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Bild: Kevin Münkel Fotografie

Future

Wie du nach unzähligen Niederlagen endlich deinen Traum verwirklichst

14.03.2016, 18:24 · Aktualisiert: 12.04.2016, 14:28

Wie junge Menschen erst scheitern – und dann daran wachsen.

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum? Naja.

Wie schwierig es ist, diese Aufforderung in die Realität umzusetzen, zeigt das wahre Leben: Nur wenigen von uns gelingt es, den eigenen Traum vollständig umzusetzen. Stattdessen versuchen wir, es allen Recht zu machen – aus Angst davor, zu versagen oder abgelehnt zu werden.

Kommt dir diese Frage bekannt vor?

Kommt dir diese Frage bekannt vor? (Bild: Shannon / Flickr/cc by)

Unsere Wünsche und Träume geraten dabei in den Hintergrund. Doch bevor wir uns nur noch danach richten, was andere sich vielleicht für unser Leben vorstellen können, sollten wir uns mal wieder auf unsere eigenen Gedanken konzentrieren.

Wir haben mit Menschen gesprochen, die viel getan haben, um glücklich zu werden. Wir haben sie gefragt: Wie geht das?

(Bild: Kevin Münkel Fotografie)

Alexander, 29, heute Unternehmer:

Ich bin dieser Typ Mensch, dem es egal ist, ob er eine gute oder schlechte Entscheidung trifft. Ich finde: Alles ist besser, als gar keine Entscheidung zu treffen. Das Einzige, was zählt: ehrlich und aufrichtig zu bleiben.

Ich bin in den Neunziger Jahren in Berlin-Neukölln aufgewachsen. Meine Mutter, alleinerziehend, sang in der Komischen Oper und war oft auf Tournee – ich war viel alleine und baute in dieser Zeit total viel Mist. In der Schule wurde ich schlechter, ich musste zweimal die Klasse wiederholen und wechselte dann auf eine Hauptschule. Anschließend machte ich eine Lehre zum Restaurantfachmann, die ich kurz vor dem Abschluss abbrach.

Träume: Die schönsten – und kitschigsten – Weisheiten als Fotostrecke:

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Ich holte meinen erweiterterten Haupt- und Realschulabschluss nach, landete danach aber erst einmal bei verschiedenen Drückerkolonnen. Dort geisterte ich zwölf Stunden am Tag durch Treppenhäuser, nur um irgendetwas zu verkaufen. Es war eine Qual.

Ich musste mich umorientieren. Ich war damals aktiv in der eSport-Szene – und dort auch ganz gut vernetzt: Ich ging regelmäßig auf LAN-Partys, lernte viele Leute kennen, die sich auch für das Internet interessierten. Irgendwann stellte ich fest: Ich will ins Marketing.
Ich schrieb 280 – kein Scherz – Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz bei Marketing-Agenturen. Doch durch meine Schullaufbahn waren die großen Agenturen abgeschreckt. Eine kleine App-Schmiede in Hannover hat mir schließlich eine Stelle angeboten.

Ich brach meine Zelte in Berlin ab und zog nach Niedersachsen.

Mir war bewusst, dass ich nie mit denen hätte mithalten können, die studiert haben. Deswegen stürzte ich mich in Nischen-Projekte, um ein richtiger Experte zu werden: Ich kümmerte mich bei einem Streetware-Mode-Label und bei einem Musik-Blog um den Ausbau und die Kommunikation. Das ebnete mir letztlich auch den Weg zu dem Technik-Magazin t3n, bei dem ich bald darauf die nächste Stelle bekam – als Social-Media-Manager.
Hier konnte ich mich entfalten – und im Laufe der Jahre so sicher werden, dass ich an meinem Masterplan feilen konnte: selbstständig werden! Das bin ich heute – als Unternehmer unterstütze ich Start-ups. Und habe damit mein wichtigstes Ziel erreicht.

Wer nicht bereit ist, etwas zu riskieren, der wird sein Leben lang in einem Sicherheitsnetz verharren. Natürlich ist es einfach, sich an einen bequemen Zustand zu gewöhnen. Und natürlich birgen alle Neuanfänge, alle Versuche, immer Ungewissheiten und Risiken.

Aber woher kommt die Verunsicherung? Waren wir als Kinder nicht ganz anders drauf?

Als wir klein waren, interessierten uns Sicherheiten oder Unsicherheiten wenig. Wir setzten uns aufs Fahrrad und fuhren nach ein paar Metern ohne Stützräder, obwohl wir wussten, dass wir hätten fallen können. Wir sprangen vom Zehnmeterturm, obwohl wir wussten, dass ein Bauchklatscher weh tun kann. Wir machten es einfach.

Forscher der University of California in San Francisco haben eine Erklärung dafür gefunden: Demnach reagiert das Gehirn von Jugendlichen stärker auf Belohnungen als bei Erwachsenen, es fördert die Neugier stärker (zur Studie).

Das bedeutet: Jüngere Menschen überwinden ihre Ängste eher, und wenn sie dann herausgefunden haben, dass das nicht schlimm ist, überwinden sie sie noch einmal.

