Bild: Tim Gouw

Future

Lasst uns alle nur noch vier Tage arbeiten

30.11.2016, 16:19 · Aktualisiert: 30.11.2016, 18:44

Wir sind so gut ausgebildet, wie lang keine Generation vor uns. Und wir sind viele.

Ich habe keine Zeit mehr. Seit ich 40 Stunden die Woche arbeite, ist Zeit meine wertvollste Ressource geworden. Dafür habe ich jetzt jeden Monat Geld auf dem Konto, von dem ich mir Dinge kaufen kann, die ich eigentlich gar nicht brauche. Musikinstrumente oder neues DJ Equipment zum Beispiel, für das mir die Zeit zum Üben fehlt. Oft reicht die Zeit nicht einmal, um neu gekaufte Platten anzuhören. Aber egal, kann ich später auch noch, sind ja jetzt erst mal da.

Stopp.

Wir brauchen eine Arbeitszeitrevolution!

Wenn wir weniger arbeiten, haben wir mehr Zeit, das zu tun, was uns wirklich glücklich macht. Jetzt leben, statt Dinge für die Zukunft zu horten. Wir können es uns leisten: Dank des technischen Fortschritts arbeiten wir nicht immer mehr, sondern immer weniger – bei steigendem Wohlstand (Zeit Online).

Natürlich bedeutet weniger Arbeit auch weniger Luxus. Doch ich verzichte gerne darauf, wenn ich die so gewonnene Zeit mit Erlebnissen füllen kann, die mein Leben wirklich bereichern. Viele meiner Freunde denken ähnlich.

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Erst spät habe ich wirklich gemerkt, welches Privileg die freie Zeiteinteilung im Studium war.

Zwar habe ich mich auch oft "Ich habe keine Zeit" sagen hören, doch die habe ich dafür genutzt, mich politisch zu engagieren, alles was mich interessiert einmal auszuprobieren, Freunde zu besuchen, die in anderen Städten studieren, oder nebenher zu arbeiten. Ich habe versucht, all das im Arbeitsleben fortzuführen, aber es klappt nicht.

Hätte ich diese Zeit wieder, ich müsste nicht lange überlegen, was ich damit anfangen soll: Jeden Tag Sport machen, regelmäßig mit Freunden kochen, spontan verreisen, Musik machen, endlich wieder ein Buch lesen, sich für seine Ideale engagieren.

Mit Freunden möchte ich gerne eine Partei gründen, die jenseits von populistischen Geschrei und Worthülsen mit Vernunft und Ehrlichkeit Probleme angeht und an eine respektvolle Diskussionskultur glaubt. Werte, die ich zurzeit oft auf schmerzliche Weise vermisse. Wir glauben, es ist eine gute Zeit dafür.

Beginnen können wir die Arbeitszeitrevolution, indem wir darauf bestehen, jede Woche nur vier Tage zu arbeiten und dabei die Arbeitszeit flexibel zu gestalten. Den Freitag können wir dann endlich wörtlich nehmen und zu Hause bleiben.

Ja, wir können das fordern. Denn die Personalabteilungen haben inzwischen begriffen, dass die Generation Y andere Ideale und Ziele hat.

Wir sind so gut ausgebildet, wie lang keine Generation vor uns. Wir sind viele. Die Firmen brauchen uns. Mit Gleitzeit und Home Office versuchen sie, uns entgegen zu kommen. Das macht zwar das Arbeitsleben komfortabler, führt aber keineswegs dazu, dass wir weniger arbeiten. Wir sind topmotiviert unser Können in den Beruf einzubringen, aber im Gegenzug möchten wir, dass die Arbeitgeber auch auf unsere Bedürfnisse eingehen.

Immerhin: Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat gerade das 200-Seiten-Dokument "Arbeiten 4.0" vorgestellt. Darin: Ideen, wie man den klassischen Acht-Stunden-Tag abschaffen kann. (sueddeutsche.de)

Unser Arbeitsumfeld ändert sich rasant, viele Jobs werden in Zukunft von Computern übernommen werden und damit wegfallen. Es ist unsere Chance, diesen Wandel mitzugestalten. Wer weiß, vielleicht wird es in Zukunft unvorstellbar erscheinen, dass wir früher jede Woche 40 Stunden gearbeitet haben.

Unsere Eltern und Chefs werden uns bestimmt vorwerfen, wir seien zu bequem. So sei das Arbeitsleben nun mal, sie selbst hätten früher schließlich auch so viel gearbeitet.

Dabei lässt sich der Wert, den wir in eine Gesellschaft einbringen, nicht nur am Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt bemessen. Die Zukunft gehört uns. Es wird Zeit, dass wir sie nach unseren Wünschen und Wertvorstellungen gestalten.

Wenn ich an das Jahr 2016 denke, an einen zukünftigen US-Präsidenten Donald Trump zum Beispiel und die Wahlerfolge der AfD, dann ist das wichtiger denn je.

Ich arbeite gerne. Wirklich. Ich glaube nichts ist unbefriedigender als ein Leben ohne Arbeit, ohne Ziel. Aber meine Träume und Wünsche werden nicht in einem Großraumbüro mit Blick in den Innenhof wahr. Zumindest nicht alle.

Oft machen wir uns die Ansprüche der Gesellschaft zu eigen, ohne zu hinterfragen, ob sie uns wirklich glücklich machen. Wollen wir wirklich so viel Geld wie möglich verdienen? Und was bedeutet überhaupt Erfolg und Karriere?

Im Strudel der Selbstoptimierung versuchen wir, Karriere und intaktes Sozialleben irgendwie in Einklang zu bringen. Dabei sollten wir uns von einer anderen Frage leiten lassen: Was macht mich glücklich?

Bin ich glücklich, wenn ich jeden Tag zehn Stunden im Büro sitze und dafür im Porsche zur Arbeit fahren kann? Oder sind die besten Dinge im Leben sogar kostenlos?

Vielleicht vergessen wir oft das Wesentliche, die Dinge, die unser Leben schön machen. Zeit für Freunde, Familie, Musik, uns für ein Thema zu engagieren, für das wir brennen.

Jeder hat Pläne und Träume, die er "irgendwann mal" verwirklichen möchte. Wir sind nicht verlegen, wenn es darum geht, Ausreden für das Aufschieben zu finden. Sollten wir aber. Sterbende bereuen vor allem die immateriellen Versäumnisse in ihrem Leben. Etwa, dass wir zu wenig Zeit mit Familie oder Freunden verbracht haben oder unserer heimlichen Liebe nie gesagt haben, was wir für sie empfinden.

Ich möchte nicht bereuen.


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