Bild: dpa/Ralf Hirschberger

20.04.2018, 17:22 · Aktualisiert: 20.04.2018, 17:29

Wir haben nachgefragt.

Sie haben wochenlang verhandelt, gestreikt und gewartet. Dann kam der Durchbruch: Angestellte im öffentlichen Dienst, etwa in Kitas, Stadtreinigung, Verwaltung oder öffentlichen Krankenhäusern verdienen künftig mehr Geld – zumindest in den Kommunen und in Einrichtungen des Bundes.

Das Ergebnis: 7,5 Prozent mehr Gehalt, für 2,3 Millionen Menschen in Deutschland.

Verhandelt hatte auf Seiten der Arbeitnehmer die Gewerkschaft Verdi. Ihr Chef, Frank Bsirske lobte die Einigung. Es sei "das beste Ergebnis seit vielen Jahren."

Aber was bedeutet das eigentlich? 7,5 Prozent?

Ist das viel? Wenig? Was bedeutet das für einen Erzieher oder eine Auszubildende konkret?

Wir haben drei junge Menschen gefragt, die im öffentlichen Dienst arbeiten und künftig mehr Geld bekommen. Sind sie zufrieden mit den Ergebnissen?

Max, 22, Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, München

"Als Teil der Bundesjugentarifkommission habe ich als einer der ersten von dem Beschluss erfahren und dabei nur die ganze Zeit gedacht: Wie geil ist das denn? 100 Euro mehr im Monat und einen Tag mehr Urlaub! Das ist schon ein riesiger Erfolg.

Was mich ein bisschen geärgert hat, ist die lange Laufzeit der Erhöhung. 50 Euro bekommen wir dieses Jahr und 50 Euro nächstes. Das bedeutet auch, dass wir so lange 'Friedenspflicht' haben, also nicht nochmal streiken oder weiter für unsere Rechte kämpfen können.

Wie geil ist das denn?
Max, Auszubildender in der Krankenpflege, München

Und mehr geht natürlich immer. Ich verdiene im Schnitt 1000 Euro im Monat, Netto bleibt etwas weniger übrig. In einer Stadt wie München ist das eine ziemliche finanzielle Belastung. Ich wohne zum Glück in einer Personalwohnung, dafür zahle ich trotzdem mehr als ein Drittel meines Gehalts. Andere haben noch höhere Kosten. Dazu kommen ÖPNV-Tickets und Lehrmaterial.

Aber jeder Cent mehr in der Pflege macht es ein bisschen einfacher. 50 Euro, das ist für mich schon eine ÖPNV-Monatskarte in München. Dafür kann ich dann mal ins Kino oder am Wochenende ausgehen. Nur sparen kann ich das Geld sicher nicht."

Jula, 25, Erzieherin, Bremen

Jula (links) mit ihrer Kollegin Caren

Jula (links) mit ihrer Kollegin Caren

"Was die Jugendforderungen betrifft, bin ich bei dem Ergebnis wirklich aus allen Wolken gefallen. Meine Kollegin Caren und ich sind bei uns im Betrieb zuständig für die Auszubildenden. Dass die praxisintegrierte Ausbildung jetzt tariflich bezahlt wird, ist ein enormer Zugewinn. Das bedeutet auch, dass mehr Menschen es sich leisten können, diese Ausbildung zu ergreifen.

In Bremen beispielsweise gibt es bisher nur die schulische Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher. Die Azubis bekommen dafür kein Geld. Wenn die praxisintegrierte Ausbildung mit dem neuen Tarifgehalt eingeführt wird, bekommen sie im ersten Jahr mehr als 1000 Euro. Das ist riesig.

Ich selbst verdiene um die 1700 Euro netto, meine Wohnung ist sehr günstig und mein Weg zur Arbeit nicht weit. Im Sommer steige ich in der Erfahrungsstufe, das heißt am Ende bekomme ich vielleicht 100 Euro mehr. Das ist für mich vor allem ein Mehr an Lebensqualität, ein Wochenende wegfahren oder öfter mal mit Freunden ausgehen."

Samuel, 29, Beamter im Mittleren Dienst, Berlin

"Ich verdiene ungefähr 2300 Euro Netto im Monat, durch den Tarifbeschluss bekomme ich im ersten Jahr vielleicht 70 Euro mehr, dann nochmal im kommenden Jahr. Das ist schon ganz gut, auch wenn ich davon nicht wirklich was merken werde. Wie die meisten Bundesbehörden sitzt meine in Berlin, da steigen die Mieten stärker als jeder Lohn.

Aber ich komme mit meinem Geld gut klar. Als Beamter will man sich da nicht beschweren, darf ich auch im Grunde gar nicht. Die Feuerwehrmänner, die seit Wochen in Berlin protestieren, haben sicher mehr Probleme und Berechtigung, mehr Gehalt zu fordern.

Allerdings finde ich, dass die Zuwächse in den oberen Tarifgruppen eigentlich höher sein müssten.
Samuel, Beamter im Mittleren Dienst, Berlin

Mit drei Prozent mehr für zwei Jahre bewegst du keinen guten ITler oder Juristen in den öffentlichen Dienst. Das bedeutet, da sitzen dann Juristen oder Informatiker, die es nirgendwo anders geschafft haben – und beurteilen Handelsverträge oder kümmern sich um die IT-Sicherheit der Bundesregierung."

Carolin, 26, Krankenpflegerin, Fulda

"Ich glaube, ich bekomme so 80 Euro mehr im Monat. Das macht sich schon bemerkbar. Ich komme zwar ganz gut mit meinem Gehalt klar, wohne in keiner Ballungsstadt. Hier sind die Mieten nicht so hoch. Aber das Tarifergebnis ist ja auch ein Zeichen: für die Wertschätzung des öffentlichen Dienstes im Allgemeinen.

Bisher habe ich auch eher auf dieser Ebene darüber nachgedacht: Was das für alle bedeutet.

Dass die Entgeldtabelle insgesamt überarbeitet wurde, das ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung, besonders in den unteren Stufen. Vor diesem Hintergrund finde ich das Gesamtergebnis super, vor allem für junge Leute.

Ich habe auch gemerkt, dass der Kampf und das Ergebnis mehr Leute zusammengeschweißt haben. Ich erlebe deutlich mehr Solidarität, auch mit Auszubildenden."


Haha

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20.04.2018, 16:57 · Aktualisiert: 20.04.2018, 16:59

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