Hast du Rückenwind?

Hast du Rückenwind? (Bild: John Drake / Flickr/cc by-nd)

Als Erwachsener ebbt die Risikobereitschaft dann laut der Studie deutlich ab – und das mag auch zu den Erfahrungen aus dem echten Leben passen: Wir gehen zur Arbeit, obwohl wir vielleicht nicht wollen. Wir hängen einer kaputten Beziehung nach, wir trennen uns nicht von nervigen Gewohnheiten.

Der größte Feind in uns ist dabei die ständige Angst in unseren Köpfen: Wir haben Angst davor, dass unseren Partnern etwas passieren könnte oder dass wir unseren Job verlieren. Wir haben Angst davor, zu spät zu kommen oder ein Event zu verpassen.

Dabei lähmt die Angst unsere Gedanken so sehr, dass sie unsere Träume zerstört.

Die Diplom-Psychologin Ulrike Scheuermann beschäftigt sich intensiv mit Persönlichkeitsentwicklung. In ihren Büchern, auf ihrer Webseite und in Seminaren gibt sie Tipps zur Überwindung von Ängsten.

"Alles im Leben ist in Bewegung. Wir würden manchmal gern verharren, weil wir uns sicherer fühlen im Vertrauten. Aber die Entwicklungen gehen ohnehin weiter, ob wir wollen oder nicht", sagt sie.

Niemand verlangt, dass man sein Leben bis ins kleinste Detail plant. Und trotzdem kann ein grober roter Faden helfen, seine Träume in die Realität umzusetzen. Eine Sammlung von Stichpunkten reiche hier völlig aus: "Eine grobe Skizze, eine Idee, eine Vision sind vorteilhaft auf dem persönlichen Entwicklungsweg", sagt Scheuermann.

So beschreibt Tobias, 30, heute Manager bei der Marketing-Agentur Royal5, seinen Weg zum Ziel:

(Bild: Julius Gnoth Photography)

Wenn man einen Traum hat, sollte man ihn nie aus den Augen verlieren. Wenn Plan A nicht funktioniert, sollte man sofort auf Plan B umschalten. Und dann wird man nach und nach feststellen, dass dieses Herangehen einen viel schneller zur Umsetzung der eigenen Träume bringt.

Ich habe eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann gemacht, doch nach der Ausbildung ging die Firma pleite. Ich übernahm daraufhin die stellvertretende Betriebsleitung in einer Disco. Das Netzwerk dort war groß, ich fand schnell einen neuen Ausbildungsplatz bei einem Verlag in Essen. Mir wurde klar, welche Möglichkeiten es abseits von Partys in diesem Business noch gibt. Und ich wollte mehr davon.
Ich arbeitete drei Jahre lang richtig hart – und kurz vor Ende der Ausbildung erhielt ich ein Übernahmeangebot vom Konkurrenzunternehmen, der Agentur Royal5. Ich nahm es an.

Ich stieg als Junior-Projektmanager ein, erstellte für Firmen Konzepte zur Verkaufsförderung und Promotion-Konzepte. Ich habe mich über die Jahre immer mehr in die Materie reingefuchst: Ich trainierte mir Wissen in den Bereichen Verkaufsförderung, Marketingstrategien und Kommunikationsstrategien an – und knüpfte Kontakt zu Kunden, die größere Konzepte realisieren.

Über die Projekte und die Erfahrungen bin ich in der Agentur die Karriereleiter hochgeklettert. Stück für Stück.

Heute wird mir das Vertrauen geschenkt, einen eigenen Bereich zu verantworten, zu gestalten und weiter zu vergrößern. Und das alles, obwohl ich in der Schule noch dachte, dass ich Schreiner werden wollte.

Mein Geheimnis: Gehe immer einen Schritt weiter als der Rest. Ruhe dich trotzdem niemals auf deinen Erfolgen aus und setze dir lieber neue Ziele. Genau das habe ich all die Jahre gemacht und dadurch meine aktuelle Position gefunden, aus der heraus ich jungen Menschen Arbeit geben kann. Heute lebe ich einen Traum – den vom Manager im Veranstaltungs-Business.
Und wenn es nicht klappt?

Und wenn es nicht klappt? (Bild: Nicole Macdonald / Flickr/cc by-nd)

Der Mensch soll perfekt sein. Das gaukelt uns zumindest die Werbung vor: Unsere Körper müssen trainiert, unsere Beziehungen intakt sein – erst dann kann es angeblich auch mit der Karriere und dem Glück klappen.

Doch der Weg ans Ziel ist nicht immer so gerade, wie er uns vorgespielt wird. "Wenn wir uns das Scheitern erlauben, ist das eine der besten Strategien jenseits von Stillstand. Lernen funktioniert über Fehler", sagt Ulrike Scheuermann.

Wer also nach einer kleinen Niederlage direkt nicht mehr an seine Träume glaubt oder keine Lust mehr hat, sie weiter zu verfolgen, der vertut eine große Chance: zu lernen, dass das Versagen dazu gehört – und dass man nur dadurch erfährt, was das Leben wirklich bedeutet.