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So sieht das streng kontrollierte Internet in China aus

28.07.2016, 14:58 · Aktualisiert: 28.07.2016, 14:58

Was hinter der Großen Firewall läuft

Das Internet, wie wir es kennen, vernetzt weite Teile der Welt. China aber macht nicht mit: Das Internet funktioniert im Reich der 1,4 Milliarden Chinesen anders. Und das liegt nicht nur an der Großen Firewall, dem Webseiten-Blocker der chinesischen Regierung, mit der sich die chinesische Einheitspartei vor Negativschlagzeilen schützen und den eigenen Markt stärken will. Liebevoll wird die zensierte Version des Internets auch Chinternet genannt.

Alltag in der U-Bahn in Peking

Alltag in der U-Bahn in Peking (Bild: Natalie Mayroth)

Wer China ärgert, wird geblockt. Darunter fallen teilweise die Angebote der Deutsche Welle oder der "New York Times". Aber auch auf chinesischen Plattformen wird nach Schlagworten gefiltert und zensiert. Oft geteilte Beiträge und Videos werden extra geprüft – einige verschwinden plötzlich wieder aus dem Web.

Seit 2003 ist der Schutzschild chinaweit scharf geschaltet. Facebook und Twitter wurden 2009 gesperrt, dann Google, Instagram kam Ende 2014 dazu, nachdem Bilder von Protesten in Hongkong geteilt wurden. Selbst in den Bergen oder in der Bahn ist oft eine schnelle LTE-Verbindung möglich. Nur nicht ins ausländische Internet.

Rund jeder zweite Chinese ist online. Das sind mehr als 688 Millionen Menschen. Dabei besitzen viele keinen herkömmlichen Computer. 620 Millionen Chinesen surfen mit Telefon oder Tablet: Ein riesiger Markt also für eigene Social-Media-Apps und Onlineshops. Nach Angaben des chinesischen Informationsministeriums nutzten Ende 2015 bereits mehr als 375 Millionen Chinesen mobile Bezahldienste über 400 Millionen kauften online ein. In den Bahnen linst jeder in sein Smartphone oder verschickt Sprachnachrichten.

In den Vororten der Millionenstädte haben Junge und Alte ein internetfähiges Handy. Wer aus dem Chinternets ausbrechen möchte, besorgt sich ein virtuelles privates Netzwerk, kurz VPN, um die Internetzensurstelle auszutricksen. Der Promoter Fran, 19, hat sogar drei: Einen auf dem Handy und zwei für den Computer, falls einer mal wieder nicht geht. Besonders wenn der Volkskongress tagt, ist das oft der Fall. Dennoch möchte er nicht auf Soundcloud, Instagram oder Gmail verzichten.

(Bild: Natalie Mayroth)

Vieles, was wir in Deutschland kennen, gibt es auch als chinesische Version: Statt Google gibt es Baidu, statt Twitter Weibo, statt Facebook Renren und statt YouTube Youku. Weltweit nutzen 650 Millionen Menschen die App WeChat, die asiatische Variation von WhatsApp.

1. Die Übermacht WeChat

WhatsApp ist zwar in China nicht geblockt, doch ihr chinesischer Gegenspieler WeChat alias Weixin ist die Überapp schlecht hin. Sie sieht zwar fest genauso aus, doch man kann mit ihr nicht nur GIFs verschicken, sondern auch bezahlen. "Ich benutze WeChat, um mit meinen Freunden zu kommunizieren. Mit der Pay-Funktion zahle ich meine Miete und manchmal kaufe ich darüber auch Kleidung oder bezahle im Restaurant", sagt Min, 30, akademische Mitarbeiterin.

Damit ist sie nicht die Einzige. "Du brauchst es, um mit anderen in Verbindung zu bleiben und um berufliche Kontakte aufzubauen", sagt Paul, der als Künstler arbeitet. Von Onlineshopping ist er zwar kein Fan, aber ein Didi (chinesische Version des Fahrtdienstes Ueber) bestellt der 27-Jährige schon mal.

WeChat ist nicht nur unter Freunden gängig. Neue Bekanntschaften scannt man schnell und addet sie damit, aber auch Firmen sind auf den Geschmack gekommen. So wurde die App zum meist genutzten mobilen Marketingtool. In den "Momenten", in etwa vergleichbar mit der Facebook-Chronik, werden nicht nur Selfies, sondern auch Waren angeboten. WeChat gehört zum Konzern Tencent wie auch QQ, die App mit dem kleinen Pinguin.

2. ICQ war gestern, QQ ist heute

Wer sich noch grau an den Messenger erinnern kann, dem fällt die Ähnlichkeit zu QQ auf. Das Programm wird aber nicht so sehr von Freunden, sondern vor allem in Büros genutzt. Ähnlich wie Slack in den USA oder zunehmend in Europa. "Ich nutze täglich verschiedene Apps", erzählt Min. Die Erste davon ist QQ. "Zum Chatten mit Freunden, aber vor allem um mit meinen Arbeitskollegen zu schreiben." QQ ist zum Arbeitstool geworden, hat aber auch einen eigenen Musikdienst. Zur Anmeldung bekommt man automatisch eine QQ-Mail-Adresse. Den Messenger gibt es auch mit englischer Benutzeroberfläche.

3. Weibo – China kann auch zwitschern

Weibo ist quasi das Twitter unter roter Flagge. Auch wenn die Kommunikation hier auf 140 Zeichen beschränkt ist, lässt sich auf dem chinesischen Mircoblogging-Dienst weit aus mehr sagen, denn ein Zeichen ist eine Silbe und manchmal ein ganzes Wort. "Weibo war bis Anfang 2014 sehr beliebt. Viele bekannte Persönlichkeiten nutzten Weibo, um ihre Meinung mitzuteilen. Das ist heute anders", sagt Hua, 35, die als Projektkoordinatorin arbeitet. Vieles habe sich in den vergangenen Jahren auf WeChat verlagert, auch die Unternehmenskommunikation ziehe langsam nach.

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Teil 2: Das chinesische Facebook und die blaue Allespforte

28.07.2016, 14:57

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