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Fühlen

Frei von der Pille: Sabine Kray lebt jetzt unabhängig

11.11.2017, 13:34 · Aktualisiert: 13.11.2017, 14:01

Wenn Frauen die Pille nehmen, dann vor allem, um bloß nicht schwanger zu werden. Und vielleicht auch, um nebenbei noch einige Pickel zu bekämpfen.

Dass sie dafür schlechte Laune, weniger Lust auf Sex oder ernsthafte Erkrankungen in Kauf nehmen, berichten immer wieder Nutzerinnen (bento). In ihrem Buch "Freiheit von der Pille – eine Unabhängigkeitserklärung" stellt Sabine Kray infrage, ob Frauen sich das wirklich antun müssen.

Zunächst hatte sie darüber nur einen Artikel geschrieben. Der Erfolg des Textes überraschte sie: "Innerhalb weniger Stunden hatten ihn mehr als eine halbe Million Menschen gelesen und tausendfach in sozialen Netzwerken geteilt." In den Wochen darauf kamen viele Frauen auf die Autorin und Übersetzerin zu – und erzählten von ihren Erfahrungen mit der Pille.

Wir haben mit Sabine, 33 und aus Berlin, über Schönheitsversprechen, Selbstbestimmung und Alternativen zur Pille gesprochen.

(Bild: Hoffmann und Campe Verlag)

Sabine, in deinem Buch schreibst du, es gebe gute Gründe dafür, die Pille infrage zu stellen. Welche sind das?

Hormone steuern unsere Sexualität und Persönlichkeit. Aber bis heute können Wissenschaftler nicht genau sagen, welche langfristigen Auswirkungen hormonelle Verhütung auf unseren Körper hat. Ich finde, das ist Raketenwissenschaft. Jede von uns hat von ein extrem empfindliches Gleichgewicht an verschiedenen Hormonen. Daran herumzudoktern, kann nicht ohne Folgen bleiben. Deshalb sollte man sich genau überlegen, ob man die Pille nehmen möchte. Es gibt genug andere Verhütungsmittel.

Der Pille liegen außerdem viele Mythen zugrunde. Auf der Mädchentoilette erzählte man sich, sie mache schönere Haut und größere Brüste. Auch deshalb wird sie von so vielen Frauen genommen. Man kann einem Teenager nicht sagen, "Du kriegst schönere Haut und Haare", und dann erwarten, dass er rational entscheidet. Frauenärzte müssen besser aufklären.

Wo siehst du Aufklärungsbedarf?

Wir dürfen uns nicht einreden lassen, dass ausschließlich hormonelle Verhütung sicher ist. Kupferspiralen sind sogar sicherer als die Pille, da Anwendungsfehler ausgeschlossen sind.

Sie sind auch besonders für junge Frauen geeignet, denn es gibt sie in verschiedenen Formen und Größen. Dass man erst ein Kind geboren haben muss, um sie zu verwenden, ist Unsinn. Im Gegenteil: In skandinavischen Ländern ist es schon gängig, dass Frauen mit der Hormonspirale verhüten. Hierzulande haben wir uns viel zu sehr auf die Pille versteift.

Dafür gibt es keine vernünftigen Gründe. Wir müssen aufhören, die Pille als Instrument der Befreiung und Selbstbestimmung zu feiern. Das ist sie nämlich nicht.

Was hat dich motiviert, ein ganzes Buch über das Thema zu schreiben?

Ich selbst habe die Pille mit 15 verschrieben bekommen und sie über 17 Jahre eingenommen. Dass ich sie abgesetzt habe, hat sich irgendwann einfach ergeben. Es lag nicht daran, dass ich besonders skeptisch war. Doch plötzlich merkte ich, wow, es ändert sich viel an meinem Empfinden. Nach sechs bis acht Wochen fühlte ich mich mehr in Kontakt mit meinem Körper und meinen Bedürfnissen, selbst mein Appetit veränderte sich. Insgesamt fühlte ich mich wohler. Und auch meine Libido meldete sich zurück.

