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Throwback: Was wir als Teenager im Internet getrieben haben

16.09.2016, 18:54 · Aktualisiert: 17.09.2016, 13:30

Mit dem Smartphone im Bett liegen und Facebook checken? Vor acht Jahren war das noch nicht drin. Die Zeit vor dem Desktop teilte man sich mit Eltern und Geschwistern. Wenn es mal später wurde, hat Mutti einfach den Router ausgesteckt. Ganz einfach. Kein Instagram, kein Twitter, kein Facebook. Nur die Vorläufer von dem, was wir heute unter Internetkultur verstehen.

Wir haben nachgefragt, was die Teeanger von damals im Internet getrieben haben.

Verena, 23, über Eventshooters.com

(Bild: Christopher Glanzl )

Welche Seite hast du als Teenager am liebsten aufgerufen?

Angefangen hat alles mit sms.at, dann haben meine Freunde und ich irgendwann Eventshooters entdeckt. Auf Eventshooters konnte man sich ein Profil anlegen, den Beziehungsstatus angeben (ganz wichtig) und je nach Laune die "Special Friends" einstellen, die dann mit einem Herz in der Freundesliste angezeigt wurden. Partyfotografen veröffentlichten dort Bilder der umliegenden Dorffeste, ich glaube, das war der eigentliche Sinn von Eventshooters. Es ging damals schon um Selbstinszenierung.

Wie lange warst du täglich online?

Ich weiß nicht mal mehr, ob ich da täglich drauf war. Aber wenn nicht, habe ich zumindest täglich daran gedacht. Damals war Internet noch ein rares Gut und ich musste meine Mutter um Erlaubnis fragen, ob ich rein darf. Dann war meine Zeit meist auf eine halbe Stunde oder Stunde beschränkt.

Haben deine Eltern irgendwann rumgenervt, weil du zu oft online warst?

Meine Mutter war sehr konsequent und hat nicht rumgenervt, sondern einfach das Internet abgedreht. Geheim surfen war auch schwierig, denn wenn meine Mutter telefonieren wollte, während ich gerade heimlich nachschaute, welchen Beziehungsstatus der süße Typ aus der Parallelklasse eingestellt hatte, hörte sie das Modem-Rauschen in der Leitung und ich war am Arsch.

Das Beste an Eventshooters?

Das Beste war, dass man dort mit Menschen schreiben konnte, mit denen man sonst nie in Berührung gekommen wäre. Ich weiß noch, dass ich immer mit einem Mädchen aus Linz geschrieben habe.

Ihr Nickname war sowas wie PuNkPriiiNceSS und wir haben uns täglich über Avril Lavigne und schwarzen Nagellack ausgetauscht. Das fand ich damals sehr super und auch wichtig. Auch wenn Eventshooters wohl eher ein Dorf-Phänomen war, hat es einen ein bisschen aus dem eigenen Kaff rausgeholt.

Inwiefern hat dich deine Lieblingsseite auf das Internet, wie wir es heute kennen, vorbereitet?

Wie schon gesagt: Schon auf Eventshooters ging es um Selbstinszenierung, nur in abgeschwächter Form. Die wichtigsten Fragen waren: Wie cool ist mein Username? Welchen inspirierenden Spruch stelle ich auf mein Profil? Und vor allem: Welcher ist der spannendste Beziehungsstatus?

Ich glaube, dass mich Eventshooters insofern also ganz gut auf die heutige Realität vorbereitet hat, in der es nur darum geht, sich selbst von seiner besten Seite zu zeigen und online ein neues Ich zu schaffen.

Sara, 33, über yahoo.com

Welche Seite hast du als Teenager am liebsten aufgerufen?

Verrückt, aber wahr: www.yahoo.de. Ich fand Chatten schon toll, als es noch Zettel schreiben hieß. Das hat sich mit dem Internet ganz einfach aufs Mail-Schreiben verlagert.

Wie lange warst du täglich online?

Der Tab war immer offen, wenn ich während meiner Ausbildung am Computer saß. Ich hoffe, mein damaliger Chef liest nicht mit, aber ich hatte oft zu wenig zu tun und habe mir die Zeit damit vertrieben, mit meinem damaligen Freund zu schreiben.

Haben deine Eltern irgendwann rumgenervt, weil du zu oft online warst?

Nein. Zum einen, weil ich zuhause keinen Computer hatte, und zum anderen hatte ich schon als Kind immer ein Buch vor der Nase. Die waren wohl auch froh, dass ich mich allein beschäftigen kann. Und ich habe ja keine Ballerspiele gespielt.

Was war das Beste am Chatten?

Was es heute immer noch ist: die Aufregung, wenn man eine neue Nachricht bekommt. Damals waren Mails noch der einzige Weg, online mit Freunden zu kommunizieren.

Dafür hat sich meine yahoo-Mailadresse seit 14 Jahren nicht geändert, meine Postadresse aber ein halbes Dutzend-Mal.

Inwiefern hat dich deine Lieblingsseite auf deinen heutigen Beruf vorbereitet?

Das Internet schläft nie, und Nachrichten auch nicht. Wohl kein Zufall, dass ich das zu meinem Beruf gemacht habe. Heute arbeite ich als Onlineredakteurin bei einer internationalen NGO.

In der Fotostrecke: So haben die Homepages Mitte der Zweitausender-Jahre ausgesehen

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Timo, 25, über beepworld

(Bild: Maria Kotylevskaja)

Wie lange warst du täglich auf deiner Lieblingswebsite Beepworld?

Meist ging ich direkt nach der Schule an den Rechner, ein paar Stunden chatten, kurze Pause für die Hausaufgaben, dann bis zum Abendbrot wieder ran.

Haben deine Eltern rumgenervt?

Ständig. Besonders, da meine Eltern während meiner Online-Ausflüge telefonisch nicht erreichbar waren. Damals gingen wir noch über ein piependes 56k-Modem online. Allein bei der Formulierung "online gehen" fühle ich mich alt. In ein paar Sätzen sage ich sicher auch Datenautobahn. Später hatten wir einen Tarif mit 500-MB-Frei-Traffic und jedes weitere Megabyte kostete extra. Selbstredend blieben wir keinen Monat unter 500 MB.

Was war das Beste an Beepworld?

Bei Beepworld hatte ich meine erste Homepage. Klick, klick, fertig. Ich war damals 12 Jahre alt und aufgeregt wie vor der ersten Rasur.

Meine Mutter hatte die AGB ausgedruckt und wir gingen sie in der Küche gemeinsam durch.

Dabei strichen wir die Passagen an, die uns nicht gefielen.

Das war natürlich genauso effizient, wie einfach auf "Akzeptieren" zu klicken, hat sich aber wichtiger angefühlt. Wenn du damals deine Website optimieren wolltest, konntest du sogenannte "Beepcodes" kaufen. Es war 2003, also ein paar Jährchen vor Paypals One Touch, daher musstest du per Telefon eine teure 0190-Nummer anrufen und einer Computerstimme zuhören, die dir einen Code diktierte, den du wiederum auf Beepworld einzugeben hattest, um die Features freizuschalten.

Inwiefern haben dich die Funktionen bei Beepworld auf das Internet, wie wir es heute kennen, vorbereitet?

Beepworld war meine erste Community, mein erstes Social Network, auch wenn der Begriff so erst später aufkam. Es gab einen Chat und ein Forum. Alles war nach Interessen geordnet und so lernte ich schnell Gleichgesinnte kennen, die zu Freunden wurden. Natürlich gab es auch hier schon Hater und Trolle, Fakes und alte Perverse.

Da waren auch die Cybersex-Suchtis – meist Typen, die sich als Frauen ausgaben – und im Privatchat fragten "willst du cs?".

Beepworld gab sich kinderfreundlich und autokorrigierte das 'cs' zu "Willst du cola saufen?". Durch die Absurdität dessen wiederum war 'cola saufen' in meinem Freundeskreis lange Zeit das Synonym für Intimitäten, wie heute vielleicht das "chill" aus "Netflix and chill". Hier begann ich auch, Medien- und Netzkompetenz zu entwickeln.

Mathias, 33, über uboot

Welche Seite hast du als Teenager am liebsten aufgerufen?

Eine der Seiten, die in meiner Jugendzeit wirklich groß wurde, war uboot.com. Die Seite ging 1999 online, da war ich eh schon 16. Und das war für damals ganz was Neues, zumindest für meine Freunde und mich.

Und die Seite hat anscheinend was richtig gemacht, da es es sie sehr lange gab. Ich kann mich noch dran erinnern, dass einer meiner Neffe zehn Jahre nach mir dort ein Profil hatte und die Seite wirklich intensiv nutze.

Wie lange warst du täglich online?

Ich weiß es nicht mehr genau. Aber ich denke, dass ich täglich schon mehrere Stunden im Netz unterwegs war. Nicht nur auf uboot.com, sondern einfach generell. Ich hab in dem Alter meinen ersten eigenen PC und Internet zu Hause bekommen. Vorher war Netz nur in der Schule und bei Freunden möglich, da musste ich das schon voll auskosten. Da hat man dann sämtliche Möglichkeiten genutzt: surfen, Musik herunterladen, chatten, selbst programmieren anfangen.

Haben deine Eltern irgendwann rumgenervt, weil du zu oft online warst?

Nein, eigentlich nicht. Meine Eltern hatten da eigentlich einen recht entspannten Zugang. Vermutlich weil ich zu dem Zeitpunkt schon zwei erwachsene Geschwister hatte und sie sich nicht mehr damit rumärgern wollten.

Außerdem war der Allgemeinheit auch noch nicht so bekannt was dieses Internet eigentlich ist.

Was war das beste an uboot?

Dass es eine neue Plattform war, die wir so vorher nicht kannten. Du hattest Nicknames und eigene Profilseiten. Durch die Seite hat man mit irgendwelchen Menschen aus ganz Österreich Kontakt aufgenommen, herumgeschrieben und gechattet. Und man hat eine eigene Mailadresse bekommen. Das war damals wirklich toll, inzwischen würde die Seite vermutlich abstinken.

Inwiefern hat dich deine Lieblingsseite auf das Internet, wie wir es heute kennen, vorbereitet?

Ich würde jetzt nicht sagen, dass es speziell diese eine Seite war, die mich auf das Internet von heute vorbereitet hat. Aber diese Zeit damals schon. Das Auftauchen neuer Webseiten, das Herumexperimentieren mit dem für uns neuen Netz, das Ausloten der Möglichkeiten. Das hat zu einem großen Teil mein Interesse am Technischen und am Internet geweckt. Etwas, das mich seither beruflich immer begleitet und Teil meines Lebens ist.

Duygu, 24, über rotten.com

Wie lange warst du täglich auf rotten?

Internet war für mich als Teenager was Besonderes. Ich war maximal eine Stunde online – denn online sein hieß, sich an einen ziemlich sperrigen PC setzen, warten bis alles hochgefahren ist – und dann noch mehr warten. Alles super langsam. Ich weiß nicht, wie lange ich heute an so einem Ding aushalten würde. Wie haben wir damals überhaupt überleben können? UNVORSTELLBAR.

Haben deine Eltern irgendwann rumgenervt, weil du zu oft online warst?

Meine Eltern hatten zuhause einen PC und drei Kinder. Da kam es gar nicht dazu, dass man zu oft online war. Es gab ein ausgeklügeltes Rotationsverfahren. Kind 1, Kind 2 und dann Kind 3.

Was war so interessant an Rotten?

Die Seite war für mich mit 13, 14 Jahren so eine Art guilty pleasure. Irgendwie verboten, irgendwie eklig. In der Schule konnte man sich quasi damit battlen, dass man auf rotten noch was Ekligeres als der andere gesehen hatte. "OAAHHH hast du den Typen gesehen, dessen Arm von einem Gabelstapler abgerissen wurde? Heftiggg!!"

Inwiefern hat dich deine Lieblingsseite auf das Internet, wie wir es heute kennen, vorbereitet?

Damals wusste ich es nicht, aber das war die beste Vorbereitung, die man hätte haben können. Egal, ob man will oder nicht, man begegnet heute überall im Netz ziemlich krankem Scheiß. Rotten war kranker Scheiß – von der ersten bis zur letzten Seite. Danke, rotten.com – dafür, dass du mich für kranken Internetscheiß abgestumpft hast.

Ronja, 23, über MySpace

Wie lange warst du täglich auf MySpace?

Ich glaube, schlimmerweise war in Teenager-Jahren auf jeden Fall Myspace meine Lieblingsseite – davor nazis-raus.de, haha. Ich war bei Myspace mal locker fünf Stunden am Tag, besonders gern auch nachts. Kaum geschlafen, nur neue Musik gesucht und mit Gleichgesinnten geschrieben.

Haben deine Eltern irgendwann rumgenervt, weil du zu oft online warst?

Irgendwie haben meine Eltern sich daran wenig gestört und mir sogar die Freundschaften gegönnt, die sich damals darüber entwickelt hatten. Sie unterstützen mich darin, das war ziemlich korrekt von denen, weil sie mir so eine Menge Erfahrungen ermöglicht haben.

Was war besonders toll?

Das Beste an Myspace war, dass Musik die Basis dafür war sich auszutauschen und irgendwie direkt eine Mehrdimensionalität in so eine anfänglich total oberflächliche digitale Beziehung zu bekommen. Und man kannte plötzlich Menschen, die so weit weg von einem waren und einen verstanden haben und da waren, obwohl man sich im Alltag so alleine und fehl am Platz gefühlt hat. Quasi eine digitale Szene, was die Emo- und Hardcore-Szene ja auch waren.

Was hast du damals über das Internet gelernt, was dir noch heute nützlich ist?

Auf heute hat es mich insofern vorbereitet, dass ich vermutlich eine spezielle soziale Kompetenz über das Internet gelernt habe, die mir sonst nicht zugänglich gewesen wäre. So eine digitale Intuition. Außerdem hat mir Myspace wahnsinnig viel Zugang zu Musik und einem demokratischen Internet ermöglicht, dass so ein absurder Platz für alle und niemanden ist.


Haha

Wenn ein Geschäft das iPhone 7 abfeiert – und nur zwei Kunden kommen

16.09.2016, 17:07 · Aktualisiert: 16.09.2016, 17:25

Früher war mehr Lametta.

Seit Freitag ist das! Neue! iPhone! 7! Im Handel! Im dänischen Städtchen Viborg hat sich ein Handyladen extra auf den ganz großen Ansturm vorbereitet: Mit goldenen Luftballons, einem roten Teppich und einer Konfetti-Kanone warten sie auf Kundschaft.

Und dann kommen: zwei gelangweilte Typen.

Der dänische Sender Midtvest TV hat den magischen Moment mit der Kamera festgehalten. Kein Vergleich mehr zu den Zeiten, als noch Hunderte Fans tagelang vor Apple Stores auf aller Welt campten. Mehr als 325.000 Views hat das Video in den ersten Stunden gesammelt, mehr als tausend Nutzer kommentieren den Fail.

Der Mitarbeiter mit der Konfetti-Kanone gab auf jeden Fall alles: