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Neue Like-Funktion: Facebook sortiert unsere Gefühle

28.01.2016, 10:13 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:26

Fünf Emojis statt nur "Gefällt mir"
Mein Foto hat 23 bei Facebook

Was noch ein wenig ungewohnt klingt, wird für Millionen Menschen in den kommenden Wochen Realität: Facebook erweitert seinen "Gefällt mir"-Button. Künftig soll es neben dem "Gefällt mir" oder "Like" auch die Optionen Sad, Angry, Wow, Haha und Love geben.

Was zunächst einmal nur wie ein nettes Gimmick aussieht, ist mit Blick auf das von Facebook weltweit eingeführte Konzept, etwas zu liken, eine massive Veränderung – als würde Coca-Cola etwas am Rezept ändern.

Der Like-Button ist zu einer Kulturtechnik geworden: Menschen knipsen Fotos, erzählen Stories, machen Dinge, damit sie möglichst häufig geliked werden. Dazu hat sich eine ganze Industrie um die Idee herum entwickelt, Inhalte zu erstellen, die möglichst oft gemocht werden. 1,6 Milliarden Mal klicken wir Nutzer täglich auf den Like-Button. Das "Gefällt mir" auf Facebook ist das jüngste Gericht, das über Aufstieg und Niedergang von Stars und Marken entscheiden kann.

Häufig genug aber fühlt es sich auch total daneben an, auf Like zu drücken. Etwa dann, wenn man auf Facebook vom Tod eines Menschen erfährt: "Drücke auf Like, um deine Trauer auszudrücken", heißt es dann manchmal. Trotzdem fühlt sich das schrecklich an.

Auch deshalb führt Facebook nun neue Emojis ein: Du findest etwas traurig?

anklicken. Ganz einfach.

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Künftig könnte Facebook uns am Montagmorgen besonders viele lustige, bunte Geschichten zeigen. Ein bisschen weniger Aufregung. Weniger Wut. Vielleicht kommt es dann zu weniger Verkehrsunfällen? Steigt das Bruttosozialprodukt? Oder aber Facebook dreht an seiner Sortierfunktion und stürzt uns alle in tiefe Trauer.

Studien haben bereits gezeigt, dass Facebook in der Lage ist, die Stimmung von Menschen zu beeinflussen. Wollte Facebook weltweit einen "happy monday" einführen, wäre das durch das Filtern von Inhalten via Emoji-Abstimmung der Nutzer ohne Weiteres möglich.

Die Grundlage für diesen Schritt haben wir alle geschaffen: Aktuelle Zahlen von Facebook zeigen, dass sich eine Milliarde Menschen täglich bei Facebook einloggen, 93 Prozent davon über ein Handy oder Tablet.

Chris Cox, Produktchef bei Facebook und für die Aufbohrung des Like-Buttons verantwortlich, gibt diesbezüglich knapp zu Protokoll: "Smartphone-Nutzer verwenden nur ungern das Keyboard."

Klar, kann man sich ja vorstellen: Anstatt mühselig etwas ins Smartphone zu tippen, einfach mal kurz einen Smiley schicken. Reicht vollkommen. Weltweit anerkannt und gängig. Nur ewig Gestrige regen sich da noch über eine vermeintliche Verflachung der Kultur auf.

Mit Blick auf die Erweiterung des Like-Buttons um eben jene sechs Emojis könnte diese visuelle Form der Kommunikation weiter gestärkt werden. In Asien hat sich bereits eine lebendige Form der Interaktion rund um Sticker und Emojis entwickelt. Sprache fällt dabei zurück: Wir geben einfach mit Smileys an, wie uns etwas gefällt, wie wir uns fühlen.

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Das Team um Mark Zuckerberg wird dadurch mit einer wohl nie zuvor existenten Präzision die Welt zum eigenen Vorteil vermessen können, schließlich dürfte es um ein zigfaches einfacher sein, die Häufigkeit eines verwendeten Emojis auszuwerten, als Muster von Emotionen, respektive Stimmungen aus Millionen von schriftlichen Kommentaren herauszulesen. Menschen verstehen, was mit "Gefällt mir" im jeweiligen Kontext gemeint ist, Maschinen müssen das lernen und irren sich öfter.

Die so gewonnenen Daten können Facebook noch reicher machen und dabei helfen, neue Produkte zu bauen, die den Nutzer noch enger an Facebook binden. Dabei gehört Facebook schon jetzt dein Smartphone, das Unternehmen registriert via Facebook App, Messenger, Instagram und WhatsApp, was du machst, wem du schreibst, wo du bist, was dich interessiert. Die so vermessenen Nutzer bekommen dann passgenaue Werbung angezeigt.

Wozu das aber auch führen kann: Schadenfreude, Hass, Ironie. Ein Posting über ein brennendes Flüchtlingsheim? 500 "Yay". Ein Politiker wird verdächtigt, korrupt zu sein? 800 "Haha". Das mussten schon die "Bild"-Zeitung und andere Medien lernen, die unter ihren Artikeln den schnellen Kommentar mit einem Emoji ermöglichen. Der "Like"-Button ist da strenger.

Facebook sortiert künftig jedenfalls auch unsere Gefühle.



In einer früheren Version dieses Artikels war davon die Rede, dass Facebook auch einen Yay-Button einführen würde. Facebook hat sich jedoch anders entschieden und es wird doch keinen Yay-Button geben.