Bild: Lana Petersen

Fühlen

Über die Panik nach unverhütetem Sex

13.01.2016, 15:28 · Aktualisiert: 05.10.2016, 16:02

Da wird schon nix sein – oder doch?

Als Lars und ich uns kennenlernten, passte eigentlich alles ziemlich gut. Wir verstanden uns blendend, hatten Spaß und auch relativ bald Sex. Ohne Kondom. Das ist nicht cool, aber ich nahm die Pille, und Lars schien mir nicht wie der Typ, der sich durch die Nachbarschaft vögelt. Es konnte also – auch wenn es nicht sollte – einfach mal vorkommen.

Blöd nur, dass es nur wenige Wochen zuvor bereits mit einem anderen vorgekommen war.

Noch während ich mit Lars schlief, dachte ich darüber nach, wie dumm und fahrlässig es eigentlich ist, was ich gerade machte. Und schon am nächsten Tag hämmerten die Gedanken durch meinen Kopf:

Was, wenn Nummer eins was hatte, und ich Nummer zwei jetzt angesteckt habe?

Ach, so ein Quatsch. Du kennst doch Nummer eins. Der wird schon nix haben. Was soll der auch haben?

Na, HIV vielleicht!


Ich muss ihn fragen, ob er vielleicht eine Krankheit hat.

Und was ist, wenn der lügt? Wenn überhaupt lasse ich mich erst mal testen.

Aber das kannst du erst nach mindestens sechs Wochen.

Da wird schon nix sein!

Was, wenn doch?

Was, wenn doch?

Ich muss ihn fragen, ob er vielleicht eine Krankheit hat.

Wie ich es auch wendete: Obwohl es keinen begründeten Verdacht gab, und ich keinerlei Symptome zeigte, wurde meine Angst immer größer. Panisch durchwühlte ich das Internet, fand heraus, dass immer mehr Frauen in Deutschland sexuell übertragbare Krankheiten bekommen (SPIEGEL ONLINE). War ich jetzt eine von ihnen?

Steckt man sich mit dem HI-Virus an, das fand ich in meiner hektischen Rechercheaktion heraus, kann man sich einige Wochen danach grippig fühlen. Zur Syphilis las ich, dass sie zunächst zu Hautveränderungen an der Übertragungsstelle führt.

Aber ich hatte keine Grippe-Beschwerden – und stellte auch nichts Auffälliges an meinem Körper fest. Trotzdem beschloss ich, Lars über meine Bedenken aufzuklären.

Ich schrieb ihm eine “Wir müssen reden”-SMS, traf ihn am Abend und erzählte ihm alles. Auch, dass ich mich erst in sechs Wochen mit einem Labortest oder in drei Monaten mit einem Schnelltest auf HIV testen lassen können würde.

Das Herz schlug mir bis zum Hals.

Obwohl es keinen begründeten Verdacht gab, wurde meine Angst immer größer.

Das Gespräch mit Lars war mir absolut peinlich. Nur einmal hatten wir miteinander geschlafen, und schon war ich die, die ihn vielleicht mit etwas angesteckt hatte. Normalerweise, beteuerte ich, mache ich es nie ohne Kondom. Doch nun war es mir gleich zweimal hintereinander passiert.

An seiner Stelle hätte ich mir nicht so recht geglaubt und mich für etwas verrückt gehalten. Lars aber blieb ganz ruhig, auch wenn er augenscheinlich nicht begeistert war – und erzählte mir, dass er sonst auch keinen unverhüteten Sex habe und auch nicht so recht wisse, was eigentlich in ihn gefahren sei.

Wir entschieden: Ich muss einen HIV-Test machen.

Mir war dieses Gespräch absolut peinlich.

Obwohl wir das Thema damit vorerst geklärt hatten, war es mit der lockeren und lustigen Verliebtheit seit diesem Gespräch beiderseits irgendwie vorbei.

Es ist natürlich gut und wichtig, vorsichtig zu sein. Gerade in einer Zeit, in der sexuell-übertragbare Krankheiten wieder zunehmen. Lieber einmal zu viel Alarm schlagen als einmal zu wenig. Trotzdem habe ich mich seitdem öfter gefragt, was wohl aus Lars und mir geworden wäre, wenn ich ruhig geblieben wäre (oder wir erst gar nicht ohne Kondom miteinander geschlafen hätten).

Denn nach Tagen der Unsicherheit und unzähligen nervösen Momenten kam der Test dann zurück. Das Ergebnis: negativ.

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