03.12.2016, 17:18 · Aktualisiert: 03.12.2016, 18:37

Immer mehr Unternehmer haben ausländische Wurzeln. Was treibt sie an?

In Deutschland gibt es einen Gründungsboom unter Menschen mit ausländischen Wurzeln. Das geht aus einer Studie hervor, die das Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums durchgeführt hat. Demnach hatte fast die Hälfte aller Menschen, die 2015 ein Unternehmen gründeten, einen Migrationshintergrund.

Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Selbstständigen mit ausländischen Wurzeln in den vergangenen zehn Jahren von 171.000 auf 737.000. Die Zahl der Selbstständigen ohne Migrationshintergrund hingegen sank im gleichen Zeitraum leicht.

Start-Ups beleben die deutsche Wirtschaft. In den letzten Jahren habe das Gründungsgeschehen insgesamt allerdings an Dynamik verloren, schreiben die Autoren der Studie. Da helfe es, dass immer mehr Einwanderer ein Unternehmen gründen.

Was treibt die neuen Gründer an? Welche Rolle spielt ihre Kultur?

Wir haben mit drei Unternehmern gesprochen, die entweder selbst eingewandert sind oder deren Eltern einst aus einem anderen Land nach Deutschland kamen.

Nidal Bulbul, 32, betreibt die Kaffeebar “Bulbul Berlin” in Kreuzberg.

"Wenn der Sommer in Gaza begann, habe ich als Kind kleine Strandbars aufgebaut, um ein wenig Geld zu verdienen. 2010 bin ich nach Deutschland gekommen, zunächst habe ich als Videojournalist gearbeitet. Seit diesem Frühjahr betreibe ich das "Bulbul Berlin", eine Kaffeebar in Kreuzberg. Meinen Job als Journalist habe ich gekündigt.

Im Gazastreifen habe ich mein rechtes Bein verloren. Was kann hier schon passieren?
Nidal

Als ich mit dem unterschriebenen Mietvertrag in der Hand nach Hause ging, wurde mir klar, was ich alles aufgegeben hatte. Selbstständig war ich noch nie, mit dem Gastronomie-Business kannte ich mich nicht aus. Ich habe Monate gebraucht, um die bürokratischen Hürden zu überwinden.

Im Sommer hat das "Bulbul Berlin" direkt geboomt, aber im Winter ist es für alle Gaststätten hart. Diese Zeit muss ich nun durchstehen – auch finanziell. Die Unsicherheit nagt an mir, aber Angst habe ich nicht. Was kann schon passieren? Im Gazastreifen war ich Kriegsberichterstatter, dabei habe ich mein rechtes Bein verloren. Zeit, Geld – das ist alles ersetzbar. Ich bereue nichts.

Wer nach Deutschland eingewandert oder geflüchtet ist, hat weniger Angst, etwas zu verlieren.​​
Nidal

Manchmal glaube ich, dass Deutsche in dieser Hinsicht ängstlicher sind als Eingewanderte. Ich habe auch deutsche Freunde gefragt, ob sie sich zusammen mit mir selbstständig machen. Sie wollten nicht. Ich kann das verstehen: Das Leben ist organisiert, die Karriere geplant. Wer nach Deutschland eingewandert oder geflüchtet ist, hat weniger Angst, etwas zu verlieren.

An einem Tag im Spätsommer saß meine jüdische Nachbarin bei uns auf der Terrasse und sagte: ‘Schau, Nidal! Alle reden miteinander.’ Und tatsächlich war aus den Grüppchen an den sieben Einzeltischen eine große Gruppe geworden. Genau das war mein Traum, dafür gebe ich jeden Tag alles."

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Daniela Hüllen-Deutscher, 40, hat ein Studio für Personal Training

"Ich habe Sport studiert und schon währenddessen habe ich als selbstständige Personal Trainerin gearbeitet. Vor fünf Jahren haben mein Mann und ich dann unser eigenes Studio eröffnet. Da wir zu zweit sind und unsere Kunden persönlich betreuen, ist die Arbeit sehr zeitintensiv.

Man darf gar nicht erst anfangen, die Arbeitsstunden zu zählen – das gibt’s nicht in der Selbstständigkeit. Außerdem muss man ziemlich selbstkritisch mit sich sein. Sonst kann man keine Fehler im System beheben, schließlich ist man selbst das System.

