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Profi-Kuschler, Quizspieler und Prinzessin – So erfindest du deinen eigenen Job

17.10.2016, 10:40 · Aktualisiert: 18.10.2016, 17:30

Wir haben mit Frauen und Männern gesprochen, die das getan haben.

Für welchen Job soll man sich entscheiden: Den, den die Eltern schon ausüben? Oder lieber auf den Tipp des Berufsberaters hören? Oder ganz anders: Warum nicht das tun, was noch keiner getan hat?

Wir haben mit zwei jungen Frauen und zwei jungen Männern gesprochen, die genau das getan haben: Sie haben sich ihren eigenen Beruf geschaffen. Was war schwierig? Und wo haben sie sich Hilfe geholt?

(Bild: ARD / Uwe Ernst )

Sebastian, 27, aus Berlin. Beruf: Quizspieler

Ich habe sehr früh begonnen, Wissen partiell aufzusaugen. Wenn mich etwas interessiert hat, habe ich so viel wie möglich dazu gelesen. Mein Lieblingsfach in der Schule änderte sich mehrmals im Jahr. So habe ich mich automatisch für neue Dinge begeistert.

2009 hörte ich zum ersten Mal von der Quizweltmeisterschaft. Damals war Quizzen noch nicht so riesig; dass man das professionell machen kann, hat eigentlich keiner geglaubt. Das war auch nicht das Ziel: Es funktioniert nicht, nur des Geldes wegen zu Meisterschaften zu fahren.

Mit 22 Jahren habe ich den Deutschen Quiz-Verein gegründet. Zeitgleich habe ich angefangen, Fragen für Pub-Quizze zu schreiben. Durch den Verein kamen schnell Anfragen vom Fernsehen, die entweder nach Autoren für Quizfragen suchten oder Kandidaten.

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ARD / Uwe Ernst
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Dauerhaft kann man als Kandidat nicht das große Geld verdienen. Man kann nicht ständig in anderen Sendungen auftauchen, außerdem ist jedes Quiz immer mit Glück verbunden. Seit 2013 bin ich als "Jäger" fester Bestandteil der ARD-Quizsendung "Gefragt – gejagt". Außerdem veranstalte ich Pub-Quizze und schreibe Fragen für Quizshows.

Das Schönste an dem Job ist zeitgleich das Anstrengendste: Ich habe nie Feierabend. Wenn ich durch die Stadt gehe und mir ein Name auf einem Plakat auffällt, recherchiere ich, wer das ist. Ich habe schnell gemerkt, dass es nicht ausreicht, jeden Tag nur die Zeitung zu lesen.

Außerdem muss ich die Sachen erleben, um sie mir merken zu können. Wenn ich einen Cocktail getrunken habe, kenne ich eher seine Bestandteile, als wenn ich nur darüber lese.

Trotzdem bin ich mindestens genau so vergesslich im Alltag wie jeder andere auch. Wo liegt mein Schlüssel? Worüber haben wir gestern noch gesprochen? Vielleicht liegt das daran, dass sich dieses Wissen konstant ändert, während der Name eines Flusses immer gleich bleibt.

Elisa, 30, aus Wien. Beruf: Kuschlerin

Vergangenes Jahr las ich einen Artikel über professionelle Kuschler in Amerika. Das war genau der Sinn in meinem Leben, nach dem ich gesucht hatte. Ich habe alle Informationen aufgesogen und im Februar die "Kuschel Kiste" gegründet: Gemeinsam mit Freunden und Bekannten aus Österreich und Deutschland biete ich an, professionell mit Menschen zu kuscheln.

In meinem Umfeld glaubte keiner, dass man damit Geld verdienen kann. Andere sorgten sich, dass mir etwas passiert oder ich "meinen guten Ruf" verliere. Es war hart, eigentlich kaum Unterstützung zu erfahren. Letztendlich hat mich aber jeder Kritiker nur bestärkt.

Zu mir kommen vor allem Menschen zwischen 40 und 50 Jahren, denen eine feste Beziehung fehlt. Meist kuscheln wir nicht nur, sondern sie erzählen mir auch intime Dinge. Es ist schön zu sehen, wie viel Vertrauen sie mir entgegen bringen.

Vor meinem ersten Kuschel-Kunden war ich wahnsinnig nervös, doch nach der ersten Berührung war jede Fremdheit verflogen. Bevor man sich körperlich nah kommt, spreche ich mit jedem Kunden, um die Motivation zu erfahren, aber auch um Grenzen abzustecken.

So lehne ich Anfragen von Männern ab, die Sex wollen. Es kam auch schon vor, dass während des Kuschelns einer versucht hat, mit mir zu schlafen – so etwas breche ich sofort ab.

Schwieriger sind die, die ungewollt erregt sind. Das ist ihnen oft viel unangenehmer als mir. Ich beruhige sie, erkläre, dass das völlig normal ist und ändere die Position. Wenn ich mich zum Beispiel auf den Rücken eines Kunden lege, fühlt man sich schnell in die Geborgenheit der Kindheit zurückversetzt – das lässt kaum Raum für sexuelle Erregung.

Für diesen Job braucht man so etwas wie ein Kuschel-Gen, vieles passiert intuitiv. Ich habe in der Uni mal an einem Experiment teilgenommen: Wie viel körperliche Nähe ist in einem normalen Gespräch okay? Die andere Person kam mir immer näher, doch ich habe das gar nicht realisiert. Es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte auf seinem Schoß gesessen. Das fand auch der Professor sehr ungewöhnlich.

