05.04.2018, 14:00

In fünf Minuten bis zum Wahnsinn

Ich muss einfach mal die Pause-Taste drücken. Ich brauche Ruhe. Für einen Moment dringt kein grässliches Geschrei mehr aus den Lautsprechern, vergessen ist das Milchpulver auf dem Teppichboden, verdrängt die nach dem Windelfehlwurf kotbeschmierten Tapeten. Wenn ein Baby wirklich so anstrengend wäre, dann würde die Geburtenrate hierzulande sicher zurückgehen.

Aber der "Mother Simulator" ist glücklicherweise nur ein Spiel.

Es geht darum, sich an einem Roboter-Baby als Mutter zu beweisen oder auch als Vater. Windeln wechseln, Schnuller suchen, Fläschchen geben: Bei diesen Aufgaben ist das Spiel ziemlich nah dran an der Realität. Mit einem Baby gibt es ja wirklich immer was zu tun.

Wie im wahren Leben geht es beim "Mother Simulator" darum, ein schreiendes Baby möglichst schnell zu beruhigen. Ein Countdown am Bildschirmrand zeigt an, wie viel Zeit man dafür noch hat. Wenn man das Fläschchen nicht schnell genug mit Milch gefüllt oder dem Baby einen dreckigen Schnuller in den Mund gesteckt hat, dann ist die Mission rasch gescheitert. Viel Frust ist garantiert.

Steppe Hare Studio
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1/12

Das Elterndasein fühlt sich im "Mother Simulator" an wie in einem furchtbaren Fiebertraum. Die Steuerung ist grauenhaft, der monotone Soundtrack nervt zusätzlich zum Babygeschrei und dem grölenden Publikum im Hintergrund, das offenbar den Eindruck verstärken soll, man befinde sich in einer Game-Show oder eine Sitcom.

Das alles wird auch im weiteren Spielverlauf nicht besser, wenn die Entwickler den Zeitdruck erhöhen, weil man nun auch selbst essen und aufgrund einer Lebensmittelvergiftung ständig aufs Klo rennen muss.

Keine Belohnung vom Robo-Baby

Irgendwann muss man zahlreiche Countdowns im Blick behalten und die Windel durch den Flur in den Mülleimer werfen, weil zu wenig Zeit bleibt, die Wohnung zu durchqueren. Der Stress ist eine ganz gute Vorbereitung für werdende Eltern. Aber von einem echten Kind wird man zumindest irgendwann belohnt mit einem Lächeln. Beim "Mother Simulator" gibt es nur aufmunternde Sprüche und das verzerrte Gesicht eines gruseligen Robo-Babys als Dank.

Die russischen Entwickler des Steppe Hare Studios wollten mit dem Spiel nach eigenen Angaben ein "witziges Projekt über die schwierigen Wochentage von jungen Eltern" basteln. Das Spiel solle dafür sorgen, dass man sich besorgt, verwirrt, ahnungslos und hilflos fühle. Das ist ihnen gelungen.

"Mother Simulator" reiht sich ein in die Tradition der Trash-Games und spielt in einer ähnlichen Liga wie "Catlateral Damage" und "Goat Simulator". Auch wenn beim Windel-Weitwurf im Hinterhof und beim Wickeln in der zwischenzeitlich völlig grund- und sinnlos vereisten Wohnung immer mal wieder ein bisschen Spielspaß aufblitzt: Unterm Strich treiben einen Stress, Steuerung und Sound schon nach wenigen Minuten in den Wahnsinn.

Mit netten Ideen halten die Entwickler die Spieler allerdings bei Laune und lassen sie dann doch mehr Frust ertragen als zunächst gedacht.

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


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