicht warten und hoffen und bangen und andere ausstechen. Es ist einfach da. Es ist das Gegenteil von dem, was ihr da seht. Liebe ist keine Festanstellung. Vergesst das nie.


Grün

Norwegen gibt noch mehr Wale zum Abschuss frei

07.03.2018, 11:26 · Aktualisiert: 07.03.2018, 14:30

Trotzdem hat die Industrie Probleme.

Norwegen hat seine Walfang-Quote deutlich erhöht. Das Fischereiministerium hat am Dienstag beschlossen, dass in diesem Jahr 1278 Wale vor norwegischen Küsten gefangen werden dürfen. Das sind 28 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Plan des Fischereiministeriums: Die schwächelnde Walfang-Industrie soll belebt werden. "Ich hoffe, dass die Quote und das Zusammenlegen neuer Fischereigebiete ein guter Start für ein gutes Walfangjahr ist", sagte der Fischereiminister Per Sandberg. (The Guardian)

Tatsächlich dürfte es anders kommen – denn norwegische Waljäger fangen bereits seit Jahren immer weniger Tiere.