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Unangenehm: Ein Bundeswehr-Chatbot macht Werbung für die Kriegsserie "Mali"

06.10.2017, 17:01 · Aktualisiert: 06.10.2017, 18:53

Die Bundeswehr startet nach ihrer erfolgreichen YouTube-Serie "Die Rekruten" (bento) ein neues Erzählformat. "Mali" heißt die Sendung, die Zuschauer am Leben von Soldatinnen und Soldaten beim Einsatz im gleichnamigen afrikanischen Staat teilhaben lässt.

Neben der Serie bietet die Bundeswehr einen virtuellen Ansprechpartner an, dem Zuschauer der Sendung Fragen stellen können:

Ein Chatprogramm namens "MaliBot".

Der Bot ist in den Facebook-Messenger integriert und beantwortet Anfragen, schickt Bilder und Videos von Soldaten im Kampfeinsatz, Hubschraubern, die Wüstenstaub aufwirbeln und Einheimischen. Ein virtueller Pressesoldat, der Werbung macht und mit echten Menschen spricht.

(Bild: Screenshot: bento)

Dazu gehört auch die Erklärung der Hintergründe zum echten Mali-Einsatz der Bundeswehr, offiziell MINUSMA genannt. So erklärt MaliBot:

Mali leidet seit 2012 an einer schweren Krise: Der Norden des Landes wird von ethnischen und religiösen Konflikten geprägt, während Islamisten versuchen, Teile des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen.
Nach dem Bürgerkrieg in Libyen 2011 kam eine große Zahl schwer bewaffneter Söldner - unter ihnen auch Islamisten - nach Nord-Mali und verbündeten sich dort mit Tuareg-Rebellen. Im Januar 2012 brachen Kämpfe zwischen den Rebellen und dem Militär aus.
Der User wird Nachrichten, Videos und Bilder aus dem Einsatz erhalten - so, als wäre ein Freund in Mali direkt dabei - nicht live, aber in Echtzeit 24/7.
Pressemitteilung der Bundeswehr

Die auf den ersten Blick ganz nette Idee weckt allerdings eher dystopische Gefühle.

Ein Computerprogramm will mich mit in den Krieg nehmen, "hautnah"?

Während man sich weltweit über Drohneneinsatz und automatisierte Kriegsführung streitet, macht ein Bot Werbung für das Militär?

Ganz so schlimm ist es zum Glück (noch) nicht, die meisten Fragen versteht der Bot (noch) nicht und verweist bei Problemen auf menschliche "Kameraden". Ob es besser ist, sich von einem anonymen Mitarbeiter des Bundeswehr-Pressekorps den Einsatz erklären zu lassen, sei dahingestellt.

(Bild: Screenshot bento)

Wegen seiner Verständnisprobleme macht man sich auf Twitter derweil schon einen Spaß daraus, den MaliBot zu verarschen:

Am Ende fehlt dann aber wohl doch der Mensch in der Maschine.

Dennoch fühlt es sich mehr als unangenehm an, sich von einem Computerprogramm vorgefertigte Antworthäppchen, Befehlston (Es heißt "Jawohl!") und Lagepläne von Militärcamps anzeigen zu lassen.

Weil es sich zu sehr nach Videospiel anfühlt, dabei geht es dabei doch um echte Menschenleben. Um einen echten Einsatz.

Und natürlich würde einem der Pressebot keine schlimmen Bilder zeigen, wenn etwas passiert. Würde keine Fotos von angeschossenen Soldaten zeigen, von Autobomben oder verletzten Zivilisten. Stattdessen vermitteln die Videosnippets ein Bild von Action und Abenteuer.

Am Ende ist er eine Werbemaßnahme, um Nachwuchs zu rekrutieren. Auch, wenn man ihn gut verarschen kann.

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