Fühlen

Wie gefährlich ist Analsex?

21.04.2017, 14:56

Schluss mit den Mythen

Analverkehr zählt noch immer zu den anrüchigen Themen. Viele finden die Sexpraktik irgendwie eklig, selbst darüber zu reden, ist ihnen unangenehm. Sie können sich kaum vorstellen, es einmal auszuprobieren – oder mochten es bei einem Versuch so überhaupt nicht.

Für andere wiederum – egal, ob homo- oder heterosexuell – ist Anal das Nonplusultra der Sexpraktiken und ein Feuerwerk der sexuellen Erregung. Wie lässt sich das erklären?

Wieso gehen die Meinungen beim Analverkehr im Gegensatz zum "herkömmlichen Sex" so weit auseinander? Sind die einen vielleicht körperlich anders gebaut als die anderen und empfinden die anale Stimulation daher als schöner und erregender?

Für die Reihe Vögelkunde haben wir mit dem Kölner Arzt und Sachbuchautor Volker Wittkamp über diese Fragen gesprochen. Der Urologe hat bereits viel Erfahrung mit der Aufklärung schambehafteter Themen: In seinem Buch "Fit im Schritt" beschäftigt sich Wittkamp mit der oft mit Scheu und Unwissenheit besetzten Urologie.

Vier Aussagen, die mit dem Halbwissen rund um die Sexpraxis aufräumen.

Anal sind wir alle (fast) gleich

Dass einige Analsex erregender finden als andere, hat laut Wittkamp keine generellen körperliche Gründe. "Die körperliche Ausgangslage für Analverkehr müsste für fast alle Menschen gleich sein", sagt er - abgesehen von wenigen Ausnahmen, die es immer gibt.

Das bedeutet auch, dass eigentlich jeder anal stimuliert werden kann. "Um die ganze Dammregion sitzen sehr viele sensible Nerven und Nervenendigungen, die eine erogene Zone ergeben", erklärt der Urologe. Dasselbe gelte für den Enddarmbereich, der bei beiden Geschlechtern gleichermaßen empfindsam und somit empfänglich für Stimulation sei.

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Lana Petersen
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"Beim Mann kommt dann die Prostata, die aber auch nicht unbedingt bei jedem Analverkehr stimuliert wird", sagt Wittkamp. Ob das gelinge, hänge von der Stellung ab. Auch bei Frauen entscheidet die Stellung über die erreichten Körperzonen.

"Wenn man sich den weiblichen Unterleib im Längsschnitt ansieht, erkennt man, dass ein Penis oder Hilfsmittel beim Analverkehr von hinten an die Vagina stößt und dort natürlich viele Erregungspunkte berühren kann", erklärt der Urologe.

Um die ganze Dammregion sitzen sehr viele sensible Nerven und Nervenendigungen
Volker Wittkamp

Körperliche Gründe für eine Abneigung gegenüber Analsex sieht Wittkamp also nicht. "Das ist reine Kopfsache", sagt er. Auch vaginaler Sex oder Oralverkehr bereite nicht allen gleich viel Freude, obwohl wir grundsätzlich ähnlich gebaut seien.

Keine Angst vor Kot

Zu den häufigen Sorge beim aktiven Mann zählt, dass am Penis oder Kondom Kotreste zurückbleiben könnten. Die Bedenken seien häufig unberechtigt, sagt Wittkamp: "Der Bereich, in dem beim Analsex stimuliert wird, sollte eigentlich kotleer sein."

Der Bereich, in dem beim Analsex stimuliert wird, sollte eigentlich kotleer sein.
Volker Wittkamp

Dabei handele es sich um eine Art Reservoir, das durch einen weiteren Schließmuskel von dem Part des Darms getrennt ist, in dem sich der Kot sammelt. "Hundertprozentig kann man es natürlich nie ausschließen", sagt Wittkamp.

Aus Sicht des Experten stellt ein bisschen Kot an sich aber auch kein Problem dar - solange man danach nicht direkt vaginalen Verkehr hat. "Für denjenigen, der das komplett vermeiden will, gibt es natürlich so Sachen wie eine Analdusche. Das ist aber auch nicht so ganz sexy."

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Keine Angst vor dauerhaften Schäden

Eine weitere Sorge ist, dass unser Körper nicht für den Analverkehr geschaffen ist und der passive Partner dauerhaft geschädigt werden kann. Rein fortpflanzungstechnisch hat Analsex natürlich keinen Sinn. Trotzdem räumt Wittkamp die Bedenken aus - zumindest zum Teil.

"Im Prinzip kommt der Körper bei Analsex nicht zu Schaden", sagt er. Allerdings steige das Infektionsrisiko. Die Gefahr, sich mit Geschlechtskrankheiten und ähnlichem anzustecken, sei höher als beim "normalen Geschlechtsverkehr".

Es springt ja auch nicht jeder vom Bungeeturm, obwohl es dem ein oder anderen vielleicht Spaß machen könnte
Volker Wittkamp

Der Grund: Beim Analverkehr kommt es häufiger zu prinzipiell ungefährlichen Mikroverletzungen. Durch diese könnten Erreger besser ein- oder auch austreten, erklärt Wittkamp.

Analsex für Einsteiger

Spaß am Analverkehr hängt also schlicht davon ab, wie offen wir der Sache gegenüberstehen und welche Vorlieben wir haben. "Niemand muss Analverkehr haben. Es springt ja auch nicht jeder vom Bungeeturm, obwohl es dem ein oder anderen vielleicht Spaß machen könnte", sagt Wittkamp.

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Für diejenigen, die doch neugierig sind, hat der Urologe ein paar Tipps: "Wichtig ist es, möglichst viel Gleitgel oder –creme zu benutzen, denn leider ist es so, dass es als passiver Part am Anfang wahrscheinlich auch wehtun wird. Darauf sollte man vorbereitet sein."

Zudem müsse man, so Wittkamp, auch nicht von null auf 100 starten: "Viele stecken erst einmal einen Finger rein, merken vielleicht, dass das ganz angenehm ist und machen dann peu à peu weiter."

Vor allen Dingen komme es aber darauf an, schöne, sichere und vorbereitete Bedingungen zu schaffen, sich nicht von Vorurteilen leiten zu lassen und schlicht in der richtigen Stimmung zu sein.


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Merkel fliegt aus der "Time"-Liste der wichtigsten Persönlichkeiten

21.04.2017, 14:16

Dafür sind jede Menge "Bad Boys" drin.

Merkel musste weg. Und zwar nach Ansicht des "Time"-Magazins aus der Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten. Das US-Magazin bringt jedes Jahr solch eine Liste heraus – und vereint darin die nach Meinung der Redaktion wichtigsten Personen des Jahres.

Für das Jahr 2017 gehört Angela Merkel nicht mehr dazu ("Time"). Und das obwohl US-Medien Merkel noch kurz nach der US-Wahl Ende 2016 zur neuen "Anführerin der freien Welt" ausgerufen hatten.