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Wie die Telekom mit "Stream On" das Internet in zwei Klassen aufteilt

21.12.2017, 11:49 · Aktualisiert: 21.12.2017, 15:55

Das Angebot der Telekom klingt gut: Wer einen Magenta-Tarif hat, kann sich eine Option kostenlos dazubuchen, mit der Audio- oder Video-Streaming nicht mehr vom monatlichen Datenvolumen runtergeht. "Stream On" heißt das Angebot, Hunderttausende Kunden sind schon dabei.

Praktisch: Wer unterwegs Spotify hört, belastet nicht sein Datenvolumen.

Dabei könnte man es jetzt belassen und lieber nicht fragen, warum ausgerechnet die Telekom hier auf Einnahmen verzichtet. Die Telekom: 73,1 Milliarden Euro Umsatz im Jahr, 218.341 Mitarbeiter weltweit, börsennotiert.

Sicher nicht aus Nettigkeit.

Außerdem gibt es Ärger. Die zuständige Aufsichtsbehörde, die Bundesnetzagentur, hat der Telekom Teile von "Stream On" verboten: Das Angebot verstöße gegen Roaming-Regeln und die Netzneutralität.

Warum verzichtet die Telekom auf Einnahmen?

In Deutschland gibt es drei große Netzanbieter: Telekom, Vodafone und O2. Den Markt teilen sie sich zu fast gleichen Teilen untereinander auf – der Anteil der Telekom ist ein paar Prozentpunkte niedriger. (Statista)

So begründet die Telekom ihr Streaming-Angebot: "Ein Riesenvorteil im harten Wettbewerb um Abokunden."

Warum geht der Staat dagegen vor?

  • Die Telekom bietet "Stream On" nur innerhalb Deutschlands an. Mobilfunkprovider dürfen mittlerwelie beim Roaming im europäischen Ausland den Datenverkehr nicht mehr beschränken oder extra abrechnen.
  • Bei Video-Streams wird die Qualität reduziert, damit nicht zu große Datenmengen übertragen werden. Die Telekom spart so Geld – aber die Bundesnetzagentur sieht hier einen Verstoß gegen die Netzneutralität. Also dagegen, dass im Netz alle gleich sind. Jeder Anbieter hat dieselben Chancen und kann sich einen schnelleren Zugang zu den Kunden nicht erkaufen.

Warum darf die Telekom Spotify-Daten anders behandeln?

Eigentlich gilt die Netzneutralität, also das Prinzip, das alle Daten gleich behandelt werden. So werden die Streaming-Daten von der Telekom auch nicht schneller übertragen als andere Daten – sie werden nur nicht abgerechnet.

In dem Moment, in dem das Datenvolumen aufgebraucht ist und Nutzer gedrosselt werden, wird auch das Streaming gedrosselt.

Umgangen wird das Prinzip der Netzneutralität trotzdem: bei der Abrechnung. Da geht es dann nicht mehr um die Übertragung. Aber die Telekom sortiert: Die einen Daten werden vom Volumen abgezogen, die anderen nicht. "Zero Rating" wird das genannt.

Verbraucherschützer warnen: Auf lange Sicht führe das "Stream On" zu weniger Wahlfreiheit der Verbraucher und zu höheren Mobilfunkpreisen. (SPIEGEL ONLINE)

Wer gehört nun dazu — und wer nicht?

Darüber müssen sich Nutzer selbst vorher informieren. Etliche bekannte Angebote sind dabei (Apple Music, Spotify, YouTube, Netflix) – aber gerade kleinere Anbieter oder Start-ups fehlen.

Das "Stream On"-Angebot der Telekom steht zwar allen Anbietern offen. Kosten werden dafür auch nicht fällig. Spotify zahlt keine Datengebühren an die Telekom und muss keine Abogebühren mit der Telekom teilen.

Aber Anbieter müssen sich bei der Telekom anmelden, und nicht jeder Anbieter hat die Ressourcen, um in diversen Ländern mit allen möglichen Providern extra Verträge abzuschließen.

Auch wenn der Zugang zum Telekom-Angebot prinzipiell allen offen steht: Große Anbieter sind im Vorteil.

Was passiert mit einem spannenden Internetradio aus Chile, das die Details des deutschen Mobilfunkmarkts nicht auf dem Schirm hat und so benachteiligt wird?
Tomas Rudl, netzpolitik.org

Auch Vodafone hat in Deutschland ein ähnliches Angebot. Bei "Vodafone Pass" werden die Kosten aber nicht mit dem herkömmlichen Tarif abgegolten wie bei der Telekom. Vodafone-Nutzer müssen die "Zero Rating"-Angebote jeweils extra dazubuchen und bezahlen. (netzpolitik.org)

Wie geht es weiter?

Die Telekom verteidigt ihr "Stream On"-Angebot. Aber selbst, wenn die Telekom nachbessern muss, bleibt das Grundproblem: Die Bundesnetzagentur geht nicht gegen das "Zero Rating" vor. Denn bei der Regelung der Netzneutralität wurde den Providern hier ganz bewusst ein Schlupfloch gelassen.

Ändern lässt sich das über Gesetze. So haben sich die Parteien zur Bundestagswahl positioniert:

  • Die SPD will Ausnahmen eng begrenzen.
  • Die Grünen wollen keine Ausnahmen von der Netzneutralität.
  • Die Linken wollen Netze in öffentliches Eigentum überführen.

Union und AfD haben dazu keine Position im Programm. (Deutschlandfunk Nova)

Wo kann man sich engagieren?

  • In Deutschland setzt sich die Initiative Digitale Gesellschaft für Netzneutralität ein.
  • Auf europäischer Ebene sammeln Aktivisten auf der Seite Respect My Net Beispiele für Verstöße gegen die Netzneutralität.

Gerechtigkeit

Der Prozess gegen den BVB-Attentäter beginnt

21.12.2017, 10:33 · Aktualisiert: 21.12.2017, 10:53

Vor acht Monaten soll Sergej W. versucht haben, die Spieler von Borussia Dortmund tödlich zu verletzen. Bei dem Splitterbomben-Angriff auf den Mannschaftsbus im vergangenen April wurde der Dortmunder Abwehrspieler Marc Bartra durch Metallsplitter verletzt. Ein Polizist, der die Mannschaft begleitete, erlitt ein Knalltrauma.

Heute beginnt der Prozess gegen den 28-Jährigen in Dortmund. 

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: 

  • 28-facher versuchter Mord,
  • in zwei Fällen gefährliche Körperverletzung,
  • und das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. (ZDF)

W. soll die Sprengsätze in einer Hecke des Mannschaftshotels platziert und beim Vorbeifahren des BVB-Busses ferngesteuert ausgelöst haben. (T-Online)