Es war nicht so, dass ich vorher keine Lust auf Sex hatte, aber während ich hormonell verhütete, ging Sex sehr vom Kopf aus und ich brauchte oft einen kleinen Schubs, um in Stimmung zu kommen. Nach dem Absetzen kam es vor, dass ich spontan und unvermittelt an Sex dachte, Lust auf Sex hatte. So wie Männer das oft beschreiben, wie ein Blitz, der einem plötzlich durchs Hirn zuckt. Mich hat das alles beschäftigt, und so kam es zum Buch.

Die Pille

  • 72 Prozent der 20- bis 29-jährigen Frauen verhüten mit der Pille (BZGA). 
  • In Deutschland ist sie damit das beliebteste Verhütungsmittel. 
  • Es gibt mehr als 50 verschiedene Pillenpräparate (ProFamilia). Die künstlichen Geschlechtshormone in den Tabletten verhindern eine Schwangerschaft. 
  • In letzter Zeit ist das Verhütungsmittel vermehrt in der Diskussion. Kritiker bemängeln unter anderem, dass es das Thromboserisiko erhöht und die Psyche negativ beeinflusst.

Was sollte sich am Umgang mit der Pille ändern?

Mütter, die selbst die Pille genommen haben, empfehlen sie häufig ihren Töchtern. Wäre ihnen bewusst, welche Nebenwirkungen sie haben kann, würden sie sich damit bestimmt nicht so leicht tun.

Niemand würde auf den Gedanken kommen, 14-jährigen Jungs Sexualhormone zu verabreichen, die ihre Lust total durcheinander bringen. Der männliche Trieb gilt als schützenswert, der weibliche Zyklus nicht.

Schon der Titel deines Buches zeigt, dass du dich ab jetzt unabhängig erklären willst. Wie meinst du das?

Ich möchte mich unabhängig davon machen, wie andere Menschen über meinen Körper denken und urteilen. Und zwar nicht nur in Bezug auf Mode oder Figur, sondern auch auf meinen Hormonhaushalt, die Höhen und Tiefen meines Zyklus'. Ich möchte die Wucht nutzen, die er mit sich bringt. Ein hormonell manipulierter Körper kann hingegen nicht selbstbestimmt sein.

Und wie verhütest du jetzt?

Ich beobachte meine Körpertemperatur und den Zervixschleim sehr genau. Dadurch weiß ich, zu welchen Zeiten ich mir keine Gedanken über Verhütung machen muss. Durchschnittlich ist man sechs Tage lang fruchtbar. Um sicher zu sein, sollte man davor und danach noch zwei oder drei Tage Puffer einbauen. Damit ergeben sich fast 20 Tage, an denen ich überhaupt keine Sorgen haben muss, schwanger zu werden.

Für mich funktioniert die Methode ganz gut. Trotzdem muss natürlich jede Frau selbst wissen, wie sie verhüten möchte – und gerade bei der symptothermalen Methode ist es natürlich wichtig, den eigenen Körper konsequent im Blick zu haben.


Über diesen Link kannst du das Buch, das im Tempo-Verlag erschienen ist, kaufen.

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Hier gibt es noch mehr Infos über hormonfreie Verhütung:

Korrektur: In einer ersten Version des Artikels hieß es, skandinavische Frauen würden gängigerweise mit der Spirale verhüten. Wir haben das noch einmal spezifiziert. Gängig ist vor allem die Verhütung mit der Hormonspirale. Die Kupferspirale wird seltener verwendet.


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Als Fußballstar kann man schon mal einen Teamkollegen für einen Fan halten

11.11.2017, 13:08

Fußballstars kennen das: Ständig will jeder ein Foto. Vor dem Fußballstadion, im Urlaub, am Flughafen. Argentiniens Nationalspieler Lionel Messi, 30, ist so routiniert darin, kurz mal neben einem Fan in die Kamera zu lächeln, dass er noch nicht mal erkennt, wenn der eigene Kollege ihn um ein Foto bittet.

Und so sieht das Posing dann aus: