Bild: Unsplash / Twitter @tama_ai_mayor (Bento-Montage)

14.04.2018, 14:16 · Aktualisiert: 14.04.2018, 14:16

Ein Kandidat schickt die Künstliche Intelligenz ins Rennen.

Maschinen erledigen immer mehr Jobs, in manchen Branchen werden kaum noch Menschen arbeiten müssen. Politiker allerdings haben sich bisher keine Sorgen machen müssen, dass sie eines Tage von einer Künstlichen Intelligenz (KI) ersetzt werden könnten.

Zu früh gefreut!

In Japan kandidiert jetzt eine KI um den Posten als Bürgermeister von Tama, einer Stadt in der Präfektur Tokio (Golem). Wie geht das? Und was hat der Roboter vor?

Am 15. April wird in Tama der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin gewählt. Doch das wird vermutlich nicht besonders viele Menschen interessieren: Bei der Wahl im Jahr 2014 erreichte die Wahlbeteiligung in diesem Bezirk einen Negativ-Rekord, gerade mal 34,47 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. 80.000 von 120.000 Wahlberechtigten gingen nicht ins Wahllokal.

Das ärgert Menschen wie Michita Matsuda. Der 44-Jährige bemerkte die Politikverdrossenheit seiner Mitmenschen und beschloss, selbst zu kandidieren. Oder besser gesagt: eine Kandidatin ins Rennen zu schicken.

Gestatten: AI Mayor.

Mit diesem Wahlplakat wirbt der Kandidat für die KI.

Mit diesem Wahlplakat wirbt der Kandidat für die KI. (Bild: Twitter @tama_ai_mayor)

"Zum ersten Mal auf der Welt tritt eine KI bei einer Wahl an", schrieb Matsuda auf Twitter, als er die Kandidatur bekanntgab.

Aber warum das Ganze?

Die Künstliche Intelligenz treffe schnellere und effizientere Entscheidungen als Menschen, sagte Matsuda in einem Interview (Business Insider Japan). So könnten beispielsweise Budgets viel effektiver verteilt werden. Sein Beispiel: Menschen würden vorsichtshalber höhere Budgets für Projekte einplanen. Wenn am Ende des Jahres etwas übrig bliebe, würde dieses Geld häufig für absurde Dinge verschleudert – nur damit die eigene Abteilung im kommenden Jahr kein geringeres Budget bekomme.

Eine KI würde so etwas nicht tun, ist sich Matsuda sicher. Außerdem habe die KI keine persönlichen Interessen und sei dadurch nicht anfällig für Korruption.

Matsuda erwähnt in diesem Zusammenhang einen Gerichtsprozess in Tama, in dem es darum ging, dass städtische Beamte bei der Vergabe von Kindergartenplätzen bevorzugt wurden. Solche Fälle würden seiner Meinung nach das Vertrauen der Menschen in die Politik zerstören.

Also ganz uneigennützig?

Naja. Matsuda ist der offizielle, menschliche Kandidat hinter der KI-Kampagne. Bereits 2014 war er als Anwärter auf das Bürgermeisteramt angetreten – und hatte mit großem Abstand verloren. Von der neuen Idee erhofft er sich ein besseres Ergebnis.

Als kleine Sozialstudie ist das Projekt ebenso beunruhigend wie spannend. Wie viele Menschen werden ihre Stimme einem Roboter geben? Sind politische Entscheidungen nicht immer auch moralische Abwägungen, bei denen wir uns Menschen noch am ehesten trauen sollten?

Die Fragen müssen sich die Wähler und Wählerinnen in Tama nun stellen. Dass dort bald eine KI die Macht übernehmen könnte, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Japanische Medien schätzen Matsudas Chance auf einen Wahlsieg als extrem gering ein.


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