Beim Kuscheln wird Oxytocin ausgeschüttet. Ein Hormon, das zu Glücksgefühlen führt – unter Umständen verliebt man sich aber auch. Tatsächlich verliebte ich mich schon mal ein bisschen in einen Kunden – aller Professionalität zum Trotz. Das sagte ich ihm natürlich nicht, und wenn man von dieser Wirkung weiß, kann man auch gut damit umgehen.

Sollte mein Partner zu eifersüchtig auf meinen Job sein, kommt eine Beziehung für mich nicht infrage. Ich liebe diesen Beruf und kann mir nicht vorstellen, ihn aufzugeben.

Nicolas, 27, aus Friedrichshafen. Beruf: Erfinder

Ich komme aus einer Gastronomenfamilie und als Kind war es mein großer Traum, Sternekoch zu werden. Also habe ich eine Kochausbildung gemacht und danach unter anderem in einem Restaurant in England gearbeitet. Die Küche war genau so, wie ich es mir immer vorgestellt habe: innovativ und voller Leidenschaft. Allerdings konnte ich durch einen Unfall nicht mehr als Koch arbeiten.

Durch Zufall habe ich in Hongkong die Parablüte kennengelernt. Eine Pflanze, die alles, was man an Geschmack zu kennen glaubt, auf den Kopf stellt. Ich wollte unbedingt etwas damit machen.

Über drei Jahre experimentierte ich in der Küche meiner Eltern mit der Parablüte. Am Ende ist eine Spirituose herausgekommen.

Mir war nicht klar, wie hart es ist, eine neue Spirituose auf den Markt zu bringen. Die ersten Anrufe bei Bars waren mehr als ernüchternd: Keiner konnte sich vorstellen, dass das wirklich etwas ganz Neues ist. Und wie soll man jemandem etwas erklären, was es vorher noch nicht gab?

Vor einem Jahr begannen wir, das Produkt Bars anzubieten und selbst zu vertreiben. Trotz der Anfangsschwierigkeiten gab es zum Glück immer Menschen, die mir geholfen haben. Lustigerweise trifft man die besten Kontakte beim Pinkeln auf einer Party. So kamen einige Kooperationen zustande, die mir wirklich weitergeholfen haben.

Noch studiere ich nebenbei Soziologie, Wirtschaftswissenschaften und Politik, vor allem aber aus Interesse an den Fächern. Meine große Leidenschaft gilt der Firma. Trotz Stress würde ich es nicht anders machen wollen. Wenn die Idee gescheitert wäre, hätte ich immer noch sagen können: Nicht schlimm, eigentlich bin ich ja Student. Das war eine sehr beruhigende Pufferzone.

Sarah, 25 aus Köln. Beruf: Prinzessin

Der Geburtstag des Kindes ist das Event des Jahres. Genau so ging es mir auch, als der vierte Geburtstag meines Sohns bevorstand. Ich wollte, dass der Tag für ihn perfekt wird – und ich wollte einen Superhelden mieten. Aber es gab nichts.

Da beschloss ich, das Ganze einfach selbst aufzuziehen. Ich wollte schon immer beruflich etwas mit Kindern machen, bin aber zunächst in die Fußstapfen meiner Eltern getreten, beide selbstständig im Einzelhandel.

Als ich ihnen von meiner Idee erzählt habe, wollten sie mich sofort unterstützen. Meine Schwester hat sogar einen Facepaint-Kurs gemacht, um Kinderschminken zu lernen. Der Einzige, der ein bisschen Sorge hatte, war mein Freund: Zwei kleine Kinder und selbstständig – das ist kein Spaziergang.

Zunächst hoffte ich, auf zwei oder drei Kindergeburtstage monatlich. Inzwischen, eineinhalb Jahre später, sind es 30 bis 40. Ich habe sechs freie Mitarbeiter in meinem Team, darunter auch einen Mann, der ein hervorragender Prinz, Pirat oder Sternenkrieger ist. Wir treten nicht nur bei Kindergeburtstage auf, sondern auch bei Hochzeiten, Kommunion und Firmenfeiern – unser ältestes Geburtstagskind wurde 33 Jahre.

Das Schönste an diesem Job? Definitiv die Reaktionen der Kinder. Man weiß nie genau, was passiert, das liebe ich. Einmal fragte mich ein Mädchen, wie ich hereingekommen sei. Ich sagte ihr, dass ihr Papa mir die Tür geöffnet hat. "Stimmt, Papa macht nur schönen Frauen die Tür auf", sagte sie. Der Blick der Mutter war großartig.


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Der Angriff auf Mossul live auf Instagram

17.10.2016, 08:30 · Aktualisiert: 17.10.2016, 10:31

Die irakische Armee und ihre Verbündeten greifen die Stadt Mossul an, die letzte verbliebene Hochburg des "Islamischen Staates" im Irak. Zwischen 4000 bis 8000 Dschihadisten und bis zu 1,5 Millionen Einwohner werden in Mossul vermutet. (BBC)

Der "Islamische Staat" hatte die Millionenstadt vor knapp zweieinhalb Jahren überfallen und unter seine Kontrolle gebracht. Damals sollen rund 30.000 irakische Soldaten vor 800 IS-Kämpfern geflohen sein.

Weil Mossul für den IS so wichtig ist, erwartet die irakische Armee heftigen Widerstand. Die zivile Bevölkerung wurde mit Flugblättern aufgefordert, sich zu Hause zu verschanzen.