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Wir haben Bitcoin-Anhänger gefragt, warum sie ihr Geld aufs Spiel setzen

28.11.2017, 14:51 · Aktualisiert: 30.11.2017, 10:49

Nicht mal die Immobilienpreise in München steigen derart schnell.

Alle reden gerade über Bitcoin – die Kryptowährung aus dem Internet. Ohne staatliche Kontrolle. Sie soll demokratisch sein, inflationsgeschützt, das Finanzsystem revolutionieren. Aber vielen geht es vor allem ums Geld anlegen.

Denn der Wert der ältesten Kryptowährung explodiert gerade: Anfang des Jahres kostete ein Bitcoin rund 1000 Euro. Jetzt sind es 9000 Euro.

Und wer Geld in Bitcoin steckt, heizt den Kurs weiter an.

Ob der Anstieg weitergeht und Kleinanleger jetzt noch auf Gewinne hoffen können – unklar. Bitcoin ist nicht weniger kompliziert als ein Indexfonds. Aber während die viele lieber die Finger vom spekulativen Aktienmarkt lassen, investieren sie jetzt in Krypto.

Dabei ist das alles andere als sicher.

Bankenchefs und Finanzaufseher warnen eindringlich vor den digitalen Coins: Sie seien unreguliert, unvorhersehbar. Spekulationen, Hackerangriffe und Diebstähle bei Bitcoin-Plattformen lassen den Kurs schwanken.

Trotzdem erlebt die Währung gerade einen Hype. Klar: Während sich unsere Banken und Sparkassen immer neue Gebühren ausdenken und es für Geld auf dem Konto praktisch keine Zinsen mehr gibt, werden Bitcoin-Anleger gerade reich.

(Bild: dpa / Jens Kalaene)

Die Kryptowährung gibt es erst seit 2009. Im August hat sie sich wieder geteilt: Neben Bitcoin gibt es nun auch Bitcoin Cash. Und dann sind da noch Hunderte andere Kryptowährungen, die Anhänger suchen: Ethereum, Litecoin und wie sie alle heißen.

Wir haben junge Menschen gefragt, warum sie ihr Geld in Kryptowährungen investieren:

Christoph Janssen, 31, Haldern, Tischlermeister

Ich wollte schon seit Jahren irgendwo Geld investieren. Aber der Aktien- und Devisenmarkt hat mich immer abgeschreckt. Das System ist alt und komplex, man braucht in meinen Augen viel Wissen und Zeit. In der Kryptowelt steht alles am Anfang. Man kann zu vergleichsweise niedrigen Preisen in etwas Zukunftsträchtiges investieren.

Im Juli habe ich das erste Mal für 200 Euro Litecoins auf der Plattform Coinbase gekauft.

Um mich zu informieren, habe ich anfangs viel in der Facebook Gruppe "Kryptowährungen, Blockchain, Bitcoin - einfach, klar und ohne Abzocke" gelesen. Der Gruppenleiter Dr. Julian Hosp hat das Krypto- Unternehmen TenX mitgegründet. In seinen YouTube-Videos erklärt er das ganze System auch für Laien verständlich. An den Gesprächen in der Gruppe habe ich zum Teil auch meine Kaufentscheidungen orientiert.

Vielleicht hinkt der Vergleich etwas – andererseits: Anfangs wollte auch niemand was von diesem "Internet" wissen, und was ist daraus geworden?
​Christoph Janssen

Mittlerweile bin ich in einer bezahlten, internationalen Krypto-Handelsgruppe mit circa 20 Leuten. Drei Spezialisten geben sogenannte "Calls" auf der Basis von Analysen, wie sie auch auf dem Aktienmarkt zu finden sind. Wirklich verrückt. Zu 85 bis 90 Prozent haben die Jungs auch tatsächlich Recht.

Ich glaube, es führt in der Zukunft kein Weg an Krypto vorbei. Ich habe schon oft gelesen, dass die Kryptowelt mit dem Beginn des Internets verglichen wird.

Kevin, 31, Mainz, Vermögensverwalter

Ich bin erst spät eingestiegen. Man geht ja schon erst mal mit einer gewissen Skepsis ran, weil das Thema recht komplex ist.

Überzeugt hat mich, dass Kryptowährungen dezentral und demokratisch organisiert sind. Sie sind damit nahezu fälschungssicher und keine Notenbank kontrolliert sie. Die maximale Anzahl von Bitcoins ist außerdem mathematisch beschränkt – das ist nicht wie bei unseren Notenbanken, die einfach Geld drucken können, wann sie wollen. Unser Papiergeld ist im Grunde nichts wert.

Ich habe erstmal zur Hälfte nur Bitcoin und Ethereum gekauft. Mittlerweile habe ich auch in Bitcoin Cash und Ripple investiert. Das sind die vier größten Währungen aktuell. Neo und IOTA finde ich auch sehr spannend, werden allerdings an der Börse, an der ich handele, aktuell nicht angeboten. Und ich bin zu faul, mich deswegen noch wo anders anzumelden.

