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15.04.2018, 16:35 · Aktualisiert: 16.04.2018, 12:57

Selbsterkenntnis 2.0 – Hier geht es nur um dich.

Ich habe schon auf viele Arten gewohnt: Bei meinen Eltern, in zwei WGs und mit meinem Ex-Freund in verschiedenen Städten. Und alleine zu wohnen war für mich immer das beste. Alle anderen Wohnformen waren immer passend für ihre Zeit. Aber erst als ich allein war, habe ich gelernt, wer ich bin, wenn niemand von Außen etwas von mir verlangt.

Eine gute Lektion, die mir auch später geholfen hat, besser zu wissen, worauf ich Wert lege und dafür einzustehen – egal, mit wem ich später mal wieder eine Wohnung teilen werde.

Das sind die vier Fragen, auf die ich alleine die ehrlichsten Antworten gefunden habe:

1.

Brauchst du Ordnung oder Chaos?

Ich habe schnell gemerkt, dass ich der wahrscheinlich ordentlichste Mensch auf diesem Planeten bin. Wenn mich Freunde besuchen, stellen sie immer wieder dieselben Fragen:

  • Lebst du hier überhaupt?
  • Hast du auch "Kram"?

Ja ich lebe in dieser Wohnung, nein ich habe keinen "Kram" und minimalistisch zu leben ist für mich das Beste, denn es befreit meinen Kopf. Wenn alles aufgeräumt, sauber und geordnet ist, sind auch meine Gedanken klar. So einfach ist das.

Andere mögen "Kram" um sich herum, ich habe Kolleginnen, die finden das inspirierend, wenn überall, wo sie hinschauen, etwas Schönes liegt.

Wer nicht mehr aufräumen muss, weil es anderen wichtig ist, erkennt schnell, ob es einem selbst wichtig ist. Und wenn du nicht ordentlich bist – schön für dich! Denn es interessiert ja in deiner Butze niemanden, wie es aussieht. Außer dir selbst.

(Bild: Photo by Izzie R on Unsplash)

2.

Kannst du selbstständig sein?

Einkaufen, Kochen, Rechnungen bezahlen, Handwerker engagieren, Möbel aufbauen: In einer Wohnung alleine zu leben ist ein einziges Erwachsen-sein. Das ist aber nichts Schlimmes, so lange du selbstständig bist. Und Dinge alleine regeln kannst.

Sollten sich Berge von Briefen, Geschirr oder Wäsche auftürmen, der Kühlschrank chronisch leer sein und deine Lampen auch nach einem Jahr noch nicht hängen, dann ist das nicht so schön, aber naja, du hast immerhin die Erkenntnis, dass dir die "Regeln" der Gesellschaft egal sind. Sollen die doch denken, was sie wollen.

Spätestes wenn du Hunger hast, wirst du sowieso einkaufen, wenn du nichts mehr anzuziehen hast, Wäsche waschen und wenn der Strom abgestellt wird, die Rechnungen bezahlen.

Wirklich unschön wird es natürlich, wenn man krank und fiebernd vom Bett ins Bad kriechen muss Aber auch das gehört dazu: Lernen, um Hilfe zu bitten, egal, wie gern man selbstständig ist.

3.

Was ist dein Stil?

Und hast du überhaupt welchen? Als ich eine komplette 70 qm Wohnung einzurichten hatte, fühlte ich wie in meinem Lieblingsspiel Sims: Endlich der Kreativität freien Lauf lassen und alles so gestalten, wie ich es mag.

Sobald sich der Einzug nähert, wirst du sehr bald wissen, zu welcher Kategorie alleine Lebender du gehörst.