Meine Mutter kommt aus Korea. Sie ist sehr traditionell koreanisch, obwohl sie relativ früh nach Deutschland kam. Ich würde sagen, dass ich zu 60 Prozent deutsch, und zu 40 Prozent koreanisch erzogen wurde.

Fleiß und Leistung waren sehr, sehr wichtig. Diese Eigenschaften helfen mir in der Selbstständigkeit.
Daniela

Das erste Mal war ich mit zwölf Jahren in Korea. Da erst ist mir aufgefallen, wie viel koreanische Kultur in mir steckt. Zum Beispiel stressen mich ganz wenige Sachen, ich bin dankbar und bescheiden. Gleichzeitig hat meine Mutter immer sehr großen Druck auf meine Schwester und mich ausgeübt. Wir sollten immer besser als die Anderen sein. Fleiß und Leistung waren sehr, sehr wichtig. Diese Eigenschaften helfen mir in der Selbstständigkeit.

Insgesamt denke ich, dass die deutsch-asiatische Erziehung mich ehrgeizig, aber auch selbstbewusst und mutig genug gemacht hat, mich selbstständig zu machen. Für meine Schwester gilt das auch – sie hat sich mit einem Modegeschäft selbstständig gemacht.

Andererseits bin ich in Deutschland oft zu dienstleistungsbereit, zu freundlich. Um Erfolg zu haben, musste ich erst mal lernen nein zu sagen."

Can Heinrich Toepffer, 27, ist selbstständiger Videograph

(Bild: privat)

"Mein Vater kommt aus der Türkei und meine Mutter ist Deutsche. Ich bin in Deutschland geboren und wohne mittlerweile in Berlin.

Meinen Migrationshintergrund erkennt man fast nur am Namen. Natürlich habe ich türkische Wurzeln, aber meine Heimat ist Deutschland. Ich fühle mich hier wohl und bin stolz auf das Land. Auf die vielen Typen, die Erdogan unterstützen und die Menschenrechte mit Füßen treten, bin ich nicht stolz.

Natürlich erkenne ich an mir viele Eigenschaften, die mein Vater mir mitgegeben hat. Aber die Frage ist doch, ob diese Eigenschaften tatsächlich türkisch sind oder nicht einfach charakteristisch für meinen Vater.

Das Unternehmen bin ich, also nur ich.
Can

Überhaupt: Was heißt schon „türkisch“? Aus deutscher Sicht verbindet man damit vielleicht einen temperamentvollen, muslimischen Mann. Aber das kann man ja auch nicht so generell sagen.

Jedenfalls war mein Vater auch schon immer selbstständig unterwegs. Ob Schauspieler, Dönerbudenbesitzer, Regisseur, Taxifahrer – er war immer mit vollem Herzen dabei. Und das bin ich auch.

Ich habe Sportwissenschaften studiert und als Sporttherapeut gearbeitet. Aber das war nichts für mich: Ich habe gekündigt und stattdessen mein Hobby Filmen zum Beruf gemacht. Meine ersten Jobs auf Hochzeiten hat mir ein Kumpel vermittelt. Mittlerweile drehe ich auch einige Imagefilme. Das Unternehmen bin ich, also nur ich, aber ich lebe vom Netzwerk. Du brauchst Leute, die dir den Rücken frei halten."


Haha

Wie eine Frau ihren Mann mit einem Kojoten im Wohnzimmer trollt

03.12.2016, 17:06

"​Schatz, ich habe uns einen Hund besorgt!"

Kayla Eby aus Seaside im US-Bundesstaat Oregon ist sehr tierlieb. Außerdem hat sie einen Sohn – und der wollte schon immer gerne einen Hund haben. Als Kayla also diesen süßen, verschreckten Welpen am Straßenrand sieht, ist es logisch, dass sie ihn sofort mitnimmt.

Blöd nur, wenn der Hundewelpe in Wirklichkeit ein Kojote ist – ein in den USA beheimateter Steppenwolf.

Kayla weiß das natürlich. Und eigentlich gibt es auch gar keinen Kojoten – sondern nur ihren Sohn auf einem leeren Sofa und ein paar Photoshop-Tricks.