27.02.2018, 16:38 · Aktualisiert: 01.03.2018, 17:09

Für soziale Netzwerke empfinden die meisten von uns eine Art Hassliebe: Wir nutzen sie fast jeden Tag – aber regen uns gleichzeitig schrecklich über sie auf. Dauernd diese Posts von Leuten, mit denen wir gar nichts zu tun haben. Die ganzen nervigen Videos. Und vor allem: Werbung, Werbung, Werbung.

Es gab schon mehrere Versuche, Gegenentwürfe zum übermächtigen Facebook zu etablieren. Nun gibt es eine weitere App, die sich vornimmt, soziale Netzwerke neu zu erfinden. Und der es zumindest gelungen ist, innerhalb von kurzer Zeit sehr viel Aufmerksamkeit zu bekommen.

Vero heißt der Anbieter, abgeleitet vom lateinischen Wort für "wahr". Und das ist auch das Motto der App, sie will "True Social Media" zurückbringen. Das Netzwerk soll es Nutzern möglich machen, Inhalte mit ausgewählten Kontakten zu teilen, und dabei vollständig auf Werbung, Algorithmen oder sonstige Eingriffe in den Feed verzichten. Statt durch Werbung soll sich die App durch einen Mitgliedsbeitrag finanzieren.

Vorgestellt haben die Macher ihre App schon vor etwa einem Jahr. Seit Dezember wird sie nun kräftig beworben, und seit einigen Tagen ist Vero auf einmal überall: Die Vero-App trendet in den Download-Charts, die anderen sozialen Netzwerke sind voll von Vero-Einladungen. Aber auch mit Diskussionen darüber, ob man diesen Hype nun mitmachen sollte oder nicht. Denn auch die Datenschutzbestimmungen der App werden bereits kritisiert – ganz zu schweigen von der Tatsache, dass die App zurzeit aufgrund von technischen Schwierigkeiten nur eingeschränkt nutzbar ist.

Was ist dran an dem Hype um Vero? Wir haben uns die App genauer angeschaut.

Was ist die Idee von Vero?

"Menschen suchen von Natur aus nach Verbindungen." So beginnt das Unternehmen das "Manifest" auf seiner Website. Mit sozialen Netzwerken hätten Menschen die Möglichkeit bekommen, diese Verbindungen auch online zu pflegen. Allerdings sei mit der Zeit ein Ungleichgewicht entstanden – weil Plattformen wie Facebook und Instagram Wege finden mussten, Geld zu verdienen, und die Nutzer damit selbst zum Produkt wurden. Der soziale Aspekt der Netzwerke sei dadurch immer weiter in den Hintergrund gerückt.

Außerdem unterschieden die existierenden Netzwerke immer nur in Freunde oder Follower – und berücksichtigten nicht, dass man eigentlich unterschiedliche Dinge mit unterschiedlichen Menschengruppen teilt.

An diesen Punkten will Vero nun ansetzen – indem es auf Werbung und Einflussnahme verzichtet, und den Nutzern die Möglichkeit gibt, genau zu bestimmen, mit wem sie welche Inhalte teilen.

Wir haben ein soziales Netzwerk geschaffen, in dem du du selbst sein kannst.

Welche Funktionen hat die App?

Vero ist mit Facebook und Instagram vergleichbar. Die wichtigsten Funktionen sind:

  • Personen finden, ihnen entweder folgen oder sich mit ihnen "verbinden" – das geht auf verschiedenen Intensitätsstufen von "Bekannter" zu "Enger Freund".
  • Nachrichten verschicken.
  • Bilder, Videos, Links, Orte, Bücher oder Musik teilen – und entscheiden, welche Arten von Kontakten diese Inhalte dann sehen sollen.
  • Die geteilten Inhalte erscheinen dann in einem Feed – der ausschließlich nach Erscheinungsdatum angeordnet ist.

So sieht es aus, wenn man etwas auf Vero postet:

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Wenn es keine Werbung gibt: Wie finanziert sich das Unternehmen?

Aktuell ist die App noch kostenfrei. Das wird sich allerdings ändern: Da es im Netzwerk keine Werbung gibt, wird Vero sich über einen Mitgliedsbeitrag finanzieren. Momentan gibt es eine Art Eröffnungsangebot, die erste Million User sind "auf Lebenszeit" von dem jährlichen Beitrag befreit.

Wie hoch der Beitrag sein wird, wenn die Million Nutzer überschritten ist, verrät das Unternehmen noch nicht. Es soll sich jedoch um einen "niedrigen Betrag" handeln.

