Fühlen

Meine Familie wird immer rechter. Kann ich das ändern?

10.11.2017, 18:03 · Aktualisiert: 15.11.2017, 17:34

Maren, 21, fragt:

Man könnte sagen, dass meine Familie ein Spiegel der Spaltung der Gesellschaft ist. Wir haben immer schon hitzig über Politik diskutiert, aber in letzter Zeit wird es immer persönlicher.

Es ist weniger das typische Jung-gegen-Alt. Es ist immer so: Meine Schwester und mein Vater gegen meine Mutter und mich.

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Mein Vater ist eher konservativ und sagt ständig, er sei enttäuscht über die Politik der letzten 15 Jahre. Er liebäugelt mit den Positionen der AfD und hat einen Freundes- und Bekanntenkreis, in dem das auch so ist. Ganz anders ist es bei meiner Mutter und mir. Wir sind offener und irgendwie auch einfühlsamer.

Oft artet eine Meinungsverschiedenheit so richtig aus, wenn wir gemeinsam die Tagesschau gucken, was wir öfter machen.

Einer kommentiert eine Szene, dann fallen schnell verletzende Worte, die oft nicht zurück genommen werden.

Mein Vater fühlt sich unverstanden, meine Mutter respektlos behandelt. Inzwischen reicht es, wenn einer nur die Augen verdreht.

Noch mehr Notfälle? Hier:

Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
Lennart Gäbel
1/12

Ich studiere Politik und kann daher oft differenziert und objektiv vermitteln, aber es wird immer schwieriger.

Meine Familie ist mir sehr wichtig, auch als Rückzugsort, aber ich habe in letzter Zeit mit einer leichten Depression zu kämpfen und halte solche Streitigkeiten so langsam nicht mehr aus.

Meine besten Freunde sind alle Scheidungskinder und deshalb hatte ich schon immer auch Angst, wenn sich meine Eltern streiten.

Wie muss ich mich verhalten, wenn ich ein guter Vermittler sein will, ohne die ganze Zeit nur die Position von meiner Mutter und mir zu wiederholen? Kann es sein, dass mein Vater unzufrieden ist – oder woran kann es liegen, dass ein früher eher liberaler Mensch plötzlich nach rechts schaut?

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Liebe Maren,

ich kann sehr gut nachvollziehen, wie anstrengend und nervenzehrend die Situation für dich sein muss.

Die Fronten in deiner Familie sind sehr verhärtet und es geht schon lange nicht mehr nur um Politik, sondern auch um den persönlichen Umgang miteinander. Ich könnte mir vorstellen, dass du dir insgeheim wünschst, dass in der Familie Einigkeit und Harmonie herrscht – doch dieser Wunsch wird sich wohl leider nicht erfüllen. Aber natürlich kannst du versuchen, einen anderen Umgang mit dieser Situation zu finden, der es für dich erträglicher macht.

Rechts, Mitte, links – was tun, wenn in der Familie jeder was anderes wählt?

Rechts, Mitte, links – was tun, wenn in der Familie jeder was anderes wählt? (Bild: Unsplash)

Dazu könnte es hilfreich sein, wenn du innerlich die Waffen niederlegst, du also aufhörst deinen Vater und deine Schwester von deiner Meinung überzeugen zu wollen.

Sondern versuchst, eine offene Haltung einzunehmen, zuzuhören und die Beweggründe deines Vaters und deiner Schwester zu verstehen – ohne alles sofort in Frage zu stellen oder dagegen zu reden. Was natürlich nicht bedeutet, dass du ihrer Meinung zustimmst!

Gleichzeitig ist es wichtig, dass du ein ebenso respektvolles Verhalten dir und deiner Mutter gegenüber einforderst und klare Grenzen setzt, wenn es beleidigend wird.

Hör auf, die anderen von deiner Meinung überzeugen zu wollen
Kathrin Hoffmann

Daneben kannst du dich selbst fragen, warum es so schwierig für dich ist, diese Konflikte auszuhalten. Du hast deine Angst erwähnt, dass sich deine Eltern trennen könnten. Stelle dich dieser Angst und frage dich, wie wahrscheinlich es ist, dass es so weit kommen würde:

  • Bedeuten konträre Meinungen gleichzeitig, dass man sich nicht mehr mag?
  • Bringt dich diese Angst dazu, die Vermittler-Rolle einzunehmen?
  • Willst du so dafür sorgen, dass alles wieder gut wird?
  • Wie viel Kraft kostet es dich, wenn du ständig versuchst, zu schlichten?
  • Welche Haltung wäre weniger kräftezehrend?

Dass du momentan mit einer Depression zu kämpfen hast, macht die Situation natürlich noch schwieriger für dich. Es ist jedoch gerade in einer solchen Phase wichtig, sich nicht in sich zurückzuziehen, sondern offene Worte zu finden und sich aktiv mit der Situation auseinanderzusetzen.

Das kann auch bedeuten, dass du deinen Eltern offen sagst, wie es dir momentan geht. Sag ihnen, was dich ärgert und was dir Angst macht.

Wichtig ist auch, dass du die Verantwortung dafür übernimmst, welche Rolle du übernimmst und was das für Konsequenzen für dich hat. Mach dir klar, dass du einen erheblichen Einfluss darauf hast, wie du mit der Situation umgehst. Und sorge gut für dich, spüre, wenn deine inneren Grenzen erreicht sind und schütze dich selbst.

Bitte wende dich an deinen Hausarzt oder direkt an einen Psychotherapeuten, wenn die Depression anhält. Umso eher du eine Therapie beginnst, umso besser lassen sich die Beschwerden behandeln.

Alles Gute für dich!

Deine Kathrin


Grün

Die Refill-Bewegung wird zum Trend – bald könntest du überall gratis Wasser bekommen

10.11.2017, 17:28 · Aktualisiert: 13.11.2017, 17:10

... und die Plastikflasche zu Hause lassen.

In wenigen Ländern gibt es so gutes Leitungswasser wie in Deutschland – in vielen ist es aber einfacher, in einer Innenstadt kostenlos welches zu bekommen.

Trinkbrunnen im öffentlichen Raum gibt es bei uns kaum und wenn doch, kennen nur Jogger und Touristen sie. 

Hast du einfach nur Durst und willst dich nicht in ein Café setzen, bedeutet das in der Regel: Im Supermarkt oder am Kiosk ein Wasser kaufen, das in einer Plastikflasche aus Frankreich oder Italien hergebracht wurde.

Schlecht für die Umwelt, schlecht für's Geld und einfach nur überflüssig, findet die Bloggerin Stephanie Wiermann. Inspiriert durch eine Initiative aus Bristol hat sie die Refill-Bewegung nach Deutschland gebracht.

Die Idee ist einfach und praktisch: Geschäfte und Läden füllen dir einfach so Leitungswasser ab. 

  • Der Preis: nur nett fragen. 
  • Die Bedingung: eine saubere Flasche dabei haben. 
  • Die Vorteile: kein Plastikmüll, keine völlig unverhältnismäßigen Ausgaben für Pyrenäen-Wasser, keine genervten Blicke von Kellnern und keine semi-appetitlichen Abfüllaktionen auf Restaurantklos.