  1. Interior-Adicct: Dein Laptop ist voll mit offenen Tabs, die alle zu Einrichtungs-Inspi-Posts bei Instagram, du legst bei Pinterest ganze Boards mit Bildern von Wohnungen an, Wohn-Blogs und Deko-Seiten sind deine meist besuchten Seiten? Dann lebst du im Schöner-Wohnen-Land. Der Teppich muss zur Stehlampe passen, die Vorhänge zum Esstisch, das Wandbild zum Sofa-Plaid. Tine Wittler ist nichts gegen dich.
  2. Pragmatiker: Deko ist eher nicht so deins, von Teppichen, Lampen und Pflanzen hälst du auch relativ wenig. Deine Einrichtung besteht aus den lebenswichtigen Dingen wie Kühlschrank, Bett und Fernseher. Weil du gehört hast, dass man es sich schön machen soll, hängst du vielleicht noch ein Bild von Ikea auf. Vielleicht.

Wenn du zur ersten Kategorie gehörst, hast du vermutlich eine stylische, schön eingerichtete Instagram-Wohnung. Wenn du eher zur zweiten Gruppe gehörst, hast du wenigstens mehr Geld.

Wie viel Kontakt brauchst du?

In meiner WG-Zeit und als Nicht-Single wusste ich lange gar nicht, wie gerne ich eigentlich alleine bin. Denn de facto war ich nie alleine. Die ersten Wochen in der eigenen Wohnung waren eine regelrechte Offenbarung:

Ich liebe es, Zeit mit mir zu verbringen und bin mir selbst (oft) einfach die beste Gesellschaft.

Versteht mich nicht falsch, ich mag meine Freunde. Tolle Menschen, absolut lebenswichtig. Aber: Nur wer auch ab und zu alleine ist, lernt, seine Gedanken wahrzunehmen und zu reflektieren. Über sich selbst nachzudenken und dabei manchmal auch unschöne Erkenntnisse zu haben. Deal with it. Es macht dich nur größer.

Vielleicht ist die Erkenntnis des Alleine-Wohnens für dich aber auch, dass du einfach gerne Menschen um dich rum hast. Dann spricht auch nichts dagegen, jedes Wochenende eine fette Party oder einen Brunch mit all deinen Freunden zu veranstalten. Vielleicht bist du der geborene Gastgeber?

All das sind Dinge, die ich in meiner wohnungstechnischen Ko-Existenz nie über mich erfahren habe, denn dort musste ich ja immer darauf Rücksicht nehmen, wann Besuch okay war. Und wann nicht.

4.

Kennst du deine sexuellen Vorlieben?

Let´s face it: Sex ist in jeder Wohngemeinschaft ein Problem-Thema. Oder zumindest ein sehr unangenehmes. Ganz egal, wie gut man sich mit seinem Mitbewohner versteht.

Wenn du nie alleine gewohnt hast, hast du deine Sexualität (zu Hause zumindest) vielleicht nie richtig ausgelebt, weil stigmatisierende Fragen dich quälen:

  • Was denken meine Mitbewohner, wenn ich schon wieder jemand (anderen) mit nach Hause bringe?
  • Wie läut kann ich sein, ohne alle aufzuwecken und an meinem Sex-Life teilhaben zu lassen?
  • Wann können wir das Zimmer nackt verlassen?
  • Wo können wir Sex außerhalb des Zimmers / Betts haben?

Man ist einfach nie alleine. Und damit auch nie wirklich losgelöst und frei. Alleine wohnen heißt also auch: Alles ist möglich. Und kann wann, wo und wie du es willst, brauchst und liebst stattfinden.


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Schluss machen per WhatsApp? Da sollte mehr drin sein.

Irgendwann muss die Sache mit dem Schluss machen doch leichter werden. Zumindest das Level der Grausamkeit sollte mit zunehmendem Alter sinken. Statt schnöder SMS wie mit 14 ("Sorry, ich glaube, ich will nicht mehr mit dir zusammen sein!") kann man ein anständiges Gespräch erwarten. Oder? Die Realität zeigt auch mit 20 oder 30 leider: So einige Beziehungen enden via WhatsApp. Das ist unfair – da sollte mehr drin sein. 

Aber wie genau kann man sich denn trennen, ohne ein Arsch zu sein? Oder sollte man es doch eiskalt durchziehen, damit der andere einen hassen kann? Wir haben Dr. Yvonne Keßel, Diplom-Psychologin und Paartherapeutin, gefragt.