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Das rechte Anonymous.Kollektiv ist wieder auf Facebook aktiv

09.03.2016, 17:32 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:28

Mimikama x bento

Der Verein aus Österreich identifiziert für bento Falschmeldungen und Gerüchte aus den sozialen Medien und stellt sie richtig. Mehr Fakes findet ihr auf Mimikama.

Rund einen Monat lang war es still auf einer der bekanntesten deutschsprachigen Facebookseiten: Anonymous.Kollektiv war verstummt. Die Seite warb mit dem Label "Anonymous", teilte aber rechtspopulistische Inhalte. Am 4. Februar veröffentlichte der unbekannte Seitenadministrator seinen vorerst letzten Inhalt: Die Nutzer sollten dem rechten Kollektiv lieber auf VK (dem russischen Pendant zu Facebook) folgen, da man befürchte, auf Facebook bitterböse zensiert zu werden.

Wer ist denn "das Kollektiv"?

Bei Anonymous.Kollektiv handelt es sich um eine Facebookseite, die mehr als 1,8 Millionen Follower hat und mit seinen Veröffentlichungen nicht die klassischen Anonymous-Ziele verfolgt, sondern sich speziell gegen Medien richtet und diese als "Lügenpresse" tituliert werden. Ferner finden sich auf der Seite durchgehend rechtspopulistische Inhalte, deutlich putinfreundliche Darstellungen, aber auch seit wenigen Monaten ein verstärktes Bewerben des rechten "Compact"-Magazins.

Anonymous.Kollektiv profitierte immer wieder von echten Anonymous-Operationen, wie zum Beispiel der #OpISIS, und verzeichnete großen Fanzuwachs, ohne überhaupt mit diesen Operationen zu tun zu haben. Denn Anonymous.Kollektiv steht recht isoliert da: Die zentral gesteuerte Seite bringt im Grunde keinerlei relevante Inhalte aus dem Anonymous-Bereich.

Vergleicht man die Seite Anonymous.Kollektiv mit dem Account "Anonymous Germany" (@AnonNewsDE), welcher echten Anon-Kreisen zuzuordnen ist, erkennt man deutliche Unterschiede: dieser Account verhält sich unpolitisch und widmet sich den klassischen "digitalen" Themen. Hier finden sich auch verschiedene Gruppen und Accounts aus der Szene vernetzt.

Auf einmal ging das Licht aus

Überraschenderweise wurden ab Anfang Februar dann einfach keine neuen Statusmeldungen mehr auf Anonymous.Kollektiv gepostet. Nach eigenen Angaben war es die willkürliche Sperre durch "Justizminister Heiko 'Orwell' Maas" und dem "Merkel Regime", weil der Administrator des Kollektivs eine Verlinkung auf verschiedene interne Dokumente des Innenministeriums getätigt hätte. Doch wenn man sich ein wenig genauer mit der Materie beschäftigt, erkennt man, dass unter dem Hashtag #FakeAnonymous in den sozialen Netzwerken (hauptsächlich Twitter und Facebook) seit Ende Januar eine großangelegte (Nutzer-)Operation gegen die Facebookseite anlief.

Teilnehmer an dieser Aktion: eine große Menge an deutschsprachigen Anonymous-Accounts, Privataccounts, sowie diverse Anonymous-Zellen. Ein Aspekt dieser Operation war die Aufklärungskampagne, wer genau dieses "Anonymous.Kollektiv" ist und welche Ziele die Seite verfolgt. Ein anderer Aspekt war das massenhafte Melden von Inhalten der Seite, so dass der Administrator-Account hinter der Seite von Facebook aus blockiert wird. Zu behaupten, dass Merkel & Maas an der Sperrung Schuld seien, ist da wohl eher eine Verdrehung der Tatsachen.

Er ist wieder da!

Nachdem es jedoch nun gut einen Monat ruhig um den Admin der Kollektiv-Seite war, ist er nun wieder zurück. Gleich der erste Artikel auf der Seite Anonymous.Kollektiv macht da weiter, wo vor einem Monat aufgehört wurde: halbseidene Theorien, suggestive Thesen und eine pietätlose Behauptung.

Das Zugunglück in Bayern als antifaschistischer Terrorakt.

Diese steile These wird nur anhand des Satzes aus einem Interview der HuffingtonPost mit Karl-Dieter Bodack, ehemaliger Entwicklungsingenieur bei der Deutschen Bahn, festgemacht. Dort sagte er, er halte es für am wahrscheinlichsten, dass ein Bahnmitarbeiter Sicherungssysteme außer Kraft gesetzt habe. Ein reines menschliches Versehen nämlich würden die automatischen Sicherungen abfangen, weit bevor es zur Katastrophe kommt.

Jedoch gab es bereits vor dem schweren Zugunglück im "Merkur" am 4. Februar einen Artikel, der über technische Mängel dieser Züge berichtete:

"München - Immer wieder steht der Meridian wegen technischer Mängel in der Kritik. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft hat deshalb nun zum Krisen-Gespräch eingeladen."

Hier also einen Defekt aufgrund des Interviews auszuschließen, ist dann doch recht einseitig und letztendlich reine Spekulation. Gerade weil die Ermittlungen noch laufen.

Pietätlos

Fragwürdig und pietätlos ist es ebenso, diese Thesen exakt einen Monat nach dem schweren Zugunglück auf Facebook erneut zu veröffentlichen, da die ursprüngliche These ja bereits am 12. Februar auf VK verbreitet wurde.

Wie gesagt: Er ist wieder da.