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Nutzer von Dating-Apps führen die stabilere Beziehung, sagen Forscher

02.11.2017, 17:24 · Aktualisiert: 14.11.2017, 12:06

Und nebenbei sorgen sie für eine buntere Gesellschaft.

Unverbindlicher Sex, Oberflächlichkeiten und Bindungsängste: Dating-Apps und ihre Nutzer sind oft verschrien. Zu Unrecht, wie zwei Forscher herausgefunden haben.

Ihre zwei Erkenntnisse: Paare, die sich über Dating-Apps kennenlernten, führen bessere und stabilere Beziehungen. Und viele Partnerschaften sorgen gleichzeitig auch noch für eine buntere Gesellschaft.

Was wurde untersucht?

Josue Ortega von der Uni Essex und Philipp Hergovich von der Uni in Wien sind Ökonomen. Für ihre gemeinsame Arbeit haben sie zuerst eine Theorie aufgestellt.

Die Kernidee: Früher hat man vor allem über Freunde, Nachbarn und Bekannte den Partner fürs Leben kennengelernt. Das war ein relativ kleiner Kreis an Menschen und man blieb weitestgehend unter sich. Reiche lernten vor allem Reiche kennen, Weiße vor allem Weiße und Muslime vor allem Muslime.

Online-Dating hat das revolutioniert, denn nun kommt man einfach und schnell mit vollkommen Fremden in Kontakt – aus anderen Gruppen, Regionen, Ethnien und Kulturen.

Das, so überlegten die beiden, müsste eigentlich dazu führen, dass die Anzahl von Hochzeiten zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarben und Herkünfte steigt. Berechnet haben sie dies allerdings nur anhand von heterosexuellen Paaren, obwohl Dating-Apps auf homosexuelle Beziehungen einen deutlich größeren Einfluss haben. (MIT Technology Review)

Nachdem ihr Modell fertig war, glichen sie es mit US-Daten der letzten zwei Jahrzehnte ab. Der Effekt ließ sich einfach nachweisen:

Wir haben herausgefunden, dass der Effekt schnell eintritt und eine Gesellschaft davon profitiert, selbst, wenn sich nur wenige Menschen online kennenlernen.

Was genau kam heraus?

Die US-Daten zeigten, dass es zwei Anstiegswellen bei bunten Ehen gab: 1995, nach der Gründung der ersten Dating-Website match.com und 2014, nach der Verbreitung von Tinder.

Doch nicht nur die soziale Integration zwischen vorher abgeschotteten Gruppen wurde verändert: "Unser Modell sagt außerdem voraus, dass Ehen in Gesellschaften mit Online-Dating stabiler sind", erklären die Wissenschaftler. Dieser Effekt wird auch von anderen Studien bestätigt. (WDR)

Was sollte man bedenken?

Die Berechungen von Ortega und Hergovich stimmen zwar mit den realen Zahlen überein. Das bedeutet aber nicht, dass ihre Grundannahme richtig sein muss und die Dating-Portale für die gesellschaftlichen Prozesse verantwortlich sind. Beispielsweise könnten auch die gestiegene Mobilität, der Aufstieg sozialer Netzwerke oder bessere Aufklärung dafür gesorgt haben – oder eine Mischung aus allem.

In Statistik-Grundkursen wird dies oft so erklärt: "Nur weil es weniger Störche und weniger Geburten in Deutschland gibt, bedeutet das nicht, dass die Störche die Babys bringen." Aber vielleicht bringt Tinder sie ja in Zukunft.

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