Bild: MachineGames / Bethesda

09.08.2018, 13:32 · Aktualisiert: 09.08.2018, 15:21

Drei Fragen, drei Antworten

Videospiele dürfen ab sofort Hakenkreuze und andere verfassungsfeindliche Symbole zeigen. Das teilte die zuständige Prüfstelle Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) mit. Bisher war das kategorisch ausgeschlossen. Spiele, die Hakenkreuze oder SS-Runen zeigten, durften in Deutschland nicht vertrieben werden. (USK)

Wann genau dürfen die Symbole gezeigt werden?

Das hängt von der sogenannten Sozialadäquanz ab. In der Kunst, Bildung oder Wissenschaft durften Hakenkreuze zum Beispiel gezeigt werden, wenn damit ein einordnender oder bildender Zweck verfolgt wurde. Verherrlichende oder werbliche Darstellungen der Symbole bleiben weiterhin verboten.

Ab sofort entscheidet die USK für jeden Einzelfall, ob die Darstellung adäquat ist oder nicht. Trotzdem kann es natürlich weiterhin passieren, dass ein Spiel zwar Hakenkreuze zeigen dürfte, aber wegen zu krasser Gewaltdarstellungen indiziert wird.

Warum ist das wichtig?

Filme und andere Kunstformen, die sich mit dem Dritten Reich befassten, durften schon lange Hakenkreuze zeigen, Videospiele aber nicht. Denn Filme waren von der Kunstfreiheit geschützt. Videospiele aber wurden nicht als Kunstform angesehen. Dafür verantwortlich ist die unklare Auslegung eines Gerichtsurteils aus dem Jahr 1998. (Gamestar)

Seither ging man juristisch davon aus, dass Spiele, anders als andere Kulturgüter, die Symbole nicht sozialadäquat zeigen könnten. Daher sortierte die USK sie sofort aus. Wer auf dem heimischen Markt erscheinen wollte, musste Darstellungen im Spiel ändern.

Das sorgte unter anderem dafür, dass das Videospiel "Wolfenstein II – The new Colossus" 2017 in Deutschland eine komplett andere Handlung hatte als in allen anderen Ländern.

Der Shooter spielt in einem fiktiven Szenario, in dem die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben. Als Protagonist kämpft man gegen sie und versucht, sie zu stoppen. "Wolfenstein II – The New Colossus" hat im Original eine sehr kritische Haltung gegenüber den Nazis und vermittelt über krasse Szenen, Gegner und Zitate die Unmenschlichkeit ihres Regimes.

In Deutschland hingegen traf man im Spiel einen "Herrn Heiler" ohne Lippenbart, die Vernichtung der Juden wurde komplett ausgeklammert. Die Soldaten ohne Hakenkreuz sprachen von "Verrätern", die sich nicht mehr im Arbeitslager zu Tode schufteten, sondern "in Gefangenschaft sterben".

Selbst jiddisch sprechende Charaktere beherrschten auf einmal Hochdeutsch. Der eigentlich gut gemeinte Ansatz, Nazis nicht zu verherrlichen, wurde komplett umgekehrt und spielerische Kritik unmöglich gemacht. (SPIEGEL ONLINE)

Wie kam es zu der Änderung der Rechtslage?

Ein aktueller Fall dürfte dazu beigetragen haben: Vor der Bundestagswahl erschien das Satirespiel "Bundesfighter 2 Turbo" des Bohemian Browser Balletts gratis im Internet.

Kandidaten verschiedener Parteien konnten sich dort bekämpfen, Alexander Gauland von der AfD beherrschte dazu eine Hakenkreuz-Attacke. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wollte trotz einer Strafanzeige nicht dagegen ermitteln und erklärte, dass die Entscheidung von 1998 veraltet sei.

Auch die USK verkündete nun, dass sich die die "Rechtsauffassung der zuständigen Obersten Landesjugendbehörde" geändert habe.

Und damit dürfen deutsche Spielerinnen und Spieler bald wieder ganz offiziell virtuelle Nazis abknallen.


Grün

Lidl verkauft in Großbritannien "fehlerhaftes" Gemüse günstiger – warum nicht in Deutschland?

09.08.2018, 13:23 · Aktualisiert: 09.08.2018, 14:50

Wir haben nachgefragt – vier Fragen, vier Antworten

Krumme Gurken, zu dicke Zucchini, hässliche Möhren: Schön sind sie nicht – essen kann man sie aber trotzdem. Die Supermarktkette Lidl hat genau dazu nun eine neue Kampagne mit dem Namen "Too good to waste" gestartet. Allerdings nur in Großbritannien

Bei dem Pilotprojekt werden derzeit 122 der 710 Filialen auf der Insel mit "fehlerhaftem Gemüse" beliefert, wie "jetzt.de" berichtet. Diese etwas unschönen Gemüseartikel werden dann zu günstigeren Preisen als "B-Ware" verkauft.