Außerdem gibt es für Händler die Möglichkeit, über einen "Jetzt kaufen"-Button Waren über die App zu vertreiben. In diesem Fall wird eine Provision für Vero fällig.

Wer steckt hinter Vero?

Entwickelt wurde Vero von einem Team um Ayman Hariri, einem Milliardenerben und Unternehmer libanesischer Herkunft. Hariri war zuvor auch stellvertretender Geschäftsführer und stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Saudi Oger, einer Baufirma in Saudi-Arabien, die in die Kritik geriet, weil sie Löhne nicht zahlte, und ihre Geschäftstätigkeit einstellen musste. (t3n)

Wie funktioniert die Anmeldung?

Um sich anzumelden, muss man diese Informationen zur Verfügung stellen:

  • Name: Es gibt keine Pflicht, den echten Namen zu verwenden, Die App "ermutigt" Nutzer aber, das zu tun, um leichter gefunden zu werden.
  • Telefonnummer: Zur Anmeldung muss man eine Mobilnummer angeben, an die dann ein Verifizierungscode gesendet wird.
  • Mail-Adresse: Auch eine gültige Emailadresse müssen Nutzer angeben – diese wird dann zum Login verwendet.

(Bild: Vero)

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

Vor allem Facebook steht für seinen Umgang mit Nutzerdaten oft in der Kritik. Auch Vero wird in sozialen Netzwerken schon für seine Nutzungsbedingungen kritisiert – und die Behauptung, ein wirklich nutzerfreundliches Netzwerk zu sein, infrage gestellt.

Bemängelt wird vor allem ein Passus, in dem es um die Nutzungsrechte an den geposteten Inhalten geht: Die Regelung ermöglicht es Vero beispielsweise, Inhalte von Nutzern ohne Gegenleistung weiterzuverwenden. Vero hat die Nutzungsbedingungen daraufhin noch einmal aktualisiert – die Skepsis bleibt jedoch. (The Independent)

Andere stört, dass man zur Anmeldung sowohl neben Namen und Mail-Adresse auch eine Telefonnummer angeben muss. In seinen FAQ rechtfertigt sich das Unternehmen damit, dass Telefonnummern schwerer zu fälschen seien als Email-Adressen.

Nach eigener Aussage erhebt Vero nur die Informationen, die zum Gebrauch des Netzwerks notwendig seien. Diese würden außerdem mit branchenüblichen Technologien verschlüsselt und gesichert.

Und wie ist es so bei Vero?

Das aktuell wohl größte Problem für alle, die Vero ausprobieren wollen: Momentan gibt es noch große technische Schwierigkeiten. Die App braucht ewig zum Laden, Posts schlagen fehl, Nachrichten können nicht geöffnet werden. Beim Test zeigt sich zwei Stunden lang nur ein Ladebildschirm.

Auf Twitter entschuldigt sich das Vero-Team fleißig – man arbeite daran, die Server an die wachsende Nachfrage anzupassen. Die ersten Nutzer haben allerdings jetzt schon genug.

Wird Vero jetzt das nächste Facebook oder Instagram?

Abwarten. Das Interesse vieler Nutzer scheint auf jeden Fall geweckt zu sein, die Download-Zahlen gehen weiterhin in die Höhe. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die App allerdings nicht störungsfrei nutzbar – was das Nutzungserlebnis deutlich schmälert.

Und auch davon abgesehen sind viele Menschen skeptisch – Internet-User sind inzwischen sensibilisiert, was die Sicherheit ihrer Daten angeht. Kann Vero die Bedenken in dieser Hinsicht nicht glaubhaft aus dem Weg räumen, könnte das für viele Menschen ein Grund sein, die App nicht zu nutzen.

Generell herrscht bei vielen Nutzern noch ein Misstrauen gegenüber Vero. Viele macht auch stutzig, wie die App innerhalb weniger Tage dermaßen erfolgreich werden konnte.

Doch selbst wenn diese Fragen geklärt sind: Auch in der Vergangenheit gab es einige neue Portale, die sich vorgenommen hatten, das neue, "bessere" Facebook zu werden – und allesamt wieder in der Versenkung verschwunden sind. (Oder ist irgendjemand von euch noch bei "Ello" oder "Peach" unterwegs?)

Durchsetzen konnten sich eher Anbieter, die sich in ihrer Funktionsweise deutlicher von Facebook oder Instagram unterscheiden – zum Beispiel Snapchat oder Jodel. Möglich, dass auch Vero zu nah an den gewohnten Apps ist, um tatsächlich genug Menschen für einen Wechsel zu begeistern.


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