Gerade große Banken sprechen ja jetzt schon von einer Blase. Ich sehe das anders.
Kevin

Was die digitale Sicherheit angeht, bin ich entspannt. Auch mein normales Konto kann ja gehackt werden. Alles ist unsicher. Und ich habe auch nicht mein ganzes Vermögen in Krypto gesteckt, sondern nur 5 Prozent meiner Anlagen. Man sollte ja nicht alle seiner Eier in ein Körbchen packen.

Dass jetzt so viele auf den Zug aufspringen, ist in meinen Augen nur menschlich. Die Leute hören, wie viel Geld man damit machen kann und wollen nichts verpassen.

Ich glaube, dass Kryptowährungen als langfristiges Investment noch einiges hergeben. Ich würde aber nie nur auf eine setzen, denn welche sich am Ende durchsetzt, kann ich nicht sagen.

Veronika, 29 Jahre, Berlin, berät NGOs rund um Whistleblowerschutz

Vor ein paar Monaten hatte ich das erste Mal ein bisschen Geld übrig. Ein Kollege hatte vorher schon versucht, mich von Kryptowährungen zu überzeugen und auf einer Hackerkonferenz hatte ich viele Leute getroffen, die mit Bitcoins Geld gemacht haben. Also wollte ich das mal ausprobieren.

Klar hätte ich auch in Aktien oder sowas investieren können. Aber wegen 500 Euro gehe ich nicht zum Anlageberater. Die Einstiegshürde bei Krypto ist einfach niedriger: Man kann schon mit ein bisschen Taschengeld mitmachen und sieht direkt Gewinne. Aus meinen 500 Euro sind in wenigen Wochen 800 geworden.

Die Idee, auf technischer Ebene Vertrauen zu erzeugen, finde ich ziemlich gut.
Veronika

Super kompliziert fand ich es nicht. Ich habe mir die App Coinbase runtergeladen und mein ganzes Geld erst mal in Ethereum gesteckt. Klar muss man auch hier den Markt verstehen. Aber ich muss gestehen, dass ich das Ganze nicht super ernstnehme. Für mich ist es eher eine Spielerei – ein bisschen wie Lottospielen.

Grundsätzlich glaube ich aber schon an die Technologie dahinter. Daran, dass Blockchain eine Zukunft hat.

Viele Vorgänge in unserer Gesellschaft könnten dadurch vereinfacht oder verändert werden. Die Gefahr dahinter kann ich nicht abschätzen, aber grundsätzlich finde ich die Frage auch irrelevant. Ich glaube, Kriminelle finden immer einen Weg.

Sebastian Bur, 29, Guatemala City, ehemals Lehrer, jetzt Kryptoexperte im Werden

Im Juni habe ich zum ersten Mal Bitcoin gekauft, damals für 200 Schweizer Franken. Später dann Bitcoin Ripple und andere Altcoins.

Ich habe mich immer gefragt, inwiefern unser Geldsystem uns wirklich dient, und warum Geld so viel Leid erzeugt.

Anfangs dachte ich, Kryptos sind nur eine neue Form von Geld, um die Welt noch digitaler und die Menschen noch abhängiger von abstrakten Zahlen zu machen.

Dann habe ich verstanden: Die Technologie hinter Bitcoin wird die Welt verändern. Sie speichert alle Informationen in einem sogenannten digitalen Logbuch. Alle beteiligten Personen bestätigen jede eingehende Information. Es entsteht quasi ein gemeinsamer Konsens, eine demokratische Währung.

Bitcoin ist dadurch besonders sicher, fair und billig. Es gibt keine Mittelsmänner, ich brauche keine Bank, die mir den Wert oder die Summe meines Vermögens bestätigt.

Allerdings ist das System auch sehr komplex. Ich glaube, das hält noch viele Menschen davon ab. Neu-Einsteigern kann ich nur raten: Investiere – aber sei dir bewusst, dass es noch ein sehr unsicherer Markt ist.

Das System ist noch jung, unerfahren und kompliziert. Bis die Masse darauf umsteigt, ist es noch ein langer Weg.
​Sebastian Bur

Außerdem herrscht gerade so eine Gold-Rush-Mentalität. Das führt dazu, dass manche Menschen mit Macht – YouTuber, Investoren – Leute zu waghalsigen Investitionen treiben. Man muss also vorsichtig sein, es gibt viele Haie da draußen.

Es ist aber längst nicht zu spät, einzusteigen. Konzerne wie Apple, Google, Amazon fangen auch gerade erst an, in Kryptowährungen zu investieren.

Oder lieber klassisch:

Korrektur: Die Plattform heißt Coinbase, nicht Coinbase.de. (29.11.2017)


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