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Bild: dubsmash.com

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Karaoke als App: Wie drei Berliner Dubsmash groß gemacht haben

16.10.2015, 14:57 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:21

Roland Grenke und seine zwei Mitgründer haben ein Internet-Phänomen erschaffen: Dubsmash. Wie haben sie das geschafft?

Roland Grenke hat Cara Delevigne zum Rappen gebracht, Adam Levine zum Brüllen und Hugh Jackman zum Katy-Perry-Singen. Roland Grenke und seine zwei Mitgründer haben ein Internet-Phänomen erschaffen: Dubsmash.

Die Berliner Gründer haben das Prinzip Karaoke in eine App gepackt: In einem Dub kann ein Nutzer ein bekanntes Audio-File - etwa ein Film-Zitat - auf ein Video von sich selbst legen und so in die Rolle des "Eier-wir-brauchen-Eier“-Olli-Kahn oder des "Banana"-Minions schlüpfen. Mit ein wenig Timing wird ein witziges Video daraus. 

Mehr als 75 Millionen mal wurde Dubsmash runtergeladen, da war die App noch kein Jahr alt. Der Erfolg ist längst weltweit, in Dutzenden Ländern war Dubsmash Nummer 1 in den App-Stores. Bislang verbinden viele die Clips von Promis mit Dubsmash. Bald solle es noch leichter werden, selber Dubs zu erstellen, sagt Grenke. 

Die könne man zum Beispiel in Chats einbauen, "wie ein Emoji oder ein GIF". Auf dieser Ebene popkultureller Bedeutung sieht er seine Dubs. Keine Frage: Der 27-Jährige will etwas Bleibendes schaffen.


Leicht wird das nicht, auch nach dem bisherigen Erfolg: Hype-Apps gab es viele, aber wer hat heute noch Yo oder Foursquare auf seinem Telefon? Will Dubsmash weiter wachsen, muss Grenke Nutzer in weiteren Ländern fürs Dubben begeistern. Inder und Indonesier erwarten Tonschnipsel aus ihren heimischen Blockbustern, in ihrer Sprache. Bis Ende des Jahres will Dubsmash sein Team internationalisieren und 30 Leute beschäftigen – doppelt so viele wie bisher.

Geld dafür ist da. Neben Hollywood hat auch das Silicon Valley Dubsmash für sich entdeckt: 5,5 Millionen Dollar steckten kürzlich zwei globale Superstar-Fonds in Grenkes Firma Mobile Motion, darunter der von Chris Sacca. Der frühe Twitter- und Uber-Investor adelt bislang nur wenige Europäer mit seinem Geld.

Die Dubsmash-Gründer Jonas Drüppel, Roland Grenke und Daniel Taschik

Die Dubsmash-Gründer Jonas Drüppel, Roland Grenke und Daniel Taschik

Grenke ist nicht überrascht, dass er sich zuerst mit amerikanischen Investoren handelseinig wurde: "Deutsche Investoren haben lieber den Spatz in der Hand, Amerikaner sind risikobereiter." Denn trotz seines Erfolges verdient Dubsmash bisher keinen Cent – und ähnelt damit Snapchat oder Instagram, die in den Jahren ihrer weltweiten Expansion voll auf Kosten ihrer Investoren lebten und erst jetzt vorsichtig ans Geldverdienen denken. 

Bei Dubsmash gehen Inhalte derzeit vor, neue Länder oder Sprachen. "Man kann als Gründer tausend Sachen machen, die den Fokus vom Produkt ablenken. Werbekunden zu suchen, hätte uns viel Arbeit gekostet", sagt Grenke. Monetarisierung als unterste Priorität - viele deutsche Mittelständler bekämen Schnappatmung. 

Selbst im Kreis anderer Berliner Erfolgsgeschichten sticht Dubsmash damit heraus. Bei Zalando oder Lieferheld war von Anfang an klar, womit Geld verdient werden kann. Auf solche Ideen stünden deutsche Investoren, sagt Grenke. Mark Zuckerberg hätte es hierzulande wohl schwer gehabt mit seiner Idee für ein kostenloses Freundesnetzwerk. 

"Deutsche Investoren haben lieber den Spatz in der Hand, Amerikaner sind risikobereiter"
Dubsmash-Gründer Roland Grenke


Das Problem beginne schon beim Personal der deutschen Gründerszene: "In Deutschland gründen die BWLer, in den USA die Techies", sagt Grenke, selbst Betriebswirt. Seine Fachkollegen würden oft nicht weit genug denken. 

Viele wollten nur den deutschen Markt bedienen, "das entsteht aus dem Copycat-Denken hierzulande“. Wer in den USA erprobte Geschäftsmodelle kopiert, hat aber automatisch einen erfahreneren Konkurrenten und scheut oft das direkte Duell auf dessen Märkten. Dubsmash sei dagegen sofort mit drei Sprachen gestartet. Die weltweite Eroberung der Homescreens steckt quasi in der DNA des Unternehmens.


Auch auf bento: Byte ist eine wilde Mischung aus Tumblr und Snapchat-Stories.

Ob die Berliner Gründer die fortsetzen können? Ungewiss. Snapchat könnte Dubs wohl leicht als zusätzliche Funktion integrieren. Auch die Kurzvideo-Plattform Vine will interessanter für Prominente werden und als Entertainment-Netzwerk Dubsmash den Rang ablaufen. Vine hat im Zweifel deutlich mehr Geld - die Plattform gehört zu Twitter, einem Milliarden-Konzern mit viel tieferen Taschen.

Die Berliner haben in dem Kampf ganz eigene Verbündete: Sie schließen Partnerschaften mit großen US-Fernsehsendern, um Zitate aus populären Sendungen featuren zu können. Seit Ende September arbeiten sie mit der Produktionsfirma Lionsgate zusammen, um Soundfiles aus den "Tributen von Panem“ nutzen zu können. 

Mit Katniss Everdeen an ihrer Seite kann eigentlich nicht viel schiefgehen.

Was ist der wichtigste Rat für junge Gründer, Roland Grenke?

"Wir haben 2013 angefangen, in meinem Wohnzimmer die Vorläufer von Dubsmash zu entwickeln, da habe ich noch studiert. Man kann eine Gründung schon vorbereiten, wenn man noch einen anderen Job hat. Man kann sein Team zusammenstellen und erste Prototypen seiner App bauen.

Ein Screenshot, eine Landing Page, einen einfachen Dummy – das reicht. Dann sollte man gleich Feedback von Nutzern einholen. Wir haben damals zu lange mit den ersten Tests gewartet. Inzwischen gilt für mich das Motto des LinkedIn-Gründers Reid Hoffman: „Wenn dir dein erstes Produkt nicht peinlich ist, hast du zu lange damit gewartet.“

Dubsmash früher und heute


Auf dem Campus wird gejodelt: Wir haben mit den Machern der Jodel-App